ErbenermittlerInnen – Das Geschäft mit dem scheinbar besitzlosen Erbe

[update 28.1.2016] ZON stellt heute den Erbenermittler Heinrich Georg Ely mit seinem Erfolgsrezept „Zeitgeschehen in Verbindung mit Regionen und Menschen bringen“ vor: http://www.zeit.de/karriere/beruf/2016-01/erbenermittler-beruf-ausbildung

Sobald ein Nachlassgericht ein Erbe ausschreibt werden sie tätig – die ErbenermittlerInnen. Sie suchen unbekannte Erben und, wenn sie welche gefunden haben, dokumentieren deren Verwandtschaftsverhältnisse zum Erblasser.
Dabei gilt, wer zuerst den Erben findet, streicht das Honorar ein. Das Honorar kann ein sehr guter Verdienst sein, wenn man das große Erbe an der Angel hat. Zwischen 25 und 30 Prozent der Erbmasse kann ein Erbenermittler für seine Dienste verlangen – doch ist der Nachlass klein oder kann kein Erbe ermittelt werden, trägt der Erbenermittler auch das geschäftliche Risiko. Daher verweist der Verband Deutscher Erbenermittler e.V. auf die Notwendigkeit eines finanziellen Polsters.
Neben dieser Tätigkeit bieten ErbenermittlerInnen an, z.B. Familiengeschichte oder Stammbäume zu schreiben oder Verwandten- und Ahnensuche samt Urkundenbeschaffung. Natürlich kann man aber auch für die zahlreichen Erbermittlerfirmen auf freiberuflicher Basis arbeiten.
Eine dieser Firmen ist ILANOT, Generalogy & Heir Research Ltd. ILANOT ist eine israelisch-deutsche Firma, die eine große Bandbreite von Dienstleistungen von Erbensuche in Israel bis hin zur zertifizierten Übersetzung von Urkunden und Dokumenten anbietet. Man kann dort auch einmal die Luft der ErbenermittlerInnen schnuppern. Immer am Monatsbeginn beginnt man mit einem Praktika in Homeoffice Atmosphäre.
Bevorzugt sind Historiker und Genealogen, aber auch Quereinsteiger sind gerne gesehen. (http://www.ilanot.de/jobs/) Auch die Erbenermittlung Emerich sucht ErbermittlerInnen! Am 1. April und am 1. Oktober jeden Jahres startet die firmeninterne Ausbildung.
(http://www.ee-erbenermittlung.de/de/berufsbild.html)
Insgesamt steigt der Bedarf an Erbenermittlern. Ursprünglich waren es vornehmlich Migration und Vertreibung, die eine Suche nach möglichen Erben nötig machte; heute sind es auch allgemeine gesellschaftliche Veränderungen wie das Leben in kleineren Familien oder eine Anonymisierung in Ballungsräumen. Neben besagten Nachlassgerichten werden Erbenermittlerinnen auch von Rechtsanwälten und von Erbengemeinschaften engagiert.
Entscheidet man sich für den Beruf „ErbenermittlerIn“, sollte man folgendes Anforderungsprofil erfüllen: Sicheres Arbeiten in Archiven und mit Primärquellen, Fremdsprachenkenntnisse, gute Kenntnisse in Paläographie und Diplomatik, Flexiblität (die Konkurrenz schläft nicht) Organisationstalent, kommunikative Fähigkeiten (Archivare rücken nur ungern ihr Wissen heraus; oft muss mit Partnern im Ausland korrespondiert werden), und natürlich die Bereitschaft weite Strecken in Kauf zu nehmen, um an das Ziel zu kommen.

Weiterführende Links:

https://www.ihk-berlin.de/branchen/Dienstleistungen/Persoenliche_Dienstleistungen/Brancheninformationen/Gewerbliche_Erbenermittlung/2280158

http://www.vdee-ev.de/ (mit Liste der Mitgliedsunternehmen, auf deren Websites Stellenausschreibungen stehen)

Literatur:
Walter Zimmermann: Die Nachlasspflegschaft, 3. Auflage, Bielefeld 2013
Günter Jochum / Kay-Thomas Pohl: Nachlasspflegschaft: Ein Handbuch für die Praxis mit zahlreichen Mustern und Beispielen, 5. Auflage, Köln 2014

Kommentare

7 comments on “ErbenermittlerInnen – Das Geschäft mit dem scheinbar besitzlosen Erbe”
  1. Ingo sagt:

    Einer der Arbeitgeber hat mir eine Einladung auf meine Bewerbung als EE geschickt. Ich denk mir, dass ist immerhin eine Chance mein Gewi-Studium zu verwerten. Was ich nur nicht weiß: Wann ich Fördermittel beantrage? Davon steht in der Einladung nichts.
    Aber es ist am Anfang ja nicht gewiß, ob ich Geld verdiene? Bis zum ersten Geld sei es dort eine kleine Durstrecke.

    Ganz sicher brauche ich Fördermittel, um am Anfang überhaupt über die Runden zu kommen.

    VG
    Ingo

    1. brotgelehrte sagt:

      Ich verstehe leider nicht ganz: Was für Fördermittel?

      1. Ingo sagt:

        Fördermittel sind Förderdarlehen für Existenzgründer.

        Als berufstätiger EE werde ich ab Beginn nicht wie ein Arbeiter stündlich entlohnt. Ich verdiene erst etwas, wenn ich einen Fall abgeschlossen habe. Ich denke der Anteil an der Erbsumme liegt bei 20 Prozent. Es ist nicht sicher, ob ich überhaupt etwas verdiene !

        Somit stünden mir finanzielle Durststrecken entgegen, aber mit einem Föderdarlehen kann ich wenigstens Geld beantragen, dass mir meine Arbeit finanziell aufbessern würde. Dass das Förderdarlehen zurückgezahlt werden muss, ist klar. Sollte ich erfolgreicher EE werden, kann sich die Arbeit wirtschaftlich auszahlen.

  2. Ingo sagt:

    Ich weiß nach wie vor nicht, wann ich Fördermittel beantrage?

    1. brotgelehrte sagt:

      Sobald Ihr Konzept/Businessplan vorliegt bzw. nach Fristvorgabe des Kreditgebers: https://www.fuer-gruender.de/kapital/foerdermittel/foerderdarlehen/

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