In unseren Disziplinen kann es zur Distinktion zählen, sich gerade nicht für Geld zu interessieren, sich nicht damit auszukennen, es nicht wertzuschätzen. Vielleicht ist auch darum die Numismatik inzwischen ein Orchideenfach, das nur noch in Wien mehr ist als eine Sitzung im obligatorischen Proseminar Mittelalterliche Geschichte oder Propädeutik. Dass man daraus einen Job machen könnte, liegt nicht unbedingt auf der Hand, und ich muss zugeben, dass meine eigene Idee eines Numismatikers sehr vorwissenschaftlich übereinstimmte mit „Sonderling“. Doch da kam eben mein Mann und fragte, ob ich seine Sammlung von 10-Reichspfennig-Umlaufmünzen gesehen hätte, und ich änderte das Urteil rasch in: doch ganz sympathisch.

Genau darin liegt eine der wesentlichen Stärken auf dem Arbeitsmarkt. Numismatikerinnen sind hoch spezialisiert (es gibt zudem noch Spezialisierungen innerhalb der Disziplin, z. B. Fundmünzennumismatikerin oder Spezialisten für bestimmte Regionen, Zeiten, Geldmittel) und sehr selten. Sie sind keine Universalisten-Geisteswissenschaftler, die ihre Methoden auf quasi jeden beliebigen Gegenstand übertragen können. Häufig haben NumismatikerInnen ihre Qualifikationsarbeiten zu einem münzkundlichen Thema verfasst. Insbesondere diejenigen, die im universitären oder musealen Bereich arbeiten, sind oft promoviert.

Numismatiker forschen an Universitäten und Akademien, betreuen Sammlungen, begleiten oder leiten archäologische Grabungen, verfassen journalistische und Fachtexte sowie Kataloge, arbeiten als Sachverständige, z. B. für Münzhändler, IHKs oder die Numismatische Kommission der Länder der Bundesrepublik.

Sie arbeiten auch selbst als Münzhändler. Als solche führen sie neben dem eigentlichen Handel meist auch Auktionen durch und schreiben, handeln oder verlegen Bücher und Kataloge über Numismatik. Ihre Arbeit reicht teils bis ins Wealth Management hinein, wenn Fachleute Anlagestrategien für Sammler entwickeln. Meist bildet der Münzhandel nur eine Sparte, und die Unternehmen handeln auch mit Antiquitäten, Kunst oder Edelmetallen. Bekannte Münzhändler sind z. B. die Münzen & Medaillen GmbH in Weil am Rhein, die Münzhandlung Knopek in Köln, die Giessener Münzhandlung in München und Kroyer’s Münzencontor in Hamburg. Ein großer Auktionator ist die Sincona AG in Zürich.

Ursula Kampmann etwa qualifizierte sich mit einer auf Numismatik spezialisierten Schrift und arbeitete anschließend im Münzhandel sowie für zwei Berufsverbände der Münzhändler. Sie ist Herausgeberin der Fachzeitschrift MünzenRevue und verfasst neben Büchern und journalistischen Texten auch Hörspiele und Videos. Zudem kuratierte sie Ausstellungen zur Geld- und Münzgeschichte.

Eine spezialisierte Jobbörse fand ich nicht, ebenfalls keine offenen Stellen auf den Seiten der Berufsverbände oder Organisationen. Es handelt sich um einen sehr kleinen und hochspezialisierten Arbeitsmarkt – nicht nur hinsichtlich der Nachfrage, auch hinsichtlich des Angebots an spezialisierten Absolventen. Das bedeutet, dass Sie allein schon durch eine Professionalisierung im Bereich Numismatik und ein übliches Kommunikationsverhalten im Fachgebiet schnell über Nischen, offene Stellen oder auch Aufträge für selbstständiges Arbeiten informiert sein werden, also: spezialisieren und netzwerken.

Bei Münzhändlern und Auktionshäusern können Sie nach Möglichkeiten zur Hospitation, Nebenjobs oder Praktika nachfragen. Ein kurzer Weg führt vielleicht auch zur Bank Ihres Wohnorts, wo sie als Studentenjob oder Ehrenamt kleinere Münzsammlungen (mit)betreuen können.

Im Ausstellungsbereich können Sie bei den Museen und Münzkabinetten Ausschau nach Praktikumsplätzen oder anderen Einstiegsvarianten halten, etwa den berühmten Sammlungen in Berlin, Dresden, Wien (KHM und Johanneum) und München. Auch das Schloss Friedenstein in Gotha, das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, das Rheinische Landesmuseum Trier, die Universität Bonn (Akademisches Kunstmuseum) und die Stiftung Moritzburg (Halle/Saale) pflegen Münzsammlungen. Auf orientalische Münzen ist das Kabinett in Jena spezialisiert. Zudem gibt es in Berlin das Museum der Staatlichen Münze.

Links

Numismatische Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland

Archäologie von Münze, Geld und von Wirtschaft in der Antike, Universität Frankfurt a.M.

Institut für Numismatik und Geldgeschichte, Universität Wien

Organisationen der Numismatiker:

Österreichische Numismatische Gesellschaft

Royal Numismatic Society, London

Berliner Numismatische Gesellschaft

Organisationen der Münzhändler

Verband der Deutschen Münzenhändler (VDDM)

Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels e.V. (BvDM)

Verband Schweizer Berufsnumismatiker (VSBN)

Organisationen der Sammler:

Deutsche Numismatische Gesellschaft (mit Links zu weiteren Vereinen)

 Foren und Information

www.numismatikforum.de

Virtual Library Geschichte der LMU München, Stand 2009

Literatur

Studienliteratur

Howgego, Christopher: Geld in der antiken Welt: Was Münzen über Geschichte verraten, Darmstadt 2000

North, Michael: Das Geld und seine Geschichte: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 1994

Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, mit Literaturnachträgen von Franz Fuchs, Stuttgart 182012

Klüßendorf, Niklot: Numismatik und Geldgeschichte: Basiswissen für Mittelalter und Neuzeit, Peine 2015

Braun, Christina von: Der Preis des Geldes. Eine Kulturgeschichte, Berlin 2012