Zwei Beobachtungen der letzten Tage stimmen mich nachdenklich:

1. Im Zuge einer Zwischenbilanz der Bolognareform ist viel die Rede von Erfolg und – überwiegend – Misserfolg. Die Internationalisierung sei nicht zu umfassend, wie angestrebt, die Studienzeiten hätten sich nicht verkürzt. Das dritte Ziel – Beschäftigungsfähigkeit – wird kaum bilanziert, wenn überhaupt erwähnt. Doch dann stieß ich auf einen Artikel von Verena Wulff auf Süddeutsche.de: „Bachelor im Beruf“, und dachte, ich nehme alles zurück. Allerdings waren diese Bachelor überwiegend Absolventen der Ingenieurswissenschaft, die in die Hightechbranche einstiegen; befragte Unternehmen waren Microsoft und Bosch. Ich nehme nichts zurück; unsere Absolventen sind einfach kein Thema.

2. „Wer will Journalist werden?“ überschreibt die Henri-Nannen-Schule ihre Ausschreibung für das Auswahlverfahren des 35. Lehrgangs. – Ganz viele natürlich!
„Eine bestimmte Vorbildung verlangen wir nicht.“ – Hurra, sofort registrieren!
„Besonders ermutigen möchten wir allerdings junge Menschen mit einem Studium der Natur-, Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften […]. Denn Journalisten mit diesen Fachkenntnissen sind gesucht, sie werden auch künftig sehr gute Chancen haben, für Qualitätsmedien zu arbeiten.“ – Ernüchterung.
Wir also nicht, weder ermutigt, noch gesucht, und auch künftig keine sehr guten Chancen? Oder müssen wir nur nicht angesprochen und motiviert werden, weil wir den Weg schon alleine finden?