„Grüne Jobs“

Ich muss zugeben, dass die Überschrift mir selbst nicht gefällt, da eine parteilliche Zuordnung mitschwingt; doch es hat sich wohl eingebürgert, Jobs im Ressort „Umwelt“ als „grüne Jobs“ zu bezeichnen. Diese Sparte verheißt Zukunft, und wie so oft scheinen GeisteswissenschaftlerInnen dort nicht gefragt zu sein, richtet sich die Ansprache doch schon der technischen Notwendigkeiten wegen eher an Absolventen ebenjener Disziplinen, vielleicht noch an NaturwissenschaftlerInnen und – verkauft werden muss auch – an Wirtschaftswissenschaftlerinnen oder -ingeneure.

Doch GeisteswissenschaftlerInnen finden ihre Nischen, insbesondere in der PR und im Bildungswesen mit Umwelt- oder Entwicklungsausrichtung. Die PR-Abteilung von naturstrom leitet der Linguist Dr. Tim Loppe (energiezukunft 14, Sommer 2013, S. n.6). Die Kunsthistorikerin Constanze Wieprecht führt das Team Mitgliederbetreuung bei Greenpeace Energy. In Österreich fand ich das Projekt „Südwind“, eine „Organisation für entwicklungspolitische Bildungs-, Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit“; wenn Sie dort die Mitarbeiterliste aufrufen, sehen Sie überwiegend Geisteswissenschaftlerinnen. Auf der Plattform „Utopia“ ist Martin Tillich Redakteur und Blogger; er studierte Soziologie, Philosophie & Psychologie. Stefanie Dowe, Politologin, ist für Utopia in Berlin verantwortlich für den Dialog mit den (finanziell) am Projekt beteiligten Unterstützern. Und auch in der „Sinnwerkstatt“, die nach eigenen Angaben „öko-soziales Wirtschaften vor[lebt]“ und einen deutlichen Schwerpunkt auf Grafik legt, arbeitet mit Manuel Fricke ein Texter und Konzeptionierer. Als ich beschwingt von so vielen Treffern auch in der Textagentur „EcoWords“ GeisteswissenschaftlerInnen erwartete, wurde ich allerdings glatt runtergebremst: Ingo Leipner ist Volkswirt. Aber manche Volkswirte verstehen sich durchaus auch als Geisteswissenschaftler, daher herzlich willkommen in dieser Auflistung.

Falls Sie nun von den Beispielen darin bestärkt sind, dass Sie in der „Umweltbranche“ durchaus eine adäquate Tätigkeit finden können – und zudem eine, deren gesellschaftlicher Sinn nicht umständlich erklärt werden muss: Zwei Jobportale stehen Ihnen zur Verfügung

greenjobs (dort gibt es auch einen Blog für Umweltfachkräfte)

eejobs

Ich habe ein wenig gestöbert, was sich dort finden lässt und wie die Einstiegsbedingungen sind. So sucht ein Dentallabor eine/n Praktikant/in im Bereich Corporate Social Responsibility Management (Begriff evtl. zu Ihren Suchworten hinzufügen). Wie offen die Anforderungen sein können, zitiere ich direkt aus einem anderen Stellenangebot:
„Anforderungen: Wir wünschen uns, dass du talentiert mit Computer und Office-Paket umzugehen weißt, besonders Excel solltest du wirklich beherrschen. Neben deiner Erfahrung zählt für uns noch mehr deine Überzeugung, dass der angebotene Job der richtige für dich ist.“

Eher klassisch sind hingegen die Anforderungen für eine Leitungsposition beim NABU: Hochschulabschluss und Berufserfahrung (mit Bezug zum Aufgabenfeld), umfassende Kenntnisse und Erfahrungen in der Umweltpolitik Deutschlands und der EU, Erfahrungen in der Mitarbeiterführung und im Projektmanagement. Auch hier ist also Ihr Studienfach weniger entscheidend als Ihr inhaltliches Profil und Ihre Erfahrungen.
Eine Ausschreibung (Berater/in für Landnutzungsplanung) fordert spezifische Methodenkenntnisse. Der Bundesverband Windenergie erwartet von seinem zukünftigen Pressesprecher neben Erfahrungen und Kontakten ein abgeschlossenes Studium, bevorzugt u.a. in Germanistik.

