Eigentlich geht  es auf den ersten Blick um einen ganz alltäglichen, wenn auch bisweilen tabuisierten Bedarf: um Geld. Fundraiser verdienen ihr Brot damit, Kapital aufzutreiben, z. B. für Non-Profit-Organisationen. Wie Sie sich unschwer vorstellen können, kamen schnell auch andere Einrichtungen auf die Idee, den ungeliebten und vielleicht etwas peinlichen Teil der Arbeit, nämlich die finanzielle Basis für kulturelle, soziale oder wissenschaftliche Projekte zu schaffen, lieber an Profis zu delegieren. So findet sich hier ein Berufsfeld, dass sich sowohl hoher Nachfrage erfreut als auch noch in einem Ausdifferenzierungsprozess begriffen ist.

Auch in Ihrem natürlichen Umfeld ist Fundraising inzwischen angekommen, und mitnichten sind damit (nur) klassische Zweit- und Drittmittelanträge gemeint (das ist ein ganz eigenes Thema und betrifft u.a. den Wandel des Berufsbildes „WissenschaftlerIn“. Es verdient durchaus einen Blogeintrag, doch ich muss meinen Zeit-Fund im Blick behalten…). Das Hochschulfundraising ist eine alternative und ergänzende Form der Hochschulfinanzierung geworden. Auf der im Vorsatz verlinkten Website finden Sie eine beispielhafte Auflistung von Aktivitäten, für die Funds gebildet werden: für Stipendien, Veranstaltungen, konkrete Forschungsprojekte oder Stiftungsprofessuren. Doch es finden sich gleichfalls Punkte , bei denen mich der Gedanke beschlich, dass dies eigentlich zu die Aufgaben der Länder zählen müsste: Neubau oder die Sanierung von Gebäuden oder die Ausstattung mit Seminarräumen. Offenbar können wir auch hier den Prozess eines Transfers von öffentlichen Angelegenheiten zu verstärkt privatem Engagement (und Einfluss?!) beobachten.

Dies verweist auf die Dimension, in der Fundraiser arbeiten: Es geht nicht allein um das einmalige Auftreiben des nötigen Geldes zur Realisation eines bestimmten Projekts, sondern um einen Wandel der Finanzierungs- und Sozialkultur. Die Haupttätigkeit von Fundraisern besteht in der Kommunikation zwischen Spendern und  Empfängern; es geht um die Einbindung der Spender in das von ihnen geförderte Vorhaben und langfristig in die geförderte Organisation. Daher gilt es nicht allein, Geld einzuwerben, sondern sich um sämtliche soziale Kapitalformen zu kümmern: auch Sachwerte, Wissen, neue Ideen, Arbeitskraft/ Ehrenamt, vorteilhafte mediale Repräsentation…
Hier eine kleine Liste meiner Beobachtungen:

Es bestehen also Bedarf und Chancen in diesem Bereich, gerade für Kultur, Bildung und Soziales, aber auch für die Wissenschaft oder in Unternehmen. Vermehrt werden Stellen ausgeschrieben, zu deren Anforderungsprofil u.a. das Fundraising gehört, doch es nicht Hauptgegenstand ist, wie in Gießen (s.o.), doch auch im Museeumsbereich ist die Finanzierung über Spender und Stiftungen bei einzelnen Projekten inzwischen gängige Praxis.

Ein geisteswissenschatliches Studium ermöglicht Ihnen hierfür sowohl inhaltliche Bezüge zu den Projektthemen als auch soziale und kommunikative „Schlüsselkompetenzen“ und ein soziales Umfeld, innerhalb dessen Sie sich vernetzen können – beobachten Sie die Alumni-Aktivitäten, die an den Unis inzwischen immer professioneller werden. Wenn Sie jedoch nicht bereits in Vereinen oder anderen Tätigkeiten Erfahrungen im Fundraising gesammelt haben (und häufig selbst dann), werden Sie sich nach dem Studium in diesem Bereich weiterbilden müssen. Hier hilft der Fundraisingverband mit einer Liste der Ausbildungsstätten weiter. Darüber hinaus sollten Sie natürlich auch Interesse an neuen Formen der Finanzierung und Kapitalaufstellung haben. So lohnt eine Beobachtung des Crowdfunding-Phänomens ebenso wie eine Lektüre von

Pierre Bourdieu: Ökonomisches Kapital – kulturelles Kapital – soziales Kapital, in: Kreckel, Reinhard (Hg.): Soziale Ungleichheiten, Göttingen 1983, S. 183-198.

Nachtrag zum Crowdfunding:

http://www.crowdfunding-deutschland.de/

www.pling.de

www.foerderland.de