… besteht nicht unbedingt darin, dass sie Geld verteilen, bewerten oder vernichten (wenn dies auch nicht zu unterschätzen ist). Als ich nun endlich nicht nur erläuterte, wie man Businesspläne schreibt, sondern mich daran machte, selbst einen zu verfassen, bekam ich das Feedback, die Ideen seien gut, meine Sprache müsse ich allerdings den üblichen Gepflogenheiten der Banken anpassen.

Ich sollte also für meine geisteswissenschaftlichen Ideen keine geisteswissenschaftliche Sprache verwenden? Ja, genau. Schließlich ist der Businessplan kein geisteswissenschaftliches Medium.

Also grübelte ich, formulierte, kaufte mir einen Ratgeber (der sich als tatsächlich hilfreich erwies, insbesondere im Zahlenwerk, Hinweis steht unten) und schrieb um. Als ich das Ergebnis las, sah ich weder meine Ideen, noch mich selbst in diesem Plan. Meine Sprache formt mein Denken und ist Ergebnis meines Denkens; ich hatte mich auf eine betriebswirtschaftliche Sicht auf Kreativität und Geistesarbeit eingelassen. Es blieb nichts von mir übrig, mehr noch: Die Ideen erwiesen sich als tendenziell unwirtschaftlich. Nun mag dies angesichts der Arbeitsmarktrealität kaum verwundern, aber es ist ein Indiz dafür, warum diese so ist, wie sie ist. Sie wird von einem Denken und von einer Sprache beherrscht, in dem unsere Arbeit unwirtschaftlich ist. Auch das ist aus unserer Fachtradition kaum verwunderlich, immerhin trägt dieser Blog nicht umsonst einen pejorativen Namen.

Mich irritiert nur, dass wir dieser Sprache derart die Deutungshoheit überlassen haben und nichts dafür tun, sie zurückzugewinnen. Das ist ein ernsthaftes Desiderat.

Lutz, Andreas: Businessplan für Gründungszuschuss, Einstiegsgeld-
und andere Existenzgründer, 4. Auflage Wien 2010.
Ich danke Lydia Ortkraß für diesen Hinweis.