Traditionell gehört die Freiberuflichkeit zu den professionellen Optionen von GeisteswissenschaftlerInnen. Viele der Tätigkeiten, die hier im Buch und in Bd. 1[1] vorgestellt werden, werden entweder überwiegend freiberuflich (gem. §18 EstG) ausgeübt, oder es ist eine freiberufliche Variante zur üblichen angestellten Tätigkeit möglich. Um herauszufinden, was konkret freiberufliche Geisteswissenschaftler anbieten, um ihr Brot zu verdienen, habe ich auf Xing und Homepages von Freiberuflern gestöbert und mich natürlich in meinen Umfeldern umgehört. Im aktuellen zweiten Band „Brotgelehrte 2“ findet Ihr meine Auswertung aus ca. 450 Porträts von Kunsthistorikerinnen, Historiker, Germanistinnen, Publizisten, Ethnologinnen, Philosophen und Ethnologinnen.

Was waren die wichtigsten Punkte?

  • Die Fachkompetenz und eine große Nähe zu den Studienfächern spielen eine große Rolle der beruflichen Tätigkeit und auch des Erfolgs. Der ganz überwiegende Teil der Freiberufler*innen hat Experten- und keinen Generalistenstatus.
  • Dennoch leben die meisten Freiberufler*innen von einem Einkommensmix und haben in der Regel zwei bis vier Tätigkeitsschwerpunkte und Kerndienstleistungen.
  • Diese Kerndienstleistungen lassen sich grob in fachaffin, Angebote aus Talent oder Neigung und marktorientierte Zusatzkenntnisse klassifizieren. „Marktorientierte Zusatzkenntnisse“ sind eher bei älteren, erfahrenen Freiberufler*innen zu finden oder bei jungen Selbstständigen mit entsprechender Spezialisierung. Zur marktorientierten Spezialisierung gehört nicht „Grundkenntnisse Projektmanagement“, wohl aber z.B. Photoshop und Datenbankadministration für Bildarchive.
  • Die Freiberuflerinnen, deren Profile Erfolgsindikatoren aufweisen beschreiben eher, was sie tun, als das, was sie können.
  • Es gibt fachübergreifende Angebote, die eigentlich immer irgendwie