Beate Westphal nimmt sich eines Themas an, das wir in der öffentlichen Darstellung eher negativ besetzt finden: Multijobber sind überwiegend die armen Leute, die mit einem Job nicht enug zum Leben verdienen, siehe Beitrag Aufstocken!.
Hier geht es jedoch um diejenigen, die mit einem einzigen Job nicht ausgefüllt sind. So agieren die Personen in den Beispielen und Erfolgsgeschichten zwischen Angestelltendasein, Nebenjobs, Selbstständigkeit, Hobbys, und zwar mit Freude. Dies macht eine wesentliche Erleichterung aus, denn DAS Zitat, das viele hören, wenn sie mit einem Job allein nicht zufrieden sind, wird entkräftet: Es geht nicht darum, sich im Rahmen der klassischen Vorgaben des Arbeitsmarktes „endlich zu entscheiden“. Und um diese neu gewonnene Freiheit an Realitäten anzubinden, hilft ein kleiner Satz aus einem wiedergegebenen Beratungsgespräch: Berlin böte das Umfeld für ungewöhnliche berufliche Biografien – umgekehrt also: Nicht überall ist Job-Patchworking gleich besetzt und sind die Chancen, die sich daraus ergeben, gleichermaßen leicht zu erkennen und zu ergreifen.
Ich habe noch nicht genau herausgefunden, ob Westphals „Talentcafé“ wirklich ein Café ist. Aber ich wünschte, es wäre so, und finde die Idee begeisternd sowie das eigene Jobpatchworking der Autorin inspirierend, und darum bliebe ich gern kritiklos.
Was mich davon abhält war das Kapitel zum Geld, von dem ich mehr erwartete. Mein Eindruck ist, dass wir da gemeinsam in einer gewissen Ratlosigkeit stecken, und viel mehr Varianten als „Privatvermögen“ (im Zweifel aus dem Umfeld), „Banken“, „Förderung“ und „Crowdfunding“ liegen vielleicht auch gerade nicht in der Luft. Angespitzt von dieser Unzufriedenheit grabe ich mich aktuell durch einige Geldratgeber, und komme stets an der gleichen Stelle heraus. Es sei gleich angemerkt: Sparen Sie sich das Geld für

Chris Guillebeau: Start-up! Wie Sie mit weniger als 100€ ein Unternehmen auf die Beine stellen und Ihr eigener Chef werden, 2013

es sei denn, Sie haben auch einen Nachbarn, der Ihnen eine Lastwagenladung Matratzen für ein Start-up zur Verfügung stellt; und wie man mit weniger als 100€ ein Yogastudio in Washington DC eröffnen will, ist mir schleierhaft. Wenn Sie sich nun doch angetriggert fühlen, schauen Sie sich zunächst die Website 100startup an. Siehe auch mein Beitrag Das liebe Geld…

Westphals Idee, Übungen in das Buch nicht nur einzubinden, sondern sie sogar der Darstellung voranzustellen (statt in den Anhang zu verbannen) schätze ich sehr, weiß ich doch, wie viel Arbeit es macht, sie sich auszudenken. Doch ich tat mich schwer mit ihnen – kurz: Sie haben es nicht geschafft, mich zu aktivieren. Statt Reflexion war mir mehr nach Aktion.

Fazit: Ein Buch, das Stimmung und Selbstbild heben kann und Role-Models bietet.

Beate Westphal: Das Job Patchwork Buch. Kreativität. Freiheit. Selbstverwirklichung, Frankfurt am Main 2014
Informationen zum Buch auf der Verlagsseite