Als ich diesen Artikel vorbereitete, hatte ich gerade den über Stellen in der Rüstungsindustrie gebloggt. Zwei Punkte fand ich besonders frustrierend:

  1. Die Friedensarbeit lebt von Ehrenamt, vom Freiwilligendienst oder vom Einkommensmix, die Arbeit mit Krieg hingegen von festen Einkommen mit sozialer Absicherung.
  2. Die Friedensarbeit scheint für einzelne Lebensphasen vorgesehen, ehe ein „richtiger“ Beruf folgt – die Arbeit mit Krieg hingegen bietet klassische, lebenslange Karrierewege. Oder auch gute Geschäfte.

So finde ich es unschön, auf berufliche Planung zu schauen und festzustellen, ein bisschen Friedensarbeit kann man ruhig machen, ehe das wahre Leben mit einem echten Beruf, Sozialversicherung und Planbarkeit wartet.

Viele von Ihnen werden ehrenamtliche Möglichkeiten kennen, sich für Frieden zu engagieren – in NGOs, NPOs, Vereinen, Parteien, Kirchen, transition towns, vielleicht einfach auch mit einer entsprechenden Haltung im Alltag. Wenn Sie Frieden zum Inhalt Ihres beruflichen Daseins machen möchten, wird es allerdings schwieriger. Natürlich gibt es Angestelltenstellen bei allen oben genannten Trägern – doch sind es im Verhältnis zu den Ehrenamtlichen nur sehr wenige. Auch die Tätigkeit verändert sich oft von der konkreten Hilfestellung hin zu koordinierenden, analysierenden Aufgaben und Verwaltung – aber das entspricht ja auch Ihrer Qualifikation. Weiterhin gibt es Stellen im Programm- und Fortbildungsbereich von Organisationen und Arbeitsplätze in der Friedensforschung an Universitäten, in Stiftungen und an außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie bei Bund und Ländern.

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) etwa ist ein professionelles Instrument der internationalen Friedensförderung. Seine Mitarbeiter führen Projekte durch, auch im Ausland, und natürlich die Verwaltung in der deutschen Zentrale. Angestellt werden sowohl Nachwuchskräfte, die „irgendwas mit Friedenswissenschaften“ studiert und Interesse an praxisbezogener Arbeit haben, aber auch Quereinsteigerinnen, die sich mit der zivilen Konfliktbearbeitung beschäftigen möchten. Der ZFD wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.

Nur wenige wagen den Sprung in die Selbstständigkeit. Bei der Recherche las ich von Hagen Berndt, Trainer und Berater im Bereich Konflikttransformation sowie von Dr. Achim Schmitz, der Aktionen und Workshops zur internationalen Friedensförderung durchführt. Schmitz berichtet allerdings, dass er von einem Einkommensmix lebt, d.h. seine Angebote in der Friedensarbeit allein das Einkommen nicht sichern.

Friedensarbeit kann sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene stattfinden. Ziel ist stets, gewaltsame Konflikte zu verhindern und friedliche Konfliktlösungen zu stärken. Getragen werden Friedensinitiativen häufig von einem emanzipatorischen Charakter; es geht also nicht darum, zu belehren und den Zeigefinger zu heben, sondern Unterstützung zur Selbstbefreiung, vielleicht Selbstbefriedung zu geben.

Zu den Leitfragen zählen:

  • Wie gehen wir in einer demokratischen Gesellschaft konstruktiv mit widerstrebenden Interessen um?
  • Wie können wir die humanitäre Hilfe oder die Wiederaufbaumaßnahmen in Krisengebieten so gestalten, dass Spannungen nicht verstärkt und Friedenspotentiale nicht geschwächt werden?
  • Wie kommen wir aus verfahrenen Situation heraus?

Konkrete Tätigkeiten sind

  • Beratung im Konfliktmanagement,
  • Durchführung und moderation von Strategieworkshops,
  • Evaluation von Friedensprojekten,
  • gewaltfreie Kommunikation, Zivilcourage, Konsensbildung – Durchführung von Trainings und Unterricht in Schulen, an Hochschulen, in gesellschaftlichen Einheiten
  • Erstellung von Materialien, die bei der Friedensarbeit verwendet werden können – Arbeitspapiere, Bücher, Kunst

Einsatzgebiete sind derzeit z. B.

  • Rückkehr nach Flucht
  • Terrorabwehr
  • Entwicklungshilfe
  • Bürgergesellschaft

Regionale Schwerpunkte für Friedensarbeit gibt es eigentlich nicht. Frieden beginnt auf lokale Ebene, vielleicht noch kleiner – im Konsum, in der Hausgemeinschaft, im Straßenverkehr. Wenn Sie aber nach einem Job in der Friedensarbeit suchen, dann lohnt der Blick in die politischen Zentren, denn in der Nähe von Ministerien, Regierungen oder auch Bischöfen etc. sitzen meist auch die Dachverbände, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und Zentralorgane von Friedensdiensten (siehe Liste unten).

