Übung: Lebensabschnittsberufe

In persönlichen Gesprächen und Foren wird mitunter empfohlen, als Berufseinsteiger alle drei bis fünf Jahre den Job zu wechseln. Meist meint dies: den Arbeitgeber zu wechseln, und dahinter steckt eine Strategie zu höheren Positionen und besserem Einkommen. Zunehmend stellt zudem eine mangelnde emotionale Bindung an den Arbeitgeber ein Problem dar.[1]

Es gibt aber auch gute Gründe, sich beruflich grundsätzlich neu zu orientieren: bei anhaltender Unzufriedenheit und Energielosigkeit, weil die Arbeit so frustrierend ist, aber auch, weil die akademische Karriere nach sechs oder zwölf Jahren wegen des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes endet, weil die Kinderzeit einen Wiedereinstieg nur zu unmöglichen Konditionen erlaubt, weil der Arbeitgeber strukturelle Veränderungen vornimmt, weil Sie eine Weiterbildung absolviert haben und nun andere Schwerpunkte setzen, weil der Vertrag befristet ist. Sie können die Liste sicher ergänzen.

Das bedeutet, dass möglicherweise auch auf Sie irgendwann die Frage zukommt, ob Sie im einmal gewählten Job bleiben wollen, oder ob Sie den Beruf wechseln. Und da ohnehin viele Studierende vor einer Berufswahl zurückschrecken, um sich nicht festlegen zu müssen – auch auf der Grundlage von zu wenig Erfahrung und Wissen –, lohnt es sich vielleicht, den eigenen Lebenslauf mit ganz unterschiedlichen Tätigkeiten zu entwerfen.

Welche Berufe möchten Sie im Laufe Ihres Lebens ausüben? Nacheinander, gleichzeitig? Welchen Beruf möchten Sie unmittelbar nach dem Studium ausüben? Wie und was möchten Sie arbeiten, wenn die Kinder noch klein sind oder andere Care-Arbeit geleistet werden muss? Welchen Beruf möchten Sie lange ausüben, welchen nur mal ein paar Jahre?

[1] Siehe z.B. http://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx., http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/EU_labour_force_survey_ %E2%80%93_data_and_publication.

Dies ist ein Auszug aus Brotgelehrte 2. ISBN 9783943380569, 14,90€, erhältlich hier: http://eire-verlag.de/programm/brotgelehrte/ und hier: amazon und natürlich in jeder Buchhandlung über die ISBN zu bestellen.

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5. Karrieretag Uni Bonn

Das Career Center der Universität Bonn lädt am Mittwoch, den 6. Dezember 2017, von 09.30 – 20.00 Uhr zum 5. Karrieretag ins Hauptgebäude der Universität ein.

Studierende und Absolventen sowie alle, die an den Themen Karriere und Arbeitsmarkt interessiert sind, können sich in Vorträgen und an Informationsständen zu den Themen Berufsorientierung und Berufseinstieg informieren.

Das vielfältige Programm bereichern – für Studierende und Absolventen der Universität Bonn –  ein Bewerbungsmappencheck, eine Kurz-Karriereberatung, ein Coaching zum Ablauf von Vorstellungsgesprächen, ein Kompetenzcheck, ein Coaching zum Thema „Stimme im Beruf“ und eine Kurzberatung zu Fragen der selbstständigen Tätigkeit.

Den Abschluss des Karrieretags bildet eine Abendveranstaltung zum Thema „Von der Uni in die Selbstständigkeit“.

Die Teilnahme an allen Programmpunkten des Karrieretags des Career Centers ist kostenfrei. Weitere Informationen finden Sie unter www.careercenter.uni-bonn.de.

Dies ist eine Veranstaltung der Uni Bonn, auf die ich gern und kostenlos hinweise. Ich selbst bin nicht daran beteiligt. Falls Sie ähnliche Veranstaltungen haben, können Sie sie mir gern zuschicken.

