„Irgendwas mit Medien“ war (oder ist) eine Tätigkeitswunschunterstellung an Studierende der Geisteswissenschaften. Bislang habe ich keine empirische Grundlage für diese Unterstellung, zumindest nicht in dieser Unbestimmtheit, auch wenn ich mich daran erinnere, dass die erste Kommilitonen in Paderborn, die Kulturwissenschaften im BA-Studiengang studierte, als berufliche Vision angab, Moderatorin bei Viva werden zu wollen. Schnell herrschte Einigkeit darüber, dass ein geisteswissenschaftliches Studium dem nicht zuarbeite, und vielleicht war es eine Reihe von Einzelfällen, die den BA-Studierenden den Stempel der mediengeilen und unangemessen ambitionierten zukünftigen Brotgelehrten einbrachten.

In der Regel werden Studierende wissen, dass sie allein mit einem Geschichtsstudium keinen Einstieg in die Medien bzw. die Kultur- und Kreativbranche insgesamt vorbereiten. Schwierig ist zudem aus Studiensicht eine genaue Bestimmung des Berufsfeldes und der konkreten Arbeitsplätze. Heute half mir ein Artikel der IHK Ostwestfalen in dieser Angelegenheit auf die Sprünge:

Marco Rieso: Mehr als ein bunter Haufen… Kreativwirtschaft in Ostwestfalen, in: Ostwestfälische Wirtschaft, Dez. 2012, 6-9 und Folgeartikel bis S. 16.

Annotation des Heftes

Rieso führt auf, dass es in Deutschland 240.000 Unternehmen gibt, die einen Anteil von 7,6 Prozent an der Gesamtwirtschaft ausmachen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in elf Teilbranchen aufgeteilt: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbemarkt und die Software-/Games-Industrie. Diese Liste verdeutlicht schnell, dass diese Branchen unter ihrer Überschrift sehr unterschiedliche Anforderungen und auch verschiedene Berufe fassen. Sie können und müssen sich bei Interesse auch über jede dieser Teilbranchen separat informieren. Teils erfolgt der Zugang über Ausbildungen und Qualifikationen, teils über Talent und Persönlichkeit – sicherlich spielen letztere hier eine große Rolle und weist dem Studium auch eine Funktion als Zeit der persönlichen Entwicklung und Reifung zu.

Für Geisteswissenschaftler gibt es in der Kulturwirtschaft ebenso Tätigkeiten, die inhaltlich und fachlich auf das Studium bezogen sind, etwa in Fachverlagen, im Ausstellungswesen, im History Marketing o.ä., als auch solche, die eher auf Schlüsselqualifikationen setzen, etwa im Veranstaltungsmanagement oder der Textbearbeitung. Es gibt selbstverständlich auch Stellen, für die eine eigene Ausbildung oder ein Studium erforderlich ist und autodidaktisches Engagement nicht ausreicht, insbesondere in der Architektur, aber auch in einigen Bereichen des Pressemarkts. Und es besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, dank Talent, Selbststudium, Erfahrungen und Feedback einen Seiteneinstieg zu wagen, etwa in den Bereichen Design, Kunst, Buch, aber auch in der Software- und Games-Industrie. Eine Professionalisierung Ihres Talents, d. h. Anreicherung der Ideen um Methoden, theoretische Konzepte und die jeweiligen betriebswirtschaftlichen Bedingungen ist jedoch mindestens empfehlenswert.

Bei der Frage danach, ob in Ihrem konkreten Fall eher die überindividuellen (Studium, Qualifikationen, Zertifikate) oder die individuellen Faktoren (Talent, Erfahrung, Ideenreichtum, Risikobereitschaft) wichtig sind, können Sie sich sowohl an der Ausrichtung der Stelle orientieren als auch an der jeweiligen Ausbildungstradition. Der Journalismus besteht für seine rennomierten und traditionsreichen Medien in der Regel auf einer Ausbildung in ebensolchen Schulen,  während Online- und Wissenschaftsjournalismus, freie und experimentelle Formen der Berichterstattung eher auf Erfahrungen, Referenzen und soziale Einbettung zu schauen scheinen.

Einen guten Überblick gibt die Seite Kulturwirtschaft von Michael Soendermann; vielleicht erwarb sie meine Sympathie, weil sie aus der Kulturwirtschaftsforschung kommt und eine eher an der Wissenschaft denn an der Wirtschaft orientierte Sprache spricht. Dort finden Sie auch eine Liste der Berichte zur Kulturwirtschaft. Einen Überblick – auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Daten – erhalten sie auf der Seite Kulturwirtschaft Schweiz, betrieben vom Departement Kulturanalysen und -vermittlung der Zürcher Hochschule der Künste. Die deutsche Bundesregierung pflegt eine Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft; im Rahmen dieser Initiative stellt sie auf der Website Informationen zur Branche, zur Selbstständigkeit, Weiterbildung  und zu sich selbst zur Verfügung und hat ein Programm mit (finanziellen) Förderungen und Preisen aufgelegt.

Im Artikel „Kulturwirtschaft“ der Wikipedia finden Sie im Punkt „Kulturwirtschaft als Studiengang“ Links zu entsprechenden Studienprogrammen.