Ina Ross: Wie überlebe ich als Künstler. Eine Werkzeugkiste für alle, die sich selbst vermarkten wollen, Bielefeld 2013

Ein Schlüsselwerk zum Einstieg, unbedingt neben den üblichen Existenzgründungsratgebern lesen! Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass im Titel “Künstler” angesprochen sind; falls doch: schauen Sie nochmal drauf und versuchen Sie, nur den Untertitel zu lesen. Sie werden unschwer in der Lage sein, die vielen Tipps, Anregungen, Beispiele auf sich und die Spezifika der Geisteswissenschaftler zu übertragen. Es geht darum, sich sichtbar zu machen, sich zu finanzieren und organisieren, in einem Bereich, der für die meisten Unternehmen “nice to have” ist, aber keine wirtschaftliche Relevanz zu haben scheint. Im Bereich der öffentlichen Förderung sind natürlich die Hinweise nicht weiterführend, da müssen Sie für unsere Fächer selbst recherchieren. Vollkommen adaptieren können wir hingegen die Haltung, die diesem Buch zugrunde liegt: Es sind gute Zeiten, um das Marketing für die eigene Arbeit selbst in die Hand zu nehmen! Es gibt nicht mehr den Weg! Versteht den Sinn Eurer Sache, entwickelt Freude daran und weckt Begeisterung!  Lernt, Eure Tätigkeit von außen zu betrachten und zu formulieren, was das Besondere an ihr sei!

Ich muss dieses Buch schon deshalb voller Sympathie empfehlen, weil es sehr konkret und anwendungsorientiert anleitet, Ordnungswidrigkeiten im Guerillamarketing in Kauf zu nehmen (und die Gefahr, tatsächlich Grenzen zu überschreiten, zu minimieren), wenn es einem höheren Zweck – der Kunst! für uns vielleicht universeller: der Kultur! – dient! Und weil es für ein Lehrbuch sehr unkonventionell ausgestattet ist (mit Strichmännchenzeichnungen und viel Grafik), auf diese Weise seiner Intention gerecht wird und zugleich anregt, darüber nachzudenken, ob wir unsere Lehrbücher eigentlich uns selbst, unseren Themen und unserer Zielgruppe gerecht gestalten.