Workshop TU Dresden

Liebe Leute, es geht wieder nach Dresden: Am 13./14.11. workshoppe ich beim Career Service der TU in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, und es sind wohl noch 2 Plätze frei.

Die Workshops in Dresden waren immer denkwürdig, die Teilnehmer*innen wunderbar ideen- und geschichtenreich – von Werkstudenten der Meißener Manufaktur über das Grübeln, wie ein geisteswissenschaftliches Reinigungsunternehmen aufzuziehen sei oder welche Unternehmen sich wohl für Sprachkenntnisse in Serbisch interessieren, bis hin zu solider und seriöser Textarbeit im Bereich Erotik. Insofern lohnt es sich  auch hinsichtlich der Peer.

Zur Info und Anmeldung geht es hier entlang, bitte sehr: https://tu-dresden.de/karriere/berufseinstieg/termine/Berufsfelder_und_Beschaeftigungschancen

Freiberuflichkeit

Traditionell gehört die Freiberuflichkeit zu den professionellen Optionen von GeisteswissenschaftlerInnen. Viele der Tätigkeiten, die hier im Buch und in Bd. 1[1] vorgestellt werden, werden entweder überwiegend freiberuflich (gem. §18 EstG) ausgeübt, oder es ist eine freiberufliche Variante zur üblichen angestellten Tätigkeit möglich. Um herauszufinden, was konkret freiberufliche Geisteswissenschaftler anbieten, um ihr Brot zu verdienen, habe ich auf Xing und Homepages von Freiberuflern gestöbert und mich natürlich in meinen Umfeldern umgehört. Im aktuellen zweiten Band „Brotgelehrte 2“ findet Ihr meine Auswertung aus ca. 450 Porträts von Kunsthistorikerinnen, Historiker, Germanistinnen, Publizisten, Ethnologinnen, Philosophen und Ethnologinnen.

Was waren die wichtigsten Punkte?

  • Die Fachkompetenz und eine große Nähe zu den Studienfächern spielen eine große Rolle der beruflichen Tätigkeit und auch des Erfolgs. Der ganz überwiegende Teil der Freiberufler*innen hat Experten- und keinen Generalistenstatus.
  • Dennoch leben die meisten Freiberufler*innen von einem Einkommensmix und haben in der Regel zwei bis vier Tätigkeitsschwerpunkte und Kerndienstleistungen.
  • Diese Kerndienstleistungen lassen sich grob in fachaffin, Angebote aus Talent oder Neigung und marktorientierte Zusatzkenntnisse klassifizieren. „Marktorientierte Zusatzkenntnisse“ sind eher bei älteren, erfahrenen Freiberufler*innen zu finden oder bei jungen Selbstständigen mit entsprechender Spezialisierung. Zur marktorientierten Spezialisierung gehört nicht „Grundkenntnisse Projektmanagement“, wohl aber z.B. Photoshop und Datenbankadministration für Bildarchive.
  • Die Freiberuflerinnen, deren Profile Erfolgsindikatoren aufweisen beschreiben eher, was sie tun, als das, was sie können.
  • Es gibt fachübergreifende Angebote, die eigentlich immer irgendwie vertreten sind: Lektorat, Korrektorat, PR, Social Media. Es bleibt unklar, ob dies Kerndienstleistungen sind, ob dies für eine Gründung aus der Not heraus spricht (statt einer Gründung als Chance) oder ob dies Randdienstleistungen sind.
  • Die Porträts gewannen an Profil, wenn eine gute Balance aus Wiedererkennbaren, dem klassischen Bild des Faches zuzuordnenden Dienstleistungen aufgeführt war, und diese von individuellen Spezialisierungen gerahmt wurden.

 

Mehr dazu? In Brotgelehrte 2, ISBN 9783943380569, 14,90€ (print, ab Mitte November, z.B. hier).

Bd 2

 

[1] Mareike Menne: Brotgelehrte. Andere Perspektiven für GeisteswissenschaftlerInnen, Salzkotten 2016.
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