Das Museumswesen gehört meinem Eindruck nach neben dem Journalismus zu den populärsten Arbeitszielen von Geschichtsstudierenden. Zudem kann es mit Selbstinitiative und Vernetzung einen fast nahtlosen Übergang vom Studium in den Beruf bedeuten. Diese rhetorischen Einschränkungen sind nötig, da die Ausstattung mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag auch hier nur in den seltensten Fällen am Anfang stehen wird. Vielmehr müssen Sie sich in die Finessen der Honorarverträge und freien Tätigkeiten einarbeiten. Daher sei auf die Kapitel „Ausstellung“ und „Selbstständigkeit“ in meinem Buch „Berufe für Historiker“ verwiesen sowie auf die entsprechenden Links in dem dazugehörigen PDF.

Als erster Schritt zur Kuratorenstelle eines international rennomierten Museums wird häufig das Praktikum genannt. Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber es ist die Frage, ob es der erste Schritt sein muss, denn bereits hier kann es zu tiefen Frustrationen kommen: Absagen, da die erforderlichen Erfahrungen fehlen (jawohl: für ein Praktikum) oder das Museum keine Praktika anbietet, weil es nur ein Ein-Personen-Betrieb ist oder zwar ein Praktikum vergeben wird, dann aber allgemeine Hilfstätigkeiten ausgeführt werden müssen wie Postamente schleppen oder Post erledigen.

Wenn für ein Praktkum bereits Erfahrungen nötig sind, welche könnten dies sein?

Sie können quasi sofort beginnen, sich einen Überblick über das Museums-, Ausstellungs- und Gedenkstättenwesen in Ihrer Umgebung und in Ihrem Fachbereich zu verschaffen.
Wo finden eigentlich überall Ausstellungen statt? Inzwischen fast überall, auch in Kaufhäusern, in Privatwohnungen, in Gärten, in Altersheimen, in Galerien, in industriellen Produktionsstätten, sogar in Universitäten …!

Informieren Sie sich über Ausstellungsmoden und -schwerpunkte in einzelnen Jahren, Regionen, Museumstypen, etwa via:

http://www.kunsttermine.de/
http://www.m-art-magazin.de/
http://webmuseen.de/
http://www.vernissage-museen.de/
Beilagen, Anzeigen und Rezensionen der großen Tages- und Wochenzeitungen sowie über deren online-Angebote (FAZ, SZ, ZEIT, NZZ)

Diese Auflistung ist ebensowenig erschöpfend wie die folgende über die Forschung, Reflexion und auch politisch-soziale Vertretung des Ausstellungswesens:

Institut für Museumsforschung
Deutscher Museumsbund
ICOM Deutschland
ICOM Österreich
ICOM u.a. Schweiz

U.a. über die Seite des Deutschen Museumsbundes erhalten Sie auch Hinweise über Aus- und Weiterbildung im Museumswesen, zu Volontariaten, Studiengängen, Fortbildungen. Impulse zum Bereich Bildung und Ausstellungen überhaupt – also auch außerschulisches Lernen, Erwachsenenbildung, kulturelle Bildung, Schule und Beruf – können Sie auf der Seite der Ostfriesischen Landschaft bekommen. Die Veröffentlichungen zum Museumswesen und Kulturmanagement des transcript-Verlags zeigen Ihnen bereits anhand der Titel die inhaltliche und methodische Breite des Themas.

Erfahrungen vor dem Praktikum bzw. während des Studiums müssen also nicht unbedingt vertraglich geregelte Tätigkeiten im Museum sein; wesentlich dazu gehört, Ausstellungen gesehen zu haben, Typen zu kennen, den öffentlichen Diskurs zu verfolgen, kurz: Ausstellung und Museum zu studieren. Und vielleicht erhalten Sie irgendwo eine Anregung oder treffen jemanden, mit dem Ihnen die Realisation einer eigenen Ausstellung, vielleicht an einem ungewöhnlichen Ort möglich scheint. Sie wissen, dass man nicht singen können muss, um eine schöne Stimme zu erkennen – vielleicht liegt Ihr Talent in der Rezension von Ausstellungen? Das Schöne ist, dass es Spaß macht, selbst zu sehen, zu entwickeln, umzusetzen, im Gegensatz zum Krampf, der sich schnell einstellt, fokussiert man Kompetenzen, optimiert Lebensläufe und sucht nach einem ECTS-kompatiblen Praktikum. Es ist eine Frage der Prioritäten: Selbst-Bildung oder Zertifizierung?