Also ich bin kein Kunde von Wealth Managern, ich wusste bis zum Beginn der Arbeit an diesem Beitrag nicht einmal, dass es sie gibt. Shame. Wealth Manager oder Private Banker kümmern sich um reiche private Bankkunden, also sehr reiche private Bankkunden. Vereinfacht beschrieben: Sie beraten und betreuen, entwickeln Anlagestrategien, investieren für ihre Klienten, organisieren die mitunter langfriste, generationenübergreifende Unterbringung des Reichtums.

Ich dachte, damit haben Geisteswissenschaftler nichts zu tun. Aber Reichtum meint ja nicht nur Geld und innere Werte, sondern umfasst meist ein komplexes Vermögen, zum Beispiel auch Kunst. Also wagte ich vorsichtig und in der Hoffnung, meine „Höhere-Töchter-Vorurteile“ gegenüber Kunsthistorikerinnen nicht bestätigt zu sehen, bei Xing nach der Kombination aus „Kunstgeschichte“ und „Wealth Management“ zu stöbern, und siehe da: Es gibt Kunsthistorikerinnen (auch ein paar Männer), die den Reichtum anderer Leute managen. Sie suchen in deren Auftrag nach lohnenden Investitionen, erstellen Gutachten und Zertifikate zu Kunstwerken und kümmern sich um die Unterbringung, z. B. in Depots in Freihäfen. Doch auch Absolventinnen der Germanistik fand ich (z. B. im Team von Willendorff Technologies) Sie werden sich vorstellen können, dass fachliche Expertise allein hier unzureichend ist; Geisteswissenschaftler, die als Private Banker für sehr reiche Menschen arbeiten, brauchen fundierte Kenntnisse im Finanzwesen und Interesse am Geld, zudem Diskretion und sichere Umgangsformen mit diesem speziellen Klientel – und diese erwachsen wesentlich soziokulturellen Codes.  Zu den erweiterten Anforderungen gehören außerdem Fremdsprachenkenntnisse und Internationalität. Als Beispiel könnten Sie sich das Profil von Lucas Elmenhorst anschauen.

Wo sind diese Jobs? – Bei Privatbanken, in freien Beratungshäusern.  Die Deutsche Bank Gruppe hat eine Abteilung für Kunstberatung in Deutsche Asset & Wealth Management und auch Geisteswissenschaftler im Experten-Team. Lachen Sie nicht: Viele Treffer führten in die Schweiz.

Einstieg: Z. B. als Junior Wealth Manager, der mit dem Senior Wealth Manager zusammenarbeitet und Erfahrungen sammelt.

Mitunter ballt sich ja das Material merkwürdig um ein Thema, sobald man sich ihm zuwendet: Plötzlich fand ich zu meiner Unterhaltung auf meinem Nachttisch den Kunst-Mord-Krimi

Bielefeld&Hartlieb: Im großen Stil, Zürich 2015.

Wenn es weder mit dem Wealth Management noch mit dem Vermögen klappt, versuchen wir es doch mit Recherchen zu Romanzwecken in jenem Milieu.

[update 27.6.2015] Schief laufen kann es natürlich auch. Heute beginnt die Auktion des inhaftierten Kunstberaters Helge Achenbach in Düsseldorf. Interview mit dem Auktionator.

Schriften von Achenbach:
Der Kunstanstifter. Vom Sammeln und Jagen. Autobiografie, Ostfildern 2013

Vom Saulus zum Paulus. Kunst- und Architekturberatung, Regensburg 1995

Quellen:

https://www.staufenbiel.de/banking-finance/banking/berufsfelder/private-wealth-management.html

Crashkurs Private Banking von ZEIT online: http://www.zeit.de/2010/36/GS-Private-Banking-Crashkurs

Weiterlesen:
Suzanne Ziegler, Anita Sigg, Robert Fehr, Jérôme Zaugg, Hans Brunner, Roland Hoffmann: Die Neupositionierung des
Wealth Management in der Schweiz. Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Soll-Kompetenzen in der Kundenberatung, Winterthur 2014, PDF

Sonderbeilage Wealth Management &Private Banking, Börsenzeitung, 2012

http://www.karriere.de/karriere/mit-kunst-geld-verdienen-8557/3/