Also schaue ich mir die am Donnerstag aufgelisteten Teilbranchen einmal in einer ersten Näherung gemäß der Reihenfolge im Blogartikel an. Fast alle sind mir aus dieser Perspektive fremd, wenn auch als Konsumentin wohlvertraut; erwarten Sie daher von diesem Artikel Startpunkte, keinen Analysen.

Als erstes war die Musikindustrie genannt. Wenn Sie sich über diese Branche in Deutschland informieren möchten, können Sie über die Seite des Bundesverbands Musikindustrie einsteigen. Dort finden Sie auch Branchendaten. Eine Beschreibung für die Schweiz finden Sie auf der Seite des Departements Kulturanalysen und -vermittlung der Zürcher Hochschule der Künste, für Österreich zuständig ist der Verband der Österreichischen Musikwirtschaft IFPI Austria.

Wie stets hilft mir die Wissenschaft bei der Erkundung neuen Terrains. Peter Tschmuck betreibt den Blog Musikwirtschaftsforschung. Dort finden Sie auch Informationen zur Internationalen Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, zu wissenschaftlichen Arbeiten, Büchern, Artikeln und dem International Journal of Music Business Research (IJMBR) – Sie können sich also einlesen. Peter Tschmuck ist Volks- und Betriebswirtschaftswissenschaftler, bereichert also die geistig-brotgelehrte Haltung in sprachlicher, methodischer und vielleicht auch weltanschaulicher Hinsicht.

Natürlich wird auch bei den Geisteswissenschaftlerinnen selbst geforscht: z. B. untersucht Sven Oliver Müller am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung das Oper- und Konzertpublikum in Berlin, London und Wien im 19. Jahrhundert; hier finden Sie eine Skizze zu diesem Projekt. Auch die Historischen Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main bieten Veranstaltungen zu diesem Thema an bzw. integrieren sie in die Lehre, siehe z. B. hier.

Jenseits der Akademie stieß ich auf den Balkan-Experten Rüdiger Rossig (Berlin) –  er scheint unterschiedliche Kanäle für seine Arbeit gefunden zu haben und mit den jeweiligen Konventionen jonglieren zu können. Er studierte Balkanologie, Geschichte und Kultur Südosteuropas sowie Soziologie und ist als freier Journalist tätig (für alle, die sich für diesen Teil der Geschichte interessieren, sei auf seinen Menüpunkt Biographie verwiesen). Explizit als „Experte für Musik und Subkulturen in Ex-Jugoslawien“ legt er zudem Musik auf. Link

Auch Hannes Heer gehört in mehr als eine Kategorie; ich könnte ihn ebensogut unter „Ausstellungen“ oder „Filmwirtschaft“ annotieren. Im Zusammenhang mit Musikwirtschaft war er mir mit dem gemeinsam mit Jürgen Kesting und Peter Schmidt verfassten Buch „Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die „Juden“ 1876 bis 1945“ (Berlin 2012) aufgefallen – erneut eine Schnittstelle zur Wissenschaft, doch lag für mich der Gedanke nahe, dass natürlich auch die Musikwirtschaft bzw. historische Musikforschung ihre Medien im Ausstellungswesen, in der Presse, im Buch etc. hat. Rossig und Heer haben aus Themen, mit denen sie sich im Studium bzw. in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung befasst haben, berufliche Tätigkeiten abgeleitet und die je für sie passenden Medien dazu gefunden.

Andere pflegen die Musik als Hobby, doch ist sie durchaus in das professionelle Profil einzuordnen. Eberhard Fritz stellt auf seiner Homepage seine Musikberichte auf die gleiche Ebene in der Menühierarchie wie seine Pietismusstudien. Wolfgang Bocks beschreibt sich selbst als Wirtschafts- und Sozialhistoriker. Auf seiner persönlichen Homepage ahnt man noch nicht viel von der Schnittmenge zur Musik; doch der Bericht zu einer Auszeichnung lässt seine „andere Geschichte“, vornehmlich in Vereinsarbeit, erkennen. Beide sind Beispiele für den Übergang zwischen Profession und Hobby, Fritz zudem für die Übertragung von fachspezifischen Methoden und Ausdrucksformen, z. B. der Rezension, auf andere Lebensbereiche. Bei beiden trägt die Beschäftigung mit Musik zur Profilbildung bei.

Notiz: Wieder andere pflegen die Kulturwissenschaften als Hobby bzw. Ergänzung zur musikalischen Professionalität, etwa der Musiker Urs Wiehager-Dietz, der E-Bass und Kontrabaß studierte, Musiklehrer wurde und ein Studium der Kulturwissenschaften darauf setzte. Ich muss ihn mal fragen, warum eigentlich.

Als kommerzielle Beispiele für die Kombination von Musik, Journalismus und Geschichte seien zwei Publikationen genannt, die etwas despektierlich auch unter Nostalgie zu fassen sein könnten. Bis 2006 hatte der Süddeutsche Verlag eine Pop-Edition zusammengestellt, auf die die „alternative Musikpropaganda“ motor.de mit einer eigenen Pophistorie antwortete. Aktuell bietet die Süddeutsche Zeitung die von Reinhard J. Brembeck konzipierte und präsentierte CD-Sammlung mit Begleitbuch „Meister Singer“ an.

Und schließlich, ebenfalls in der erwähnten Kombination, sei meine den derzeitigen Lebensumständen geschuldete Samstagabendunterhaltung erwähnt: die Radiosendung „Yesterday“ auf WDR2 verbindet ein zeithistorisches Quiz mit passender Musikauswahl.

Folglich fand ich fachaffine „Berufe“, die

  • im Großen und Ganzen eine Schwerpunktbildung in den bekannten Tätigkeitsbereichen Wissenschaft und Journalismus sind,
  • spezialisierte freiberuflich erbrachte Dienstleistungen und
  • profilbildende Nebentätigkeiten.

Über die nichtfachaffinen Berufe und Tätigkeitsmöglichkeiten in der Musikwirtschaft können Sie sich für einen ersten Überblick in der Datenbank Berufenet der Arbeitsagentur informieren. Natürlich können Sie z. B. auch AudiodesignerIn oder EventmanagerIn werden, doch steht die fachliche Nähe zu einem geisteswissenschaftlichen Studium hier nicht im Vordergrund.

Oder mitunter doch? Immerhin bietet die Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der LMU München eine Weiterbildung zum Theater- und Musikmanagement an…