Was machen Historiker eigentlich in der „freien Wirtschaft“, wenn sie als HIstorikerInnen tätig bleiben wollen und keine Tätigkeiten aufgrund womöglich unspezifischer Schlüsselqualifikationen ausführen?

Der Bereich der historischen Unternehmenskommunikation scheint einen Blick wert zu sein. Großunternehmen wie VW verfügen darüber; Unternehmensmuseen können ebenfalls hierunter gefasst werden (auch hier lohnt ein Blick auf die Autohersteller: Porsche und Mercedes-Benz haben mit den Neukonzeptionen ihrer Ausstellungen in den vergangenen Jahren Marken gesetzt).

Es gibt zudem Dienstleister, die für Unternehmen an der Grenzen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft tätig werden. Das Institut für Firmen- und Wirtschaftsgeschichte in Hamburg etwa arbeitet im Bereich der fachlich rückgekoppelten PR, erforscht Geschichte, Produkte und Marken von Unternehmen, um sie (u.a.) in PR-Strategien zu veröffentlichen. Dort werden immer wieder Praktika ausgeschrieben.

In Köln und Berlin ist die Agentur Geschichte.Präsent mit je einer Filiale vertreten.

Das Geschichtsbüro in Köln bietet ein breites Spektrum, das über die Leistungen im Bereich Unternehmens- und Familiengeschichte hinaus auch Workshops, Aufbau von Archiven, TV-Recherche und einen eigenen Verlag umfasst – Synergien, die ich persönlich sehr schätze und gleichfalls auskosten mag. Dirk Reder vom Geschichtsbüro wies mich zudem darauf hin, dass sie mit bislang 117 Projekten vermutlich die größte Agentur der Branche seien.

Recht bekannt – nicht zuletzt aufgrund der Publikationen Alexander Schugs – ist die Vergangenheitsagentur in Berlin.

Und ich wusste auch noch, dass eine Agentur in Münster war, aber die Suchmaschinen spuckten sie auf den ersten Trefferseiten nicht aus. Falls jemand sie kennt, wäre ich für die Ergänzung dankbar.

Historische Unternehmenskommunikation ist folglich ein Feld, das seit ca. 15 Jahren bestellt wird und sowohl als Abteilung in einem Unternehmen als auch als selbstständige Dienstleistung bzw. eigenes Unternehmen betrieben werden kann. Dass hier der Vorwurf des Brotgelehrtentums besonders schnell erklingt, mag kaum verwundern, es stellt sich doch die Frage, in welcher Relation Forschungsergebnisse und Unternehmens-PR bzw. Markenkern zueinander stehen (und da ist nicht einmal nur der Klassiker Zwangsarbeiter im NS gemeint – ich staune ja immer wieder, wie bunt die Welt der Waffenproduktion ist). Das sollte doch mal ein Interview wert sein.

Hardtwig, Wolfgang/ Schug, Alexander (Hg.): History Sells! Angewandte Geschichte als Wissenschaft und Markt, Stuttgart 2009

Philip Janssen, Marian Krawietz: Geschichte als Kapital, in: Pressesprecher 05/2004, S. 26-28 PDF

Berghoff, Hartmut: Moderne Unternehmensgeschichte, Paderborn 2004

Dank an Alexander Schug für den Hinweis auf sein Buch: History Marketing. Ein Leitfaden zum Umgang mit Geschichte in Unternehmen, Bielefeld 2003 –
darin finden sich im Übrigen auch Auseinandersetzungen mit der Frage nach einer Ethik wissenschaftlichen Arbeitens für die Wirtschaft.