Denken Sie bitte nicht, in diesem Textchen finden Sie Antworten, Lösungen oder Musterpläne zum Berufseinstieg mit Kind. Es ist ja bereits ein Problem, dass dies als Problem wahrgenommen wird und entsprechend mehr Warnungen als Ermutigungen und Vorbilder abzurufen sind. Und auch, wenn Sie es als Studentin nicht wahrhaben müssen oder wollen: Es gibt Unterschiede zwischen Muttersein und Vatersein, die sich nicht allein auf die körperlichen „Umstände“, sondern auch auf die Rollenzuschreibungen, daraus folgende Erwartungshaltung und damit wiederum verbunden Chancen auf dem Arbeitsmarkt beziehen. In der Regel stehen Mütter schlechter da als Väter, und schnell lassen sich Eltern und Kinderlose gegeneinander ausspielen. Wollte ich erst auch nicht glauben. Der Lernprozess war sehr unangenehm.

Lassen wir also die Frage nach dem „Ob-Überhaupt“ und nach dem geeigneten Zeitpunkt beiseite. Die Arbeits- und psychische Belastung mit Kindern ist immer größer, die Flexibilität immer geringer als ohne. Ein Berufseinstieg, der bei Geisteswissenschaftlern ohnehin selten planbar abläuft – es sei denn, es geht um Stellen im öffentlichen Dienst -, muss bei einem Leben mit Kindern diesem Leben angepasst werden. Daher einige Impressionen, wie dies unterstützt werden könnte:

– Mit Kindern verändern sich Ihre Netzwerke – Sie brauchen, wenn Sie weiterhin studieren, sich qualifizieren oder in den Beruf einsteigen wollen, Unterstützer auf vielen Ebenen: zur Kinderbetreuung bzw. als Springer, wenn die Regelbetreuung ausfällt, zur Finanzierung bzw. Überbrückung, zur Weiterleitung von relevanten Informationen, vor allem aber als „Krieger an Ihrer Seite“, die Sie bei Frustration, Müdigkeit und Angriffen aufbauen und den Humor nicht verlieren. Eine Kommilitonin schildet ihre Erfahrungen zur Promotion mit Kind hier. Eine gute Plattform, die auch über Versicherungsfragen, Sonderurlaub etc. informiert und zu Initiativen etwa in Leipzig, Frankfurt, Hamburg und Köln verlinkt, ist Studentenkind.

– Es gibt institutionelle Unterstützungen, doch die sind in ihrer Verbreitung und Qualität sehr heterogen. Die Gleichstellungsbeauftragte könnte dies sein, vielleicht gibt es in Ihrer Uni auch eine Familienstelle oder im Career Service jemanden, der darauf spezialisiert ist. An der Uni Bielefeld ist ein Workshop zur Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft angekündigt, der zwar nicht allen offensteht, aber in seinem Programm einige Hinweise gibt, welche weiteren Punkte eine Rolle spielen, etwa Zeit- und Selbstmanagement. Unspezifisch für die Geisteswissenschaften, aber natürlich dennoch wertvoll ist der Verband berufstätiger Mütter e.V.

– Für die wissenschaftliche Laufbahn gibt es Programme und Stipendien für Eltern, allerdings scheint mir dies derzeit noch sehr sporadisch zu sein und in der Effektivität vom persönlichen Engagement innerhalb der Unis abzuhängen. Ich fand an der TU Ilmenau Kontakt– und Wiedereinstiegsstipendien für Eltern. Gewiss gibt es das auch anderswo. Eine weitere Anregung aus den Naturwissenschaften gälte es für unseren Bereich aufzunehmen; dort können sich Doktorandinnen mit Kind um ein Stipendium bewerben, das neben Kinderbeteuung auch Haushaltshilfen unterstützt.

– Politisieren und informieren Sie sich! Ihre Elternrolle ist ohnehin politisch, das erleben Sie in den emotional aufgeladenen Diskussionen um den unterstellten Egoismus der Kinderlosigkeit (ebenso wie den unterstellten Egoismus der Elternschaft zur Selbstverwirklichung), Beteuungsgeld, Eltergeld und -zeit für Väter. Gisela Erler, nun Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg, ging der Frage nach, warum Frauen trotz guter Kinderbetreuung an die gläserne Decke stoßen – eine Frage der Maskulinität der Arbeitswelt. Wunderbar wütend bloggt Laurie Penny, ebenso ist die Lektüre ihres Essays „Fleischmarkt“ anregend und erinnert an die Tatsache, dass auch Körper und Reproduktion kapitalisiert sind. Sie müssen nicht ihrer Meinung sein, aber mein Rückrat hat sie gestärkt, als ich in der für mich neuen Situation war, aufgrund meiner Mutterschaft viel mehr zu leisten und trotzdem weniger wert zu sein.

– Elternzeit und Elterngeld: Hierzu gibt es Beratungsstellen und Informationsmaterial. Eine Sammlung finden Sie hier. Auch Studentenkind hält hilfreiche, auf Ihre Situation zugeschnittene Informationen bereit. Für Sie wird insbesondere die Frage nach dem Anspruch auf finanzielle Leistungen wichtig sein; Elterngeld erhalten Sie in der Regel nur bei einem bestehenden Arbeitsvertrag in Höhe von 67% des Durchschnittseinkommens der letzten 12 Monate (auch, wenn Sie davon nur sechs Monate Einkommen hatten – entsprechend geringer ist das Durchschnittsgehalt und damit die Bemessungsgrundlage).

Dies ist sicherlich nicht erschöpfend und wird fortgesetzt. Neben den praktischen Fragen, die für Eltern anders und neu sind, steht allerdings eine dringend notwendige Mentalitätsveränderung, die Elternschaft positiv bewertet und – darin liegt das eigentliche Problem – diese Bewertung auch in entsprechende, für uns passende Arbeits- und Berufseinstiegsbedingungen umsetzt. Darauf können wir nicht warten, daran müssen wir mitarbeiten.