Die Süddeutsche spekuliert online über die neue Friedensnobelpreisträgerin und illustriert eine Backlist (oder „Kandidatenliste“). Vier GeisteswissenschaftlerInnen sind darunter, wenn auch die Ausbildung auf den ersten Blick nichts mit der Auszeichnung zu tun hat – oder doch? Es kann durchaus ein – langfristiges – Studienziel sein, „der Menschheit größten Nutzen zu bringen“, die „Verbrüderung der Völker oder Abschaffung und Verminderung stehender Heere“ voranzubringen oder Friedenskongresse abzuhalten. Nein: Es sollte des Öfteren mal ein Ziel sein, wenn Sie und wir es schaffen, die Fixierung auf Punkte zugunsten eines Panoramablicks zu lösen.

Zwei der genannten vier sind Kleriker: John Baptist Odama, Erzbischof von Gulu, und John Onaiyekan, Erzbischof von Abuja.

Helmut Kohl hat Rechtswissenschaft und Geschichte studiert und wurde in Geschichte in Heidelberg 1958 mit der Arbeit  „Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945“ promoviert. Ich erinnere mich, dass während meiner Studienzeit das Gerücht in die Welt gesetzt wurde, es sei um pfälzische Knopfwährung gegangen; das passt ja irgendwie auch.  Plagiate sind nicht die einzige Pest im Promotionswesen. Doch, wie geschrieben, es geht nicht um seine geisteswissenschaftlichen Leistungen, sondern um die Einigung Europas, zweifellos eine höhere Weihe.

Ljudmila Alexejewa ist Archäologin und Historikerin; sie wird wegen ihres Einsatzes für Menschenrechte in Russland auf der Kandidatenliste geführt. Tatsächlich habe ich nur eine deutsche Übersetzung ihrer Texte gefunden:

Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Oleg Orlow, Sergei Kowaljow, Ljudmila Alexejewa stellvertretend für Memorial und alle anderen Menschenrechtsverteidigerin Russland, Brüssel (Europäisches Parlament) 2009.

Bestimmt kann mir jemand von Euch OsteuropaforscherInnen einige journalistische Texte in Übersetzung nennen.

Ich habe keinen Favoriten. Doch als ich von der Kampagne „Iranians we love you“ von Ronny Edry in Israel hörte – und von den Reaktionen iranischer und palästinensischer Bürger – dachte ich: Das wäre einen Preis wert. Social media als basisdemokratische, unbürokratische, kreative Friedenskongresse? Tatsächlich gab es wohl eine Petition.

Frieden studieren? Warum nicht? Z. B.

World Peace Academy – Swiss Centre for Peace Studies (Basel)

Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik – Centre for Peace Research and Peace Education (Klagenfurt)

Master of Peace and Security Studies (Hamburg)

Friedens- und Konfliktforschung in Magdeburg

Friedensforschung und internationale Politik in Tübingen

Oder im Blog stöbern: http://www.friedensnews.at/

Nun habe ich so lange für das Schreiben gebraucht, dass alle Spekulation ein Ende hat: Der Preis geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) (www.opcw.org). Herzlichen Glückwunsch!