Am 17. Januar lag der ZEIT das Bildungsmagazin des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft e.V. bei. Auf S. 16/17 ist die Infografik „Auf gutem Weg“ von Ole Häntzschel, die zeigt, wie der Stifterverband hilft, die Chancen des Bildungssystems zu nutzen. Sie ist zugleich informativ und ironisch in der Aufnahme gewisser Stereotype. Natürlich suchte ich gleich mich und Meinesgleichen: Aus dem Albert-Einstein-Gymnasium steuern einige Absolventen u.a. die Mustermann-Universität an und könnten dort zu den Geisteswissenschaften gehen. Ein breiter Pfad, viel breiter als zu den Naturwissenschaften, führt in die Geisteswissenschaften hinein. Dort befinden sich zwei Figuren in einem Diskurs (?) über einem Buch, eine Blondine trinkt Kaffee (?), eine Figur sitzt am Laptop, im Hintergrund dämmern neun graue Schatten. Ein dünner Pfad führt wieder heraus, und zwar in die MINT GmbH (ein zynisches: „Na, sicher!“ liegt mir auf der Zunge, aber halt: Ich weiß ja gar nicht, wie viele da landen und was sie dort tun).

Wo ist der Rest des breiten Pfades geblieben? Trinkt noch Kaffee? Hat den Diskurs nicht verlassen? Tippt noch einen Blogeintrag am Laptop? Wurde zu einem grauen Schatten, tja, welcher Materie, welcher Sonne? Ein Simulakrum? Das kulturell Unbewusste?

„Geisteswissenschaften“ ist die einzige Einheit dieser Grafik ohne weiteren Kommentar, ohne Erläuterung.

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hg.): Bildungsmagazin CARTA 2020, PDF-Datei zum Download.

Zum „kulturell Unbewussten“ siehe Bourdieu, Pierre: Das kulturell Unbewusste, in: Konersmann, Ralf (Hg.): Kulturphilosophie, Leipzig 1996, S. 243-252