Im Seminar kam in der Diskussion die alte Frage nach den Berufen von und den Berufen für GeisteswissenschaftlerInnen auf.  Wie erfahren wir denn von den Berufen für GeisteswissenschaftlerInnen? Meine Antwort und Aufgabe war: Am einfachsten aus den Selbstbeschreibungsdokumenten der Studiengänge, die auf der Website der Studiengänge veröffentlicht werden: Schaut in Eure Studiengangsprofile und in die Texte der Dokumente, die rechts und links davon stehen, Modulhandbuch, vielleicht hat Euer Institut sogar eine eigene Website auf der Homepage zu beruflichen PErspektiven.  In der nächsten Sitzung gab es ratlose Gesichter: Die der Studierenden, weil sie kaum etwas fanden, meines, weil ich mir sicher war, dass sie etwas finden würden.

Ergebnis 1: Die Selbstauskunft der Fächer, welche Berufe sie als einschlägig und geeignet ansehen, ist recht dezent und unkonkret. Am besten: Lehramt, wie immer. Oder auf Seiten schauen, die es ausführlich und diskursiv machen (und dafür auch eigenes Personal haben!), etwa:

Oft bleibt es recht knapp und allgemein, hier zitiert von der Germanistik Uni Trier: „Das Studium schafft damit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufstätigkeit in all jenen Bereichen, die eine profunde sprachliche Kompetenz verlangen (Verlage, Zeitungen, Hörfunk, Medien, Pressestellen etc.), in Bildung und Lehre (Schule, Hochschule) oder in kulturfördernden Institutionen (Theater, Literaturhäuser, Museen etc.).“ Das entspricht meist dem Weltwissen der Studierenden und kann im Studium präzisiert werden. Es birgt nichts Neues, stiftet aber auch keine Verwirrung und ist nicht falsch.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt nämlich auch Selbstauskünfte, die Verwirrung stiften, wenngleich mit Mühe und in bester Absicht erstellt. Recht willkürlich – im Alphabet eben weit vorne – stieß ich auf die Beschreibung der Beruflichen Perspektiven für die Absolventen BA Geschichte an der Uni Bamberg. Ich zitiere und antworte darauf dialogisch mit meinem Studentinnen-Ich (kursiv):

„In den vergangenen Jahren ist das Interesse der Öffentlichkeit an Geschichte stetig gestiegen: Geschichtliche Ausstellungen sind gut besucht, historische Bücher stehen auf Bestsellerlisten, Blockbuster mit geschichtlichem Hintergrund lassen die Kinokassen klingeln. [Genau! Hurra! Darum will ich auch Geschichte studieren. Ich will auch historische Romane schreiben. Oder wenigstens bei einem Verlag arbeiten, der was mit historischen Romanen macht. Oder irgendwas mit Film. Wisst Ihr nichts über Games? Egal, kann ich ja fragen. Im nächsten Abschnitt beschreibt Ihr bestimmt, wie man vom Studium dahin kommt.]

Klassische Berufsfelder finden sich an Universitäten, in Archiven und Museen sowie im Bibliotheksdienst. [Oh. Wo sind jetzt die Filme und Bücher? Wie kommt ihr von den Filmen und Büchern zu Universitäten, Bibliotheken und Archiven? Die Ausstellungen, ja, die waren oben auch schon angesprochen. Gibt’s da so viele von? Hm. Naja. Ich fang erstmal an, vielleicht ergibt sich ja noch was Besseres…]

Auch stellen mittlerweile viele Unternehmen Historiker zur Aufarbeitung ihrer Archivbestände ein. [Das wusste ich gar nicht, dass es so viele Unternehmen gibt, die das machen. Außerdem muss ich mir unbedingt die Formulierung merken, für die erste Proseminar-Hausarbeit. „In der Frühen Neuzeit stellten viele Fürsten Archivare zur Aufarbeitung ihrer Archive ein.“ Oder so. Ich weiß gar nicht, was die sich alle mit den Fußnoten verrückt machen, das geht doch auch ohne Belege!]

Auch fachübergreifende Tätigkeiten sind möglich [Puh, gut. Ich finde mein zweites Fach nämlich auch wirklich interessant. Und erst diese interdisziplinären Master, die man studieren kann!], z.B.

  • als Reiseleiter [Äh, Blogger, oder was? Wer reist denn mit Reiseleiter?] oder Referent [Davon habe ich ja noch nie gehört! Das klingt sehr seriös. Darum auch die Referate im Studium! Prima. Wenn dann in der Uni Jobmesse ist, gehe ich zu den Leuten an den Stand und sage: „Hallo. Ich studiere Geschichte und will Referent werden. Geht das bei Ihnen?“ Bin gespannt.]
  • in der Weiterbildung [Jetzt will ich es aber wissen. Gebe im FAZ-Stellenmarkt „Weiterbildung“ ein. Aha: „Professorin für Medien- und Kulturtechnologie“ – ich?, „Assistenz der Abteilungsleitung“ – das kann ich nicht, „Fakultätsmanager Wirtschaftswissenschaften“ – wieso Wirtschaft?, hm, die wollen alle gar kein Geschichtsstudium als Voraussetzung. Ah, da, ganz unten: „Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung IHK Stuttgart“. O-kaaay. Die wollen nur irgendein Hochschulstudium, aber dafür „tiefgreifende Berufserfahrung“. Also hier scheine ich irgendwas nicht kapiert zu haben.]
  • im auswärtigen Dienst [Das ist doch mal was Konkretes. War eigentlich nie mein Plan, siehe oben, historische Blockbuster und Romane, aber egal. Das Auswärtige Amt hat eine Stellenbörse. Da guck ich. Oha. Sprachdozent Englisch, befristet, Sprachdozent Französisch, befristet, Teilzeit. Nee. Sachbearbeiter mit Studium Verwaltungs- oder Rechtswissenschaft. Nee. Fremdsprachenassistenten. Auch nicht. Bürofachangestellte mit Verwaltungsausbildung. Wtf? Wo sind die Stellen für die Leute, die Geschichte studiert haben? Steht doch da auf der Website!!!]

Diese beruflichen Möglichkeiten stehen auch Bachelorabsolventen offen, insbesondere, wenn neben dem Studium Zusatzqualifikationen durch Praktika oder Auslandsaufenthalte erworben wurden. [Wann soll ich das denn noch machen? Ich wollte neben dem Studium Geld verdienen und ein bisschen Bücher und Filme… Und wozu? Ich habe bislang keine Ausschreibung in den Bereichen, die Ihr nennt, gesehen, in deren Anforderungsprofil steht: B.A. Geschichte und Zusatzqualifikationen. Wahrscheinlich muss ich studieren, und irgendwann gibt es eine Veranstaltung, in der Ihr das alles hier aufklärt. Für Eingeweihte.].

Ein parallel zum Lehramtstudium erworbener Bachelor eröffnet interessante Perspektiven außerhalb des Schuldienstes.“ [Die kommen dann auch in der geheimen Veranstaltung, aber: LEHRAMT! Die Rettung. Das mache ich. Das wollte ich zwar nie, aber: sicheres Einkommen, 12 Wochen Ferien – genügend Zeit und Geld für historische Blockbuster, Romane und Games. Wer auch immer die macht – Leute, die Geschichte studiert haben, offensichtlich nicht. Es muss ein Paralleluniversum geben.]

 

Habt Ihr Beispiele aus Euren Studiengängen? Her damit!