Nicht Zeugnisse, sondern projektspezifische organisatorische und soziale Erfahrungen stehen im Profil einer Ausschreibung, mit der nach einer Berater/in für Kaffeekooperativen gesucht wird. Ähnliches gilt für die Suchanzeige des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V.

Die Sichtung dieser Anzeigen kann Ihnen bei der Reflexion helfen, wie Sie Ihr Profil in den kommenden Monaten und Jahren ergänzen und erweitern sollten, wenn Sie an „grünen Jobs“ Interesse haben. Zentral ist stets eine hohe Identifikation mit den Werten des potentiellen Arbeitgebers. Erfahrungen in der Umweltarbeit, soziales Engagement und die Bereitschaft zu interdisziplinärem Arbeiten werden häufiger erwartet als spezifische Hochschulabschlüsse – wenn auch der Abschluss an sich in der Regel insbesondere für Führungspositionen (oder den Weg dahin) Voraussetzung ist.

btw: Die Recherche zu diesem Beitrag habe ich mit Unterstützung der „grünen Suchmaschine“ www.ecosia.org durchgeführt. Und die Kaffees waren mit transfair-Siegel – ob bei Fairtrade Deutschland auch KommilitonInnen tätig sind, habe ich noch nicht herausgefunden. Bestimmt.

[update 6.8.13] matchboxmedia veröffentlicht den „Jobguide“, zu dem ein Band „Energie“ zählt.  Informationen auf der Seite des Jobguide.

Zu welchem Ende besucht man Jobmessen?

„Jobmessen sind demotivierend. Fragt man, ob die Unternehmen auch Verwendung für Kulturwissenschaftler haben, erntet man Absagen bis Unverständnis.“ So lautete nach meinem gestrigen Vortrag ein Kommentar zu meiner Empfehlung, Jobmessen zu besuchen. Er fand viel Zustimmung und zwingt mich, zu erläutern, warum, nein: wie Sie Jobmessen besuchen sollten.

Gehen Sie nämlich nicht davon aus, dass Sie dort unmittelbar Zugang zu Praktikumsplätzen oder gar Arbeitsverträgen haben, insbesondere, wenn Sie an einer Universität ohne geisteswissenschaftliches Profil studieren. Die Jobmesse kann Ihnen vielmehr einen Überblick über die wirtschaftliche Struktur in der Region geben. Sie können dort beobachten, welche Unternehmen den Kontakt zu Akademikern suchen. Sie können sich informieren, welche Schwerpunkte und „Philosophien“ die Unternehmen haben und überlegen, inwieweit diese womöglich an Ihre Interessen und Fähigkeiten anschlussfähig sind. Sie erhalten dort Informationen über den Aufbau der Firmen und  können nachfragen ob es z. B. eine Abteilung für PR, Unternehmenskommunikation oder gar ein Unternehmensarchiv gibt und wer ggf. die Ansprechpartner sind. Fragen Sie, warum bestimmte Fachleute bzw. Absolventen gesucht werden, so erhalten Sie Hinweise auf Werte, Auswahlkriterien und Unternehmensplanung – und können reflektieren, ob sich eine Lücke für Sie öffnet.

Gehen Sie davon aus, dass Mitarbeiter in Unternehmen häufig nicht wissen, was sie mit GeisteswissenschaftlerInnen anfangen sollen, welche Kompetenzen sie mitbringen und wie diese dem Unternehmen nützen. Wenn Sie sich über das Unternehmen informiert haben, können Sie argumentieren oder Beispiele aufzeigen, wo Sie als GeisteswissenschaftlerIn wertschöpfend eingesetzt werden könnten. Gleichfalls ist es dann leichter, zu beschreiben, was genau Sie sich von einem Praktikum in diesem Unternehmen erhoffen. Was möchten Sie exakt dort lernen? Welche Rolle spielt diese Erfahrung in ihrer Laufbahnplanung?

