Gestöbert, gefunden, erinnert: KOWA Leipzig, Selbstmanagementinitiative, mtp

Die Website der Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt Leipzig lohnt einen Besuch. Dort finden Sie nicht nur (aber auch) Angebote der Uni Leipzig mit ihren Unterorganisationen (Career Service etc.), sondern auch eine systematische Verlinkung mit internen und externen Vereinigungen, Verbänden, Beratungsstellen und Fördermöglichkeiten. Themen sind Berufseinstieg, Familie und Beruf, Lebenslanges Lernen, Schlüsselkompetenzen, aber auch pragmatische Hilfen im Studienalltag, etwa zu Nebenjobs. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Browser foppen, falls er Sie nicht auf das verlockende „Onlineportal Arbeitsweltkompetenz“ lässt – das scheint an der „sicheren Verbindung “ mit https zu liegen; versuchen Sie es mit einem anderen Browser oder gestatten Sie den Zugriff, es funktioniert dann schon.

Ich bin dem Link zu SMILE nachgegangen – eine „Selbstmanagementinitiative“ mit Workshopangeboten zu Businessplan, SoftSkills, Gründercoaching etc. und habe mir dies für einen späteren, ausführlicheren Besuch gemerkt.

Schließlich erinnerte mich der Link zum studentischen Verein mtp – Marketing in Theorie und Praxis e.V. an Kooperationsabsichten im Paderborner Netzwerk zur Unternehmensgeschichte und an ihr Magazin „Mehrwert“, das in der Ausgabe 10/2009 dem „History Marketing“ gewidmet war.

Wir sind kein Thema

Zwei Beobachtungen der letzten Tage stimmen mich nachdenklich:

1. Im Zuge einer Zwischenbilanz der Bolognareform ist viel die Rede von Erfolg und – überwiegend – Misserfolg. Die Internationalisierung sei nicht zu umfassend, wie angestrebt, die Studienzeiten hätten sich nicht verkürzt. Das dritte Ziel – Beschäftigungsfähigkeit – wird kaum bilanziert, wenn überhaupt erwähnt. Doch dann stieß ich auf einen Artikel von Verena Wulff auf Süddeutsche.de: „Bachelor im Beruf“, und dachte, ich nehme alles zurück. Allerdings waren diese Bachelor überwiegend Absolventen der Ingenieurswissenschaft, die in die Hightechbranche einstiegen; befragte Unternehmen waren Microsoft und Bosch. Ich nehme nichts zurück; unsere Absolventen sind einfach kein Thema.

2. „Wer will Journalist werden?“ überschreibt die Henri-Nannen-Schule ihre Ausschreibung für das Auswahlverfahren des 35. Lehrgangs. – Ganz viele natürlich!
„Eine bestimmte Vorbildung verlangen wir nicht.“ – Hurra, sofort registrieren!
„Besonders ermutigen möchten wir allerdings junge Menschen mit einem Studium der Natur-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften […]. Denn Journalisten mit diesen Fachkenntnissen sind gesucht, sie werden auch künftig sehr gute Chancen haben, für Qualitätsmedien zu arbeiten.“ – Ernüchterung.
Wir also nicht, weder ermutigt, noch gesucht, und auch künftig keine sehr guten Chancen? Oder müssen wir nur nicht angesprochen und motiviert werden, weil wir den Weg schon alleine finden?

Berufseinstieg mit Kind(ern)

Denken Sie bitte nicht, in diesem Textchen finden Sie Antworten, Lösungen oder Musterpläne zum Berufseinstieg mit Kind. Es ist ja bereits ein Problem, dass dies als Problem wahrgenommen wird und entsprechend mehr Warnungen als Ermutigungen und Vorbilder abzurufen sind. Und auch, wenn Sie es als Studentin nicht wahrhaben müssen oder wollen: Es gibt Unterschiede zwischen Muttersein und Vatersein, die sich nicht allein auf die körperlichen „Umstände“, sondern auch auf die Rollenzuschreibungen, daraus folgende Erwartungshaltung und damit wiederum verbunden Chancen auf dem Arbeitsmarkt beziehen. In der Regel stehen Mütter schlechter da als Väter, und schnell lassen sich Eltern und Kinderlose gegeneinander ausspielen. Wollte ich erst auch nicht glauben. Der Lernprozess war sehr unangenehm.

