Weiter geht’s im Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft: heute also eine Näherung an den Kunstmarkt. Die schlüssigste Verbindung zwischen Geisteswissenschaften und Kunstmarkt besteht wohl bei den Kunsthistorikern, die als Gutachter z. B. in Auktionshäusern oder für Versicherungen tätig sein können oder als Agenten zwischen Künstlern, Galerien und Kunden vermitteln.

Während ich im Netz nach anderen Lebenswegen suchte, stieß ich auf die Gemeinschaft der Künstler und Kunstförderer e.V. Während in der bildenden und darstellenden Kunst vornehmlich Absolventen kunstwissenschaftlicher Studiengänge bzw. von Kunsthochschulen gelistet sind, tummeln sich in der angewandten Kunst (z. B. als Goldschmiede) und in der Literatur auch Absolventinnen der Germanistik, Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Geschichte, Volkskunde und Philosophie, einige von ihnen mit Kunstgeschichte als weiterem Fach. Sie alle haben zusätzlich zum Studium ihr Kunstschaffen professionalisiert, und dies offensichtlich sowohl hinsichtlich des künstlerischen Aktes selbst, als auch in Präsentationsformen und Netzwerkarbeit. Ein ähnliches Bild ergab sich, als ich die Paderborner Künstlerinnenporträts durchstöberte.

Erneut stellt sich die Frage, ob es sich vornehmlich um Werdegänge handelt, die sich gänzlich unabhängig vom Studium entwickelten und der individuellen Neigung oder z. B. einer veränderten Familiensituation entsprangen – wenn schon mit der Geburt von Kindern die Berufstätigkeit erschwert ist und häufig eine finanzielle Abhängigkeit folgt. Sicherlich können diese Faktoren Einfluss auf die Entscheidung der KünstlerInnen gehabt haben; für die Gestaltung des Studiums aber und auch für eine Planung Ihrer Berufstätigkeit ist zunächst interessanter, wo die strukturellen, methodischen und inhaltlichen Verbindungslinien zwischen einer geisteswissenschaftlichen Disziplin und dem „Beruf Künstler“ liegen.

Erste Impulse sind etwa die olympischen Musen – keine Geschichtsschreibung ohne Klio, kein Wissen über die Musen ohne Altertumswissenschaften, keine Lektüre antiker Schriften ohne Altphilologien sowie eine kulturelle Tradition, die stets einer künstlerischen Reflexion ihrer Realitäten bedarf. Weiterhin kooperieren auf dem Kunstmarkt viele Absolventinnen unterschiedlicher Disziplinen in konkreten Projekten – Ausstellungen, Installationen, Kulturtage, Arbeitskreisen, Forschungsvorhaben. In vielen künstlerischen Projekten sehen Sie Materialisierungen und Medialisierungen wissenschaftlicher Ergebnisse oder philosophischer Übung. Es ist irrig, anzunehmen, die Wissenschaft, die Sie im Studium kennenlernen, funktioniere ohne künstlerische Repräsentation (wenn auch meist ohne künstlerische Ambition). Ein eindrucksvolles Beispiel für den Einsatz einer historischen Hilfswissenschaft ist z. B. die Arbeit von Brody Neuenschwander, etwa im Film „Prospero’s Books“.

Doch wie lebt es sich als Künstler?

Wir dürfen gespannt auf einen Titel von Ina Roß sein, die an der Hochschule für Schauspiel in Berlin im Bereich Puppenspiel tätig ist: „Wie überlebe ich als Künstler“ wird im Sommer erscheinen.

[Update 22.2.2013]: Sie pflegt auch eine facebook-Seite zu „Wie überlebe ich als Künstler“ – Link – die bereits in das Panorama einführt und uns mit vielleicht exotischen Begriffe wie Guerilla Marketing vertraut macht.

Versichern können sich Künstler in der Künstlersozialkasse – die unter bestimmten Umständen auch andere Freiberufler aufnimmt.

Und falls die Kunst nicht nur eine Nebeneinkunft sein soll, hilft die Schilderung des Autors Klaus Modick zum Einkommensmix: „Hier ist – überschlägig über mehrere Jahre gerechnet – meine [Mischkalkulation]: 40 Prozent Buchtantiemen (inkl. Nebenrechte), 15 Prozent Übersetzungen, 15 Prozent Kritik und Essay für Printmedien und Radio, 15 Prozent Gastprofessuren und Dozenturen, 10 Prozent Lesungen und 5 Prozent Preise und Stipendien.“ (Modick 1997, 41, nach Vandenrath 2006, 136).
Unabhängig davon, ob Ihnen eine künstlerische Laufbahn als Autor oder Goldschmiedin vorschwebt, ist dies ein guter Anhaltspunkt dafür, dass es gilt, auf mehr als einen Markt zuzugehen. Und dies wiederum ist wörtlich zu nehmen: Der Markt kommt, wie stets in den Geisteswissenschaften, nicht zu Ihnen.