Wenn wir in Seminaren über den Seiteneinstieg ins Lehramt sprechen, steigt bei BA/MA-Studierenden stets die Aufmerksamkeit. Falls dies auf Sie ebenfalls zuträfe: Heute fand ich zwei Daten, die Ihre Aufmerksamkeit dann ebenfalls beanspruchen sollten:

1. 985 Seiteneinsteiger wurden 2012 in den Schuldienst eingestellt. 28.988 Lehrer wurden 2012 insgesamt neu eingestellt. So zeigt es eine Grafik in Carta 2020. Das Bildungsmagazin des Stifterverbandes [für die Deutsche Wissenschaft], Januar 2014, S. 58 unter Berufung auf das Statistische Bundesamt, KMK und OECD.

2. In Bayern protestieren die Referendare und hielten einen Flashmob ab. Nur 170 von 800 Referendaren haben eine Stelle zu Februar bekommen. Der stellvertretende Sprecher im Kultusministerium begründet dies mit sinkenden Schülerzahlen, und
„[a]us der neuen Prognose gehe hervor, dass weniger Stellen für die Fächer in den Geisteswissenschaften und modernen Fremdsprachen zur Verfügung stehen. Trotzdem begännen nach wie vor viele ein Lehramtsstudium ohne sich Gedanken über die Wahl ihrer Fächer zu machen.“ Bericht in der SZ.

Sie können sich denken, dass der Seiteneinstieg noch schwieriger wird, wenn schon die „regulären“ Einsteiger nicht eingestellt werden. Dennoch: Die Unterstellung, Lehramtsstudenten in z. B. Englisch und Geschichte hätten sich „keine Gedanken“ über ihre Fachwahl gemacht, ist schon sehr brotgelehrt.

Siehe auch Gastbeitrag Seiteneinstieg ins Lehramt

[update 12.2.2014] Die Proteste zeigen Wirkung: Offenbar sollen die 800 Stellen, die im Januar zur Disposition standen, nun doch erhalten bleiben. Neben den Referendaren hatten auch Bildungs- und Berufsverbände Druck gemacht. Ganze Schulen seien unterversorgt, Klassen würden wegen Unterrichtsausfall nach Hause geschickt. Bericht in der Süddeutschen online vom 11.2.14.