Der eigentliche Besuch der Jobmesse bildet also nur einen Projektteil. Sie können sich im Vorfeld über die website der Messe (und von dort aus meist auch über die website der Unternehmen) vorbereiten, potentielle Gesprächspartner auswählen, gezielte Fragen stellen, sich vielleicht schon Beispiele ausdenken, über die Sie ins Gespräch kommen. Das Unternehmen hat eine lieblose Seite „über uns“? Als Geisteswissenschaftlerin könnten Sie anbieten, diese Seite mit (kleinen) Firmen- oder Produktgeschichte(n), einer Chronologie oder über einen attraktiveren Text aufzuwerten – und so Arbeit am Markenkern und der Firmenidentität leisten. Das Unternehmen engagiert sich sozial oder kulturell? Sie könnten ein Projekt als Praktikant begleiten und inhaltliche Inputs anbieten.

Gleichfalls gehört zur Vorbereitung die Erstellung eines eigenen Profils. Dieses sollte nicht nur aus den üblichen Daten des Lebenslaufs bestehen, sondern wesentlich Ihre fachliche Identität greifbar machen. Was können Sie besonders gut, gerade weil Sie Germanistin sind? Was unterscheidet Sie z. B. vom Philosophen, aber auch vom Betriebswirtschaftler – im positiven Sinne, also Interesse weckend, nicht entschuldigend. Üben Sie ein, diese Reflexionen zu einem Teil der beruflichen Identität zu machen. Leiten Sie daraus Einstiegsätze ab. Mal im Bravo-Stil:
Falsch: „Ich weiß, Sie suchen BWLer. Aber haben Sie vielleicht trotzdem auch was für Historiker?“
Besser: „Ich habe auf Ihrer website gesehen, dass Sie einen Schwerpunkt im Bereich human capital haben. Ich habe mich in den vergangenen Semestern mit Bildungs-/ Arbeitsgeschichte/ Arbeit in der Literatur/ Kompetenzidentifikation  befasst. Ich würde dieses Thema gern aus einer anderen Perspektive kennen lernen, daher interessiert mich der Bereich human capital management. Können Sie mir einen Ansprechpartner nennen?“
Oder kritisch: „Ich habe auf Ihrer website gesehen, dass Sie einen Schwerpunkt im Bereich human capital haben. Mir gefällt diese Kapitalisierung des Menschen nicht. Vermutlich gibt es viele Menschen, die auf diesen Kapitalbegriff nicht mit Sympathie reagieren. Ich würde gern bei Ihnen hospitieren, um zu sehen, ob Sie vielleicht verschiedene Auffassungen von Arbeit verwenden und welches Menschenbild dahinter steckt. Das wäre sicherlich auch für die Anwerbung von Fachkräften interessant.“

Werten Sie den Messebesuch für sich aus. Was haben Sie dort gelernt? Wenn Sie Absagen und Unverständnis geerntet haben – warum? Und nach der ersten Frustrunde (weil die eben keine Geisteswissenschaftler suchen) nochmal: Warum?
Weil sie nicht wissen, was sie mit Geisteswissenschaftlern anfangen sollen. Weil sie gar nicht wissen, was wir tun. Weil sie nicht wissen, inwieweit dies für sie gewinnbringend (auch finanziell!) ist. Das ist ihnen nicht vorzuwerfen, der Laden läuft ja auch ohne uns. Aber wenn Sie bei ihnen Erfahrung sammeln möchten, müssen Sie diese Fragen in Zukunft beantworten können – und zwar ohne, dass sie explizit gestellt wurden. Das wird von Gespräch zu Gespräch, von Messe zu Messe besser und einfacher. Selbst wenn Sie dann immer noch überwiegend Absagen sammeln, können Sie sich sicherer bewegen, haben viel über die Perspektiven „der Wirtschaft“ und vor allem über sich und die Wahrnehmung Ihres Studiums gelernt.

