Neue Wege in mehrfacher Hinsicht gehen die Universitäten Augsburg, Würzburg und Aachen: Sie bieten in Zusammenarbeit mit einem privaten Dienstleister – Bega Weiterbildung – BWL-Seminare auf Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen zugeschnitten an. In den Seminaren werden „berufsrelevante Kenntnisse“ der BWL vermittelt. Für die Teilnahme fallen Gebühren für die Studierenden an; die Uni Augsburg ermöglicht allerdings die Anrechnung von LP für den Bachelorstudiengang, wenn die Abschlussklausur bestanden wurde.
Diese Seminare sind eTrainings, d.h., Sie müssen nicht an einer dieser Universitäten immatrikuliert sein, um teilzunehmen, und können sich im online-Selbststudium weiterbilden. Auf der Website des Anbieters können Sie zwischen Angeboten für Studierende und Berufstätige wählen (Kursangebot). Falls Sie jedoch an einer der genannten Hochschulen eingeschrieben sind, können Sie Rabatt in Anspruch nehmen. Auf das Angebot wies mich Nicole Strauss vom Career Center der TU Dresden hin – vielen Dank!

Gut, dass Unis bzw. Career Services erkannt haben, dass dieser Bedarf besteht; wenn auch noch nicht unbedingt intrinsisch bei den Studierenden, so doch im Laufe der postgraduierten Phase bei vielen Absolventen. Ich kam ebenfalls einmal auf die Idee, noch ein B.Sc.-Studium BWL anzuhängen, sah jedoch nach drei Semestern ein, dass es wegen Praxisferne für meine Bedürfnisse ungeeignet war. Ich sollte irgendwelche Hausfrauenentscheidungen als Graphen darstellen; da stieg ich aus. Ein komprimiertes und auf meine Vorkenntnisse zugeschnittenes Angebot wäre sicher erfolgreicher gewesen.

Es gibt allerdings auch jenseits des BEGA-Angebots Wege, etwaige Lücken in wirtschaftlichen Grundkenntnissen zu schließen, etwa spezielle Studiengänge an öffentlichen (und privaten) Hochschulen, die Absolventen nicht-wirtschaftlicher Studiengänge adressieren. Markus Jung hat eine gut gepflegte Übersicht für Fernstudiengänge erstellt: http://www.fernstudium-infos.de/fernstudium-allgemein/3206-fernstudium-bwl.html. Auch das Hagener Managementstudium ist nichtkonsekutiv. Stets müssen Sie dabei jedoch im Blick behalten, dass es sich um Studiengänge handelt; d.h. ein allgemeiner, unmittelbarer Praxisnutzen (abgesehen von der individuellen Karriere) steht nur in Ausnahmefällen in den Studienzielen. Letztlich könnten Sie also auch während Ihres Primärstudium gezielt Kurse aus dem BWL/VWL-Angebot Ihrer eigenen Hochschule besuchen. Ob und wie Prüfungsleistungen dann anerkannt werden, müssen Sie individuell besprechen; niemand hindert Sie jedoch, bei Bewerbungen Ihre BWL-Scheine gesondert beizulegen. Auch können Sie zunächst in der Bibliothek Einführungsliteratur konsultieren; warum nicht auch populärwissenschaftliche?

Mein Eindruck ist zudem, dass der vermeintliche Malus von Geisteswissenschaftlern für die Wirtschaft nicht zuerst in fehlenden BWL-Kenntnissen besteht, sondern in einem mangelnden Grundverständnis für wirtschaftliche Prozesse, Sprache und Entscheidungswege – vielleicht auch gepaart mit Desinteresse. Ich muss mich auch immer anstrengen, um mich für Wirtschaft zu interessieren, bin damit aber in guter Gesellschaft; in der Kritik zum aktuellen Film „The Wolf of Wall Street“ in der ZEIT heißt es:
„Auffällig ist, dass der Film sich kaum für die Finanztricks interessiert. DiCaprio als Belfort sagt im Wesentlichen nur: „War das alles legal? Nein, absolut nicht. Aber wir machten viel Geld.“ Und DiCaprio, der Schauspieler, meint, er verstehe auch nicht alle Details, aber egal: „Wenn du einen Film machst, der sich wirklich um die Abläufe an der Börse dreht, steigen dir die Leute aus.“ […] Bloß führt genau dieses Desinteresse im Detail dazu, dass es in der realen Welt zu absurd scheinenden Schmierenstücken kommt.“ – Wie z. B., dass der wirkliche und kriminelle Belfort heute u.a. die Deutsche Bank berät.
Also wäre es sinnvoll, zunächst die Lücken in der wirtschaftlichen Grundbildung zu schließen; hilfreich ist da z. B. das Lexikon der Wirtschaft, etwa in der Lizenzausgabe der BPB oder deren „Dossier Wirtschaft„. Mir hat sehr geholfen, Medien zu nutzen, die meinen Lesegewohnheiten und Interessen eher entsprechen als die Aushängeschilder der Anzugträger, Harvard Business Manager, FT, Wirtschaftswoche: Ich lese stattdessen brand eins oder Business Punk (jaja, das ist Lifestyle. Macht aber Spaß, und mit der Motivation kommt das Lernen). Außerdem fand ich es bereichernd, in einem Kleinstbetrieb zu hospitieren, wo die gesamte „Betriebswirtschaft“ von einer Person abgewickelt und auf diese Weise sehr unmittelbar wird. Inzwischen bin ich selbst zwei Kleinstbetriebe und muss alle Erfahrungen in Finanzierung, Marketing, Vertragsrecht, Steuern, Projektmanagement und Fördermöglichkeiten auch selbst machen. Ich habe viel gelernt, und dies an Gegenständen, die mich aus meinem Studium heraus interessieren: Wissen, Geschichten und Bücher. Im Gegensatz zum versuchten BWL-Studium habe ich mich hier nicht von mir entfremdet.