Wie soll ich Berufserfahrung sammeln, wenn dazu die Bedingung ist, bereits Berufserfahrung zu haben? – Schon bei Ausschreibungen für Praktika wird bisweilen „Berufserfahrung“ vorausgesetzt. Gestern, auf der perspektive13 in Bielefeld, traf ich drei Studenten (unserer Fachrichtungen, nicht unbedingt „Lehramt“), die sich bei der Initiative Rock Your Life engagieren. Deren Profil:

„Wir qualifizieren Studierende als Coaches, die ehrenamtlich Schüler aus sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen nach einem strukturierten Coachingprozess auf dem Weg in den Beruf begleiten. Ziel der zweijährigen Coaching-Beziehungen ist es, die Schüler zu unterstützen, ihr individuelles Potential zu entfalten, sie in ihren Fähigkeiten, Talenten und Visionen zu stärken sowie ihre Perspektiven zu erweitern.“

Dass damit eine Stärkung der eigenen Talente, eine Entfaltung des eigenen Potentials und eine Erweiterung der eigenen Perspektiven einhergehen, liegt auf der Hand. Wenn Sie sich einmal von dem Anfangsimpuls der Akkumulation von Berufserfahrung befreien und die fremdbestimmte Bepunktung Ihres Lebens zwar wichtig, aber nicht allzu ernst nehmen, bieten Initiativen wie diese Ihnen vielleicht einen Zugang zur ursprünglichen Motivation, die Sie ein „brotloses“ Studium wählen ließ: die Gesellschaft beeinflussen, eigene Ideen und eigenes Wissen weitergeben und zu Leben erwecken. [Der Satz war für einen Blog viel zu lang. Entschuldigen Sie bitte.] Die Erfahrung, die Sie sammeln, würde natürlich auf den ersten Blick vornehmlich Lehr- und Bildungstätigkeiten entgegen kommen. Doch letztlich bilden Sie soziale Kompetenz und Wissen über soziale Bedingungen aus, Sie handeln politisch, Sie können sich im Fundraising oder in der Öffentlichkeitsarbeit einbringen.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren bislang sehr positiv; ich erinnere mich, bereits vor einigen Jahren über Rock Your Life gelesen zu haben (hier: Ulla Hanselmann: Nimm Dein Leben in die Hand, in: DIE ZEIT, 02.06.2010 Nr. 23) und bedauerte, keine Studentin mehr zu sein. Nun sah ich jedoch, dass mir auch als Graduierter Türen offenstehen: Patenschaften, Sponsoring und Förderungen; „helfen Sie uns mit Ihren Ideen, Ihrem Wissen, Ihrer Zeit“.  Eine schöne Plattform für soziale Mobilität auch innerhalb der akademischen Hierarchien.
Ein ähnliches Projekt, jedoch stärker auf den Lehrberuf zugeschnitten, ist übrigens TeachFirst.