Lassen wir also die Frage nach dem „Ob-Überhaupt“ und nach dem geeigneten Zeitpunkt beiseite. Die Arbeits- und psychische Belastung mit Kindern ist immer größer, die Flexibilität immer geringer als ohne. Ein Berufseinstieg, der bei Geisteswissenschaftlern ohnehin selten planbar abläuft – es sei denn, es geht um Stellen im öffentlichen Dienst -, muss bei einem Leben mit Kindern diesem Leben angepasst werden. Daher einige Impressionen, wie dies unterstützt werden könnte:

– Mit Kindern verändern sich Ihre Netzwerke – Sie brauchen, wenn Sie weiterhin studieren, sich qualifizieren oder in den Beruf einsteigen wollen, Unterstützer auf vielen Ebenen: zur Kinderbetreuung bzw. als Springer, wenn die Regelbetreuung ausfällt, zur Finanzierung bzw. Überbrückung, zur Weiterleitung von relevanten Informationen, vor allem aber als „Krieger an Ihrer Seite“, die Sie bei Frustration, Müdigkeit und Angriffen aufbauen und den Humor nicht verlieren. Eine Kommilitonin schildet ihre Erfahrungen zur Promotion mit Kind hier. Eine gute Plattform, die auch über Versicherungsfragen, Sonderurlaub etc. informiert und zu Initiativen etwa in Leipzig, Frankfurt, Hamburg und Köln verlinkt, ist Studentenkind.

– Es gibt institutionelle Unterstützungen, doch die sind in ihrer Verbreitung und Qualität sehr heterogen. Die Gleichstellungsbeauftragte könnte dies sein, vielleicht gibt es in Ihrer Uni auch eine Familienstelle oder im Career Service jemanden, der darauf spezialisiert ist. An der Uni Bielefeld ist ein Workshop zur Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft angekündigt, der zwar nicht allen offensteht, aber in seinem Programm einige Hinweise gibt, welche weiteren Punkte eine Rolle spielen, etwa Zeit- und Selbstmanagement. Unspezifisch für die Geisteswissenschaften, aber natürlich dennoch wertvoll ist der Verband berufstätiger Mütter e.V.

– Für die wissenschaftliche Laufbahn gibt es Programme und Stipendien für Eltern, allerdings scheint mir dies derzeit noch sehr sporadisch zu sein und in der Effektivität vom persönlichen Engagement innerhalb der Unis abzuhängen. Ich fand an der TU Ilmenau Kontakt– und Wiedereinstiegsstipendien für Eltern. Gewiss gibt es das auch anderswo. Eine weitere Anregung aus den Naturwissenschaften gälte es für unseren Bereich aufzunehmen; dort können sich Doktorandinnen mit Kind um ein Stipendium bewerben, das neben Kinderbeteuung auch Haushaltshilfen unterstützt.

– Politisieren und informieren Sie sich! Ihre Elternrolle ist ohnehin politisch, das erleben Sie in den emotional aufgeladenen Diskussionen um den unterstellten Egoismus der Kinderlosigkeit (ebenso wie den unterstellten Egoismus der Elternschaft zur Selbstverwirklichung), Beteuungsgeld, Eltergeld und -zeit für Väter. Gisela Erler, nun Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg, ging der Frage nach, warum Frauen trotz guter Kinderbetreuung an die gläserne Decke stoßen – eine Frage der Maskulinität der Arbeitswelt. Wunderbar wütend bloggt Laurie Penny, ebenso ist die Lektüre ihres Essays „Fleischmarkt“ anregend und erinnert an die Tatsache, dass auch Körper und Reproduktion kapitalisiert sind. Sie müssen nicht ihrer Meinung sein, aber mein Rückrat hat sie gestärkt, als ich in der für mich neuen Situation war, aufgrund meiner Mutterschaft viel mehr zu leisten und trotzdem weniger wert zu sein.