Die Firmenkontaktmesse LOOK IN! Paderborn 2013 bietet auf Ihrer website eine Checkliste zum Messebesuch. Wenn Sie das Messenmarketing darin ignorieren können, ist sie gewiss auch hilfreich.
Manche Checklisten empfehlen, alle Bewerbungsunterlagen vorbereitet zu haben und in „Bewerbungsoutfit“ zur Jobmesse zu erscheinen. Es ist sicherlich sinnvoll, einen guten Eindruck bei Gesprächspartnern zu hinterlassen. Ob und inwieweit Sie sich jedoch gängigen Vorgaben von „Bewerbungsoutfit“ anpassen möchten, sollten Sie ebenfalls mit Ihrem Selbstbild abgleichen. Statt unhinterfragt vermeintlich verbindliche Regeln zu befolgen, können Sie Jobmessen auch dazu nutzen, soziale Codes zunächst einmal zu studieren und zu entscheiden, wie Sie zu ihnen stehen.

Checkliste der Arbeitsagentur Saarbrücken

Absolventenmessenliste auf „Geisteswirtschaft

Liste von Jobmessen, Spiegel online

Hinweis digitale Repräsentationen in der Lehre

Letztes Jahr verwies ich auf den Mooc von Prof. Dr. Rainer Leng (Würzburg) zu „Karl der Große – Pater Europae?“, kommende Woche beginnt er (am 23.6.): http://geschichtszentrum.de/?p=11641 . Er ist kostenlos und bedeutet für die deutsche Geschichtswissenschaft Neuland – also schauen Sie mal mindestens neugierig vorbei.

Update 13.6.2013: Siehe das Interview mit Gitta Domik auf ZEIT online: „Moocs sind ein pädagogisches Erlebnis“
Am 2. Mai beklagte ich die überwiegend analoge Lehrpraxis – manch digital engagierter Dozent mag sich da auf den Schlips getreten gefühlt haben, etwa Rainer Leng, Uni Stuttgart. Er bewirbt sich derzeit um ein MOOC Production Fellowship, gefördert von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, zum Thema Karl der Große – Pater Europae? Das Fellowship besteht aus Geldmitteln zur Produktion eines online-Kurses. Neben dem Lernvideo gibt es Feedback-Module und P2P-Elemente. Über die MOOC-website können Sie abstimmen, welches Projekt verwirklicht werden soll. Aus den Sprach- und Kulturwissenschaften gibt es 25 Bewerbungen. Hinsichtlich digitaler Arbeitstechniken weiterführend wäre z. B. der Kurs „Deciphering Ancient Texts in the Digital Age“ von Thomas Koentges und  Sydney Shep, Wellington. Ein Vorschlag für die Anglistik stammt von Ilka Mindt, Uni Paderborn, mit dem MOOC English Phonetics and Phonology. Am besten stöbern Sie selbst ein wenig – und stimmen ab.

Startseite MOOC Production Fellowship

[update 24.9.2013] Uniturm.de listet die „besten“ Lernvideos für die Geisteswissenschaften: Link

Filmwirtschaft

Mit der Kultur- und Kreativwirtschaft bin ich noch lange nicht durch – die Abarbeitung darbte etwas, vielleicht, weil ich mich insgeheim vor dem fürchtete, was geschehen würde, wenn ich nach Tätigkeiten von GeisteswissenschaftlerInnen „beim Film“ suchte. Ich hatte Recht und versank in einem Meer von Informationen. Allerdings erwies sich dieses im ersten klaren Blick nach der Ohnmacht vornehmlich als Forschungsmeer – für Beispiele aus der Praxis muss man etwas weiter schwimmen. Falls ich ein neues Buch schreibe, verspreche ich, diesem Bereich ein Kapitel zu widmen. Für den Blog ist es zu groß, daher erwarten Sie hier bitte lediglich einen Einstieg und einen kleinen Vogelflug.

Sie können sich als WissenschaftlerIn an der Universität oder außerhalb mit Filmen als Ihrem Schwerpunkt beschäftigen. Suchen Sie nach Studiengängen wie Medienwissenschaft, Film- und Fernsehwissenschaft, aber ebenso nach Fachvertretern der Geschichte mit Schwerpunkt Filmgeschichte oder einem Schwerpunkt auf Didaktik und Film. Auch in der Germanistik weitet sich die Auseinandersetzung mit Filmen als Genre aus. WissenschaftlerInnen forschen, lehren, beraten Bildungsträger, Museen und evtl. Filmproduktionen. Ein außerakademisches Beispiel ist http://www.filmhistoriker.de/.

