Ich muss zugeben, dass die Überschrift mir selbst nicht gefällt, da eine parteilliche Zuordnung mitschwingt; doch es hat sich wohl eingebürgert, Jobs im Ressort „Umwelt“ als „grüne Jobs“ zu bezeichnen. Diese Sparte verheißt Zukunft, und wie so oft scheinen GeisteswissenschaftlerInnen dort nicht gefragt zu sein, richtet sich die Ansprache doch schon der technischen Notwendigkeiten wegen eher an Absolventen ebenjener Disziplinen, vielleicht noch an NaturwissenschaftlerInnen und – verkauft werden muss auch – an Wirtschaftswissenschaftlerinnen oder -ingeneure.

Doch GeisteswissenschaftlerInnen finden ihre Nischen, insbesondere in der PR und im Bildungswesen mit Umwelt- oder Entwicklungsausrichtung. Die PR-Abteilung von naturstrom leitet der Linguist Dr. Tim Loppe (energiezukunft 14, Sommer 2013, S. n.6). Die Kunsthistorikerin Constanze Wieprecht führt das Team Mitgliederbetreuung bei Greenpeace Energy. In Österreich fand ich das Projekt „Südwind“, eine „Organisation für entwicklungspolitische Bildungs-, Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit“; wenn Sie dort die Mitarbeiterliste aufrufen, sehen Sie überwiegend Geisteswissenschaftlerinnen. Auf der Plattform „Utopia“ ist Martin Tillich Redakteur und Blogger; er studierte Soziologie, Philosophie & Psychologie. Stefanie Dowe, Politologin, ist für Utopia in Berlin verantwortlich für den Dialog mit den (finanziell) am Projekt beteiligten Unterstützern. Und auch in der „Sinnwerkstatt“, die nach eigenen Angaben „öko-soziales Wirtschaften vor[lebt]“ und einen deutlichen Schwerpunkt auf Grafik legt, arbeitet mit Manuel Fricke ein Texter und Konzeptionierer. Als ich beschwingt von so vielen Treffern auch in der Textagentur „EcoWords“ GeisteswissenschaftlerInnen erwartete, wurde ich allerdings glatt runtergebremst: Ingo Leipner ist Volkswirt. Aber manche Volkswirte verstehen sich durchaus auch als Geisteswissenschaftler, daher herzlich willkommen in dieser Auflistung.

Falls Sie nun von den Beispielen darin bestärkt sind, dass Sie in der „Umweltbranche“ durchaus eine adäquate Tätigkeit finden können – und zudem eine, deren gesellschaftlicher Sinn nicht umständlich erklärt werden muss: Zwei Jobportale stehen Ihnen zur Verfügung

greenjobs (dort gibt es auch einen Blog für Umweltfachkräfte)

eejobs

Ich habe ein wenig gestöbert, was sich dort finden lässt und wie die Einstiegsbedingungen sind. So sucht ein Dentallabor eine/n Praktikant/in im Bereich Corporate Social Responsibility Management (Begriff evtl. zu Ihren Suchworten hinzufügen). Wie offen die Anforderungen sein können, zitiere ich direkt aus einem anderen Stellenangebot:
„Anforderungen: Wir wünschen uns, dass du talentiert mit Computer und Office-Paket umzugehen weißt, besonders Excel solltest du wirklich beherrschen. Neben deiner Erfahrung zählt für uns noch mehr deine Überzeugung, dass der angebotene Job der richtige für dich ist.“

Eher klassisch sind hingegen die Anforderungen für eine Leitungsposition beim NABU: Hochschulabschluss und Berufserfahrung (mit Bezug zum Aufgabenfeld), umfassende Kenntnisse und Erfahrungen in der Umweltpolitik Deutschlands und der EU, Erfahrungen in der Mitarbeiterführung und im Projektmanagement. Auch hier ist also Ihr Studienfach weniger entscheidend als Ihr inhaltliches Profil und Ihre Erfahrungen.
Eine Ausschreibung (Berater/in für Landnutzungsplanung) fordert spezifische Methodenkenntnisse. Der Bundesverband Windenergie erwartet von seinem zukünftigen Pressesprecher neben Erfahrungen und Kontakten ein abgeschlossenes Studium, bevorzugt u.a. in Germanistik.

Nicht Zeugnisse, sondern projektspezifische organisatorische und soziale Erfahrungen stehen im Profil einer Ausschreibung, mit der nach einer Berater/in für Kaffeekooperativen gesucht wird. Ähnliches gilt für die Suchanzeige des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V.

Die Sichtung dieser Anzeigen kann Ihnen bei der Reflexion helfen, wie Sie Ihr Profil in den kommenden Monaten und Jahren ergänzen und erweitern sollten, wenn Sie an „grünen Jobs“ Interesse haben. Zentral ist stets eine hohe Identifikation mit den Werten des potentiellen Arbeitgebers. Erfahrungen in der Umweltarbeit, soziales Engagement und die Bereitschaft zu interdisziplinärem Arbeiten werden häufiger erwartet als spezifische Hochschulabschlüsse – wenn auch der Abschluss an sich in der Regel insbesondere für Führungspositionen (oder den Weg dahin) Voraussetzung ist.

btw: Die Recherche zu diesem Beitrag habe ich mit Unterstützung der „grünen Suchmaschine“ www.ecosia.org durchgeführt. Und die Kaffees waren mit transfair-Siegel – ob bei Fairtrade Deutschland auch KommilitonInnen tätig sind, habe ich noch nicht herausgefunden. Bestimmt.

[update 6.8.13] matchboxmedia veröffentlicht den „Jobguide“, zu dem ein Band „Energie“ zählt.  Informationen auf der Seite des Jobguide.