– Elternzeit und Elterngeld: Hierzu gibt es Beratungsstellen und Informationsmaterial. Eine Sammlung finden Sie hier. Auch Studentenkind hält hilfreiche, auf Ihre Situation zugeschnittene Informationen bereit. Für Sie wird insbesondere die Frage nach dem Anspruch auf finanzielle Leistungen wichtig sein; Elterngeld erhalten Sie in der Regel nur bei einem bestehenden Arbeitsvertrag in Höhe von 67% des Durchschnittseinkommens der letzten 12 Monate (auch, wenn Sie davon nur sechs Monate Einkommen hatten – entsprechend geringer ist das Durchschnittsgehalt und damit die Bemessungsgrundlage).

Dies ist sicherlich nicht erschöpfend und wird fortgesetzt. Neben den praktischen Fragen, die für Eltern anders und neu sind, steht allerdings eine dringend notwendige Mentalitätsveränderung, die Elternschaft positiv bewertet und – darin liegt das eigentliche Problem – diese Bewertung auch in entsprechende, für uns passende Arbeits- und Berufseinstiegsbedingungen umsetzt. Darauf können wir nicht warten, daran müssen wir mitarbeiten.

Social Media im Kulturmanagement

Vielleicht sind Sie (sicherlich eher als ich) digital natives, zumindest gefühlt. Dennoch mag das Erlernen des systematischen, professionellen Einsatzes von Social Media im Studium, Beruf und beim Berufseinstieg sinnvoll sein – über die Kompetenz hinaus, bei facebook peinliche Fotos zu löschen, damit potentielle Arbeitgeber nicht ihre Hangover-Chronik verfolgen.

Einige Kulturwissenschaftler haben sich auf den Bereich Social Media spezialisiert. Hier kommen neben technischen Grundlagen (meist genügen für den Einstieg Anwenderkenntnisse, da die Interfaces benutzerfreundliche und modularisierte Strukturen haben) auch Kenntnisse und Erfahrungen in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit/ Marketing/ PR und Projekt- bzw. Kulturmanagement hinzu.

Über das Potential und den Einsatz von Social Media wird derzeit freilich noch diskutiert – hier liegt eine Chance für Sie, denn Sie können sich noch ausprobieren, beobachten, neue Felder bestellen. Am 14. September 2012 wird in Köln das stARTcamp veranstaltet; eine Teilnahme ist Tätigen in diesem Arbeitsbereich vorbehalten, dennoch lohnt ein Blick auf die Website, auch um zu verstehen, worum es eigentlich geht und welche Stimmung, welche Sprache und welche Sitten dort gepflegt werden (http://startcampk.posterous.com/). Einen Überblick gibt auch die Website http://www.startconference.org/ mit Hinweisen auf den Trägerverein, Publikationen und Veranstaltungen. Gleichfalls ist die website der freiberuflichen Kulturmanagerin Karin Janner informativ, unterhaltsam und anregend, wenn ich auch als schwerfällige Historikerin etwas Zeit brauche, mich durchzuarbeiten.

Publikationen finden sich z. B. im IT-affinen Verlag mitp. Als lohnenswert, da mit Blick auf Fallbeispiele, Theorie und praktische Anleitungen, zumal für Anfänger wie mich, empfand ich die Lektüre von:

Janner, Karin/ Holst, Christian/ Kopp, Axel (Hg.): Social Media im Kulturmanagement, Heidelberg u.a. 2011.

 

Historische Unternehmenskommunikation

Was machen Historiker eigentlich in der „freien Wirtschaft“, wenn sie als HIstorikerInnen tätig bleiben wollen und keine Tätigkeiten aufgrund womöglich unspezifischer Schlüsselqualifikationen ausführen?

Der Bereich der historischen Unternehmenskommunikation scheint einen Blick wert zu sein. Großunternehmen wie VW verfügen darüber; Unternehmensmuseen können ebenfalls hierunter gefasst werden (auch hier lohnt ein Blick auf die Autohersteller: Porsche und Mercedes-Benz haben mit den Neukonzeptionen ihrer Ausstellungen in den vergangenen Jahren Marken gesetzt).

