Eine Umfrage zu Berufszielen unter den GeschichtsstudentInnen in Stuttgart ergab, dass „JournalistIn“ für die Studierenden im B.A. an erster Stelle rangierte und bei den „Lehrämtern“ an zweiter. Grund genug, nachzufragen, wie ein Absolvent den Einstieg schaffen kann, auch ohne Publizistik studiert oder eine Journalistenschule besucht zu haben. Sigurd Gringel aus Paderborn stellt sich in den Antworten quasi selbst vor – ihm sei herzlich gedankt!

Brotgelehrte: Wie kamen Sie zum Volontariat bei einer Lokalzeitung?

Sigurd Gringel: Ich habe Geographie mit den Nebenfächern Mittelalterliche Geschichte und Medienwissenschaften studiert. Mein Volontariat bei der Neuen Westfälischen (NW) habe ich erst mit 35 Jahren aufgenommen. Das ist zwar ungewöhnlich, aber auch nicht so selten wie es vielleicht klingen mag. Ich habe allerdings auch Kollegen, die mehr als zehn Jahre jünger sind als ich.

Vor dem Volontariat habe ich elf Jahre als freier Mitarbeiter ebenfalls bei der NW gearbeitet. Ein Studienkollege hatte mir damals beiläufig erzählt, dass dort jemand mit Fußball-Erfahrung für das Ressort Sport gesucht werde. Ich habe einfach in der Redaktion angerufen und sollte einen Probetext schreiben. So war ich dabei. Erst nach dem Studium, als ich mir sicher war, die Journalisten-Laufbahn einzuschlagen, absolvierte ich ein Redaktionspraktikum bei der NW. So wurden auch die Kollegen aus dem Ressort Lokales verstärkt auf mich aufmerksam. Ich habe dann hauptberuflich einige Jahre als freier Journalist gearbeitet, mein Honorar aber durch einen 400-Euro-Job aufgebessert, bis eine der zahlreichen Bewerbungen endlich Erfolg hatte. Hilfreich war meiner Ansicht nach auch ein weiteres Praktikum in der Onlineredaktion der NW. Dass ich meine Praxis-Erfahrungen fast ausschließlich bei der NW gesammelt habe, ist schon sehr ungewöhnlich. Alle anderen Volontär-Kollegen können Praktika bei verschiedenen Verlagen im Print, Online oder Hörfunk nachweisen.

Brotgelehrte : Was haben Sie im Studium gelernt, das Sie zu dieser Tätigkeit qualifiziert; sowohl an Fachwissen als auch an sog. Schlüsselqualifikationen?

Sigurd Gringel: Ich habe den Eindruck, dass mein Geschichts-Fachwissen für das Volontariat bei einer Tageszeitung eine untergeordnete Rolle spielt. Wichtiger erscheint mir eine solide Allgemeinbildung und breit gestreutes Interesse. Schreiben ist nicht schwierig, aber im Studium habe ich durch Referate und Hausarbeiten wichtiges Handwerk gelernt: Gründliche Recherche, sorgfältiges Bearbeiten aller Themen (nicht nur die Lieblingsthemen) und das Aufbereiten komplizierter Sachverhalte in eine für Andere/Leser verständliche Form.

Brotgelehrte: An welchen anderen Orten, auf welchen anderen Wegen haben Sie sich das erforderliche Wissen und Können verschafft?

Sigurd Gringel: Das meiste habe ich mir durch die Arbeit selbst angeeignet und vor allem durch Tipps der Kollegen. Wichtig erscheint mir auch, alle Tageszeitungen, Magazine, Broschüren etc. zu lesen (oder zumindest anzusehen), die ich in die Finger bekomme. Darüber hinaus Fachbücher/Internetseiten zu ausgewählten Journalismus-Themen.

Brotgelehrte: Welche Rolle spielte netzwerken?

Sigurd Gringel: Für meine Bewerbung keine.

Brotgelehrte: Wissen Sie schon, wie es nach dem Volontariat weitergehen wird?

Sigurd Gringel: Die Zukunft ist ungewiss. Eine Stelle als Redakteur bei der NW ist nicht garantiert, aber auch nicht ausgeschlossen.

Brotgelehrte: Was können Sie Studierenden der geisteswissenschaftlichen Fächer mit Berufswunsch Journalismus empfehlen?

Sigurd Gringel: Wichtig ist, frühzeitig, schon während des Studiums, als freier Mitarbeiter für einen Verlag tätig zu werden. Wenn es die Zeit zulässt, Praktika zu absolvieren, um den Arbeitsalltag kennenzulernen. Die meisten meiner Kollegen sind Geisteswissenschaftler.