Sie können als Filmverleger tätig werden. Ich fand z. B. den WK&F Filmverlag, der sich u.a. als historischer Filmservice versteht und Filme zu historischen Themen produziert. Freilich hat die Nostalgie hier einen höheren Wert als die Wissenschaft, aber die Frage nach den eigenen Werthierachien, mithin nach „U“ und „E“, ist im Kultursektor ohnehin ein steter Begleiter.

Der Historiker Ansgar Sarrazin gründete eine Medienproduktionsfirma: Rückblende. Zu seinem Repertoire zählen Werbung, Kunst und Kultur, Reise und Touristik und Dokumentation, konkret z. B. Imagefilme für Unternehmen, Ausstellungsfilme, Videobiografien und -firmenchroniken sowie Zeitzeugeninterviews. Christian Gust ist Soziologe und bietet „Interaktion, Beratung, Konzeption und Realisierung“ von pädagogischen und didaktischen Medien.

Gabriele Guggemos studierte neben Germanistik und Philosophie die in Richtung Bühne und Film weisenden Disziplinen Theaterwissenschaft und Schauspiel (merke: solche Kombinationen sind möglich und bei einem Berufswunsch im Filmbereich sinnvoll. Sie können dies auch auf die technische Seite des Filmwesens übertragen). Sie bietet u.a. Workshops in Kinos und Schulen an, organisiert Tagungen und Fortbildungen, leistet Netzwerk- und Lobbyarbeit.

Welche Workshops könnte man denn anbieten? Ein schneller Überblick erbrachte eine hohe Zahl von Angeboten zur Reflexion und Methodisierung zum Filmeinsatz im (Schul)Unterricht: Filmanalysen im Unterricht, Film und Ethik, Literatur- oder historische Filme bewerten…
Mit deutlichem Abstand folgten filmisches Handwerkszeug: Arbeit mit Licht, mit Montagetechniken, filmisches Erzählen, und gesellschaftliche Themen: Kinokultur, Filmgeschichte etc.

Natürlich gibt es auch im Filmbereich Verbände, die Praktika und Stellen anbieten, etwa der Verband Deutscher Filmproduzenten (für ein Praktikum wird dort kein bestimmtes Studienfach erwartet, aber Erfahrung im Bereich Film oder Pressearbeit goutiert). Über weitere Institutionen und Verbände in der Filmwirtschaft können Sie sich im online-Portal für Filmbildung, kinofenster, informieren und die dort aufgeführten Links durchklicken.
Da stellt sich doch die berühmte Frage, wie man bitte die Erfahrung sammeln soll, die es erlaubt, Erfahrung zu sammeln? Zum Beispiel so: A.W. studiert Geschichte und Germanistik und führt das Buch-, Film-, Filmmusik-Blog hemator.

Auch in „klassischen“ Berufen können Sie sich dem Film widmen. Das Bundesarchiv unterhält u.a. auch eine Abteilung Filmarchiv (in Berlin). Deren „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter […] [sammeln Filme und Dokumente zur Filmgeschichte,] informieren, beraten und unterstützen die Recherchen von Filmproduzenten, Wissenschaftlern, Journalisten und interessierten Bürgern.“ (Zitat auf der website des FA) Der Werdegang entspricht der üblichen Ausbildung von Archivaren, also entweder Universitätsstudium, Promotion und Archivschule oder Fachhochschulstudium. Ähnlich „klassisch“ ist die Tätigkeit in Filmmuseen, z. B. im Deutschen Filminstitut/ Deutschen Filmmuseum (Frankfurt/ Main – dort werden regelmäßig Praktikumsplätze vergeben), Filmmuseum Düsseldorf, Filmmuseum Potsdam, Filmmuseum München, der Deutschen Kinematek in Berlin oder dem Filmmuseum Wien. Auch das Deutsche Historische Museum in Berlin unterhält ein Filmarchiv. Als Unternehmensmuseum gibt es z. B. die Einrichtung der Agfa Filmfabrik Wolfen.