Es gibt zudem Dienstleister, die für Unternehmen an der Grenzen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft tätig werden. Das Institut für Firmen- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg etwa arbeitet im Bereich der fachlich rückgekoppelten PR, erforscht Geschichte, Produkte und Marken von Unternehmen, um sie (u.a.) in PR-Strategien zu veröffentlichen. Dort werden immer wieder Praktika ausgeschrieben.

In Köln und Berlin ist die Agentur Geschichte.Präsent mit je einer Filiale vertreten.

Das Geschichtsbüro in Köln bietet ein breites Spektrum, das über die Leistungen im Bereich Unternehmens- und Familiengeschichte hinaus auch Workshops, Aufbau von Archiven, TV-Recherche und einen eigenen Verlag umfasst – Synergien, die ich persönlich sehr schätze und gleichfalls auskosten mag. Dirk Reder vom Geschichtsbüro wies mich zudem darauf hin, dass sie mit bislang 117 Projekten vermutlich die größte Agentur der Branche seien.

Recht bekannt – nicht zuletzt aufgrund der Publikationen Alexander Schugs – ist die Vergangenheitsagentur in Berlin.

Und ich wusste auch noch, dass eine Agentur in Münster war, aber die Suchmaschinen spuckten sie auf den ersten Trefferseiten nicht aus. Falls jemand sie kennt, wäre ich für die Ergänzung dankbar.

Historische Unternehmenskommunikation ist folglich ein Feld, das seit ca. 15 Jahren bestellt wird und sowohl als Abteilung in einem Unternehmen als auch als selbstständige Dienstleistung bzw. eigenes Unternehmen betrieben werden kann. Dass hier der Vorwurf des Brotgelehrtentums besonders schnell erklingt, mag kaum verwundern, es stellt sich doch die Frage, in welcher Relation Forschungsergebnisse und Unternehmens-PR bzw. Markenkern zueinander stehen (und da ist nicht einmal nur der Klassiker Zwangsarbeiter im NS gemeint – ich staune ja immer wieder, wie bunt die Welt der Waffenproduktion ist). Das sollte doch mal ein Interview wert sein.

Hardtwig, Wolfgang/ Schug, Alexander (Hg.): History Sells! Angewandte Geschichte als Wissenschaft und Markt, Stuttgart 2009

Philip Janssen, Marian Krawietz: Geschichte als Kapital, in: Pressesprecher 05/2004, S. 26-28 PDF

Berghoff, Hartmut: Moderne Unternehmensgeschichte, Paderborn 2004

Dank an Alexander Schug für den Hinweis auf sein Buch: History Marketing. Ein Leitfaden zum Umgang mit Geschichte in Unternehmen, Bielefeld 2003 –
darin finden sich im Übrigen auch Auseinandersetzungen mit der Frage nach einer Ethik wissenschaftlichen Arbeitens für die Wirtschaft.

Arbeiten mit Latein

Heute bekam ich eine freundliche Nachricht, die gleich doppelten Nutzen brachte: Dr. Annastina Kaffarnik schrieb von ihrer Tätigkeit als Dienstleisterin an lateinischen Texten: Übersetzung in beide Richtungen, Transkription und Einsprechen bietet sie an. Universitäten, Archive und Museen sind tatsächliche und potentielle Auftraggeber. Damit bearbeitet sie ein Feld, das für viele Geisteswissenschaftler nur mit Mühe zu bestellen ist, das sogar für immer mehr Absolventen gar nicht zu erschließen ist. Durch ein solches Teammitglied kann die Arbeit an den Quellen unter Umständen erst erfolgen, für andere wird sie erleichtert. Also: Ein gutes Beispiel für eine Tätigkeit mit geisteswissenschaftlichem Spezialwissen (das zugleich eine Schlüsselqualifikation ist), und ein Kontakt, den ich mir gern merke, denn der Tag wird kommen, an dem ich an einer Quelle verzweifle.

http://www.translatinum.de