Was sollten Sie mitbringen?

Häufig gehen Absolventen oder Interessenten von Fächern mit politischem Anschluss in den Friedensdienst: Politologen, Soziologen, Sozialwissenschaftlerinnen, weniger Absolventinnen der Philologien, geschichte oder Philosophie. Das mag daran liegen, dass die Fächer als Ergebnis einer Neigungswahl eine höhere Anschlussfähigkeit bieten und auch Erfahrungen in Pflichtpraktika für Bewerbungsverfahren relevant sein können.

Erwartet wird soziale Kompetenz, Belastbarkeit, gute Fremdsprachenkenntnisse bzw. Sprachtalent und schnelle sprachliche Auffassungsgabe, Idealismus, Konfliktfähigkeit, Ausdauer, Frust- und Ambiguitätstoleranz. In Auswahlverfahren kann es allerdings sein, dass eine starke Persönlichkeit einer Person mit vielen Zertifikaten vorgezogen wird.

Chancen

Da häufig Zeitverträge vergeben werden, ist turnusmäßig immer wieder ein Einstieg möglich, auch wenn viele Projekte bereits besetzt sind. Daraus ergibt sich logisch, dass nur wenige Stellen mit dauerhafter Perspektive zu besetzen sind.

Kees Wiebering berichtet, dass es nicht immer leicht ist, nach einem längeren Auslandsaufenthalt wieder einen Job in Deutschland zu finden, zumal einen, der Sie zufriedenstellt. Daher fordern einige Anbieter Berufserfahrung oder haben ein Mindestalter von 28 Jahren – so können Sie nach Ihrem Dienst in Ihren Primärberuf zurück. Andere Friedensdienstler arbeiten freiberuflich weiter, wieder andere gehen erneut ins Ausland und planen von einem Projekt zum nächsten.

Mein Eindruck ist, dass im Arbeitsfeld Frieden nicht mit „geregelten“, planbaren Karrieren zu rechnen ist, sondern eine hohe Flexibilität und Unwägbarkeit des eigenen Lebenslaufs ausgehalten werden müssen.

Einstiege

Der Weg in die Friedensarbeit ist zunächst einfach und führt über Ehrenamt oder Freiwilligendienst, Auslandszeit und Projekteinsatz, soziales oder ökologisches Engagement in einer Gemeinde, Praktika. Schwieriger ist die professionelle Verstetigung. Ein erster Schritt besteht meist in den Vorbereitungsseminaren, die vor konkreten Einsätzen absolviert werden müssen; auch Friedensstudien oder die Partizipation in Forschungs- und Studienprogrammen zu Frieden und Konflikt führt in diese Richtung.

Einen guten Einstieg bilden auch Programme, die NGOs oder Kirchen zur Nachwuchsförderung aufgesetzt haben und die meist ein bis zwei Jahre tätigkeitsbegleitend laufen. Auch Abschlussarbeiten oder Tätigkeiten als studentische Hilfskraft ermöglichen Vernetzung, Empfehlungen und Erfahrungssammlung.

Dann verlaufen die Wege sehr unterschiedlich. Einige bewerben sich nach meist fünf bis zehn Jahren in freiwilliger Arbeit oder Studium für Angestelltenstellen und wurden übernommen – meist allerdings in Zeitverträgen. Diese erklären, warum auf eine Angestelltenzeit häufiger eine Tätigkeit als Freiberuflerin folgt als in anderen Branchen.

Wenn Sie nicht gleich ein ganzes Studium absolvieren möchten, sondern zunächst Seminare ausreichen, finden Sie hier Angebote:

Literatur/Referenzen

Janna Lena Degener:Friedensarbeit als Beruf, in: WILA 16/2016

Association 1000 Women for the Nobel Peace Prize 2005 (Hg.): 1000 PeaceWomen Across the Globe, Zürich 2005

Ich durfte mitarbeiten am Bericht: Sophia Dykmann: Das warme Herz Afrikas. Mein Jahr in Malawi, Salzkotten 2015

Und dann wieder doch Frieden schaffen mit Waffen? Peacekeeping der BW

Aus unseren Fächern: http://historische-friedensforschung.org/

Zeitschriften:

  • Jahrbuch für historische Friedensforschung (bis 2002)/ Frieden und Krieg – Beiträge zur Historischen Friedensforschung (ab 2002)
  • Jahrbuch Friedenskultur
  • Iz3w

Einschlägige Organisationen