Ich gebe Ihnen einen Gesprächseinstieg auf einer Jobmesse wieder, den ich nicht empfehle, falls Sie Karriereambitionen hegen:

Brotgelehrte: Oh, Bundeswehr. Na, Ihre Plakate hängen ja auch im Arbeitsamt. Aber als attraktiven Arbeitgeber habe ich Sie nie wahrgenommen, eher als Notlösung für Gestrandete. Warum sollte jemand wie ich mich bei Ihnen bewerben?
Offizier (fragen Sie mich nicht, was für einer, jedenfalls lief er rot an): Warum sollte die Bundeswehr denn bitte kein attraktiver Arbeitgeber sein? Wo finden Sie so vielseitige Tätigkeiten, Aufstiegschancen und Sozialleistungen?
Brotgelehrte: Finde ich denn auch welche, die zu mir passen?
Offizier: Das ist völlig gleichgültig. Bei uns durchlaufen alle den Grunddienst, und dann kann man sich individuell weiterentwickeln.

Als mein Mann dies hörte, empfahl er mir, denselben Einstieg mal beim Auswärtigen Amt zu versuchen. Konstatieren wir also den Zusammenprall zweier Kulturen, die sich gegenseitig unmöglich finden. Ich hätte es darauf beruhen lassen können, wenn nicht drei lose Informationen in mir waberten:
1. An den Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg gibt es doch geisteswissenschaftliche Angebote. Warum? Kann man Historikerin oder Soziologe bei der Bundeswehr werden?
2. Ich habe in anderen Zusammenhängen außerordentlich höfliche, kluge und kommunikationsfähige Mitarbeiter (auch zivile) der BW kennengelernt. Offenbar muss man sich nicht erst im Grunddienst zurechtschleifen lassen.
3. Die Bundeswehr unterhält Museen und Forschungseinrichtungen. Die benötigen Personal. Das Militärhistorische Museum Dresden bietet z. B. Praktika. Da siegt meine brotgelehrte Selbstverpflichtung, Sie zu informieren, über emotionale Vorbehalte.

Kann die Bundeswehr also Geisteswissenschaftlern eine Perspektive bieten?

Die HSU in Hamburg hat einen eigenen Studiengang Geschichte; in München ist Geschichte Teil des Studiums der „Staats- und Sozialwissenschaften„. Das Studium kombiniert Geschichte mit Politikwissenschaften, Ethik, Jura, Soziologie und VWL. Eine Schwerpunktsetzung erfolgt in den Abschlussarbeiten. Dort studieren Offiziere, die sich für zwölf Jahre verpflichtet haben. Die Absolventen werden u.a. zur Fortbildung anderer Soldaten eingesetzt, im Bereich PR/Öffentlichkeitsarbeit, im Personalbereich und für Hintergrundrecherchen. Auf der Infoseite zum Studiengang heißt es:
„Einerseits soll es Offizieren und Offizieranwärtern Kernkompetenzen für ihren häufig auch international geprägten Berufsalltag mit seinen interkulturellen Herausforderungen vermitteln. Entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten sind heute nicht nur bei Auslandseinsätzen gefordert, sondern berühren angesichts der zunehmenden sicherheitspolitischen Zusammenarbeit und Vernetzung in Europa und darüber hinaus letztlich den beruflichen Alltag fast eines jeden Offiziers. Andererseits soll das Studium aber durch seinen betont interdisziplinären Ansatz, die dadurch vermittelte Methodenvielfalt sowie seinen Praxisbezug einen optimalen Berufseinstieg außerhalb der Bundeswehr ermöglichen.“

Jenseits der Laufbahn als Soldat bzw. Offizier gibt es auch zivile Tätigkeiten innerhalb der Bundeswehr. Letztere sind eher rar gesät; die Universitäten halten kaum Stellen bereit. Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam beschäftigt Historikerinnen, SoziologInnen und Dozenten – derzeit sind jedoch keine Ausschreibungen zu finden. Überhaupt habe ich nicht herausfinden können, wie der zivile Dienst sich rekrutiert; vermutlich über Ausschreibungen, so, wie der öffentliche Dienst insgesamt.

Tatsächlich unterhält die Bundeswehr in ihrem zivilen Bereich einen „sprach- und kulturwissenschaftlichen Dienst“, der sich bei näherem Hinschauen überwiegend als Übersetzungseinheit herausstellt und für die Sprachlehre zuständig ist. Es gibt darüber hinaus den „höheren Dienst sonstiger Fachrichtungen“, worunter explizit Historiker, Pädagogen und Politikwissenschaftler geführt werden. Die Bundeswehr unterhält neben Museen auch Bibliotheken und Archive – ebenfalls klassische Tätigkeitsfelder, die – wie in anderer öffentlicher Trägerschaft auch – die entsprechenden Ausbildungen zum Bibliothekar oder zur Archivarin (in den verschiedenen Dienstgraden) erwarten.

Und dann gibt es natürlich affine Einrichtungen, die sich mit Militär oder Militärgeschichte befassen, jedoch nicht Teil der Bundeswehr sind, wie das Wehrgeschichtliche Museum Rastatt, das Museum Stammheim – für weitere können Sie diese Wikipedialiste aufrufen.

Hier geht’s zur Beschreibung der Studiengänge Geschichte, Politikwissenschaft u.a. (BA, MA) an der HSU Hamburg: PDF

Broschüre: Bundesministerium der Verteidigung, Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten (Hg.): Attraktive zivile Karrieren in der Bundeswehrverwaltung. Laufbahnen der sonstigen Fachrichtungen, PDF

Rogg, Matthias: Kompass Militärgeschichte. Ein historischer Überblick für Einsteiger, Freiburg u.a. 2013

Ich danke Dr. Anke Fischer-Kattner, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Bundeswehr München, für den kollegialen Austausch.