Stellen Sie sich nun bitte eine vorgehaltene Hand vor, hinter der es wispert: Es gibt auch im Pornobereich Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge. Vor der Kamera, ja sicher, davon erzählen die Bestsellerlisten der letzten Jahre. Es wird Ihnen bekannt sein, dass Porno durchaus Konvergenzen zu Gewalt und Gewaltverherrlichung, Zwang und Prostitution aufweist. Petra Joy, die in Köln Filmgeschichte, Politik und Anglistik studierte, geht darauf in ihrem „Manifest“ ein. Dort finden Sie auch ein Statement zu „Feminismus und Porno“. Sie dreht und vertreibt erotische Filme mit einem Fokus auf weiblicher Lust. Sollten Sie also denken, es handle sich um einen sozialen Abrutsch: Ich habe im Studium manche (meist verklemmte) Seminarsitzung zum Porno erlebt und auch nach dem Examen manche (sterile und verkopfte) Debatte zu gender und der Kampagne no porn der Emma. Ich verstehe Petra Joys Arbeit als Transferbeitrag zu diesen Debatten. Sie hält uns zudem vor Augen, dass wir ohne reflektierte Praktiker keine Gegenstände zu studieren hätten. Und weiterhin, dass unsere Vorstellung von Berufen, die Gegenstände und Methoden unserer Disziplinen in kulturelle Praxis überführen, einer Erweiterung bedarf. Und letztens wäre es Unsinn, zu verhehlen, dass ich über und mit Unterhaltung schreibe.

Johann Etmanski: Der Film als historische Quelle. Forschungsüberblick und Interpretationsansätze, in: Topitsch, Klaus und Brekerbohn, Anke (2004): „Der Schuß aus dem Bild“. Für Frank Kämpfer zum 65. Geburtstag. Virtuelle Fachbibliothek Osteuropa, Reihe Geschichte, Bd. 11, http://epub.ub.uni-muenchen.de/558/6/etmanski-film.pdf

Grundkurs Film. Materialien für die Sek. I und II, 3 Bde.

Kinofenster.de – Portal für Filmbildung

Siegfried Kracauer u.a.: Theorie des Films: Die Errettung der äußeren Wirklichkeit, Frankfurt/ Main 1985

James Monaco: Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien, 2. Auflage Reinbek 2009

Warum Film in der Literaturwissenschaft? Infoseite des Fachbereichs Filmwissenschaft der Literaturwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen

Britta Wehen: Historische Spielfilme – ein Instrument zur Geschichtsvermittlung?, in: http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/143799/historische-spielfilme?p=all [erstellt 11.9.2012]

Wikipedia-Eintrag zur Filmgeschichte

Gastbeitrag: Seiteneinstieg in das Lehramt

Vor langer Zeit hatte ich in dem Artikel zur Musikwirtschaft den Musiker Urs beiläufig gefragt, warum er eigentlich zusätzlich Geschichte studierte. Urs nahm die Mühe auf sich und antwortete ausführlich – herzlichen Dank!

„Ich studierte zunächst Musik in Hilversum (NL). 2003 wurde mir mein Diplom in Deutschland als erstes Staatsexamen für die Sekundarstufe I anerkannt. Anschließend arbeitete ich als Aushilfslehrer an zwei Gymnasien. Da die Zukunft für einen angestellten Musikschullehrer nicht sehr rosig aussah, war es günstiger, noch ein zweites Fach zu studieren, um in das Lehramt „reinzurutschen“. Sonst hätte ich weiterhin Schwangerschaftsvertretungen machen müssen… mit jährlichem Wechsel der Schule.

Mein Diplom wurde im Studierendensekretariat als „allgemeine Hochschulreife“ anerkannt – obwohl ich die Schule mit Fachhochschulreife verlassen hatte. Ich bekam einen Anmeldebogen und entschied mich innerhalb von zwei Minuten für das Fach Geschichte. Dann habe ich belegt, was es in Geschichte zu belegen galt. Ich habe kein weiteres Fach und keine Erziehungswissenschaften belegt – mit der Studienorganisation habe ich mich sehr schwer getan, schließlich kam ich von „Draußen“. 2006 wurden die Regelungen für Musiklehrer gelockert; ich erhielt die Zulassung nun auch für die Sekundarstufe II. Als ich aber meinen Abschluss in Geschichte machen wollte, wurde ich darüber aufgeklärt, dass ich für die Sekundarstufe 1 ein Drittfach hätte belegen sollen. So bin ich nun Hobbyhistoriker, auch wenn sich meine Betätigung in diesem Bereich derzeit nur auf Ausdruckstänze mit Erwähnen der Reichs -und Bundeskanzlernamen (die ich mal auswendig gelernt hatte) vor dem Reichstag während einer Exkursion beschränkt… Es bestätigte sich für mich, dass Musiker nicht oft ihr Fach wechseln.

Ich habe mich im deutschen Unibetrieb nicht wohlgefühlt. Die Behördengänge und die Administration in der Uni haben mich als Fachabiturient viel Mühe und Energie gekostet. Die Massen haben mich erschreckt, für meine Scheine musste ich in der letzten Studienphase sechs Stunden anstehen. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und nette junge Leute kennengelernt, aber die waren teilweise unglaublich planlos: Die wollten ständig mit mir auf Partys und die Studiengänge wechseln, das war mir fremd… vielleicht, weil ich die Party schon Ende der Neunziger in Hilversum gefeiert hatte. Trotz dieses Unwohlseins in den Studentenmassen habe ich nicht nur viel gelernt, sondern auch gute Professoren kennengelernt. Aber in den Niederlanden war ich einfach besser aufgehoben. Für Scheine etc. hat dort jeder Student ein eigenes Postfach. Kaum ein Student ist in den Niederlanden über seine Regelstudienzeit gekommen. Darum war ich vielleicht zielstrebiger als die „jungen Leute“; Zensuren waren mir unwichtig. Eine Schulstelle hätte ich ohnehin nicht wegen „Geschichte“ bekommen, sondern wegen „Musik“.

2006 ging ich ins Referendariat. Bei der Bezirksregierung, die 2002 mein Diplom als erstes Staatsexamen mit der Note 3,0 bewertet hatte, setzte nun dieselbe Sachbearbeiterin dasselbe Diplom für die Sekundarstufe II plötzlich auf 1,97. Absurd. Damit war ich quasi Referendar zweiter Klasse, da angestellt und nicht verbeamtet, aber nach acht Unterrichtsbesuchen und zwölf Monaten war das Thema erledigt und ich hatte das zweite Staatsexamen als Anpassungslehrgangsteilnehmer absolviert. Das hätte mit einem deutschen Abschluss länger gedauert!

Durch Zufall habe ich mir eine Schule in Schleswig-Holstein ausgesucht und bin dort mit 40 Jahren noch verbeamtet worden. Seit Februar 2011 arbeite ich an einer Schule in Troisdorf bei Bonn, an der ich 2003/04 schon als Vertretung war. Letztes Jahr hatte ich meine damaligen Fünftklässler, nun in der „13“!

Na, und dann war ich noch so verrückt und habe 2012 ein Fernstudium Katholische Religion in Hildesheim abgeschlossen. Es ist einfach schöner, ein zweites Fach zu haben. Ein Nachteil meiner Fächer ist allerdings das Bandbreitenmodell: Ich muss mehr Stunden geben, da ich wenige Klausurschreiber habe.“

Allgemeine Informationen zum Quereinstieg in den Lehrberuf an Schulen finden Sie auf dem Portal des Deutschen Bildungsservers zur Lehrerausbildung: http://lehrer-werden.fwu.de/lw.php?seite=bb_32

Im Begleit-PDF zu „Berufe für Historiker“, S. 85f finden Sie Links zu den Seiten der jeweiligen Landesregierungen

Link: Geisteswissenschaftler als Suchmaschinenoptimierer (SEO)

Ein Netzfundstück: Auf der Seite http://www.artaxo.com findet sich ein Artikel über die Eignung von Geisteswissenschaftler für die Suchmaschinenoptimierung einschließlich der Beschreibung notwendiger Fähigkeiten und einigen Links zu Workshops und Prognosen zum Thema.

http://www.artaxo.com/de/2013/03/campixx-2013-sind-geisteswissenschaftler-die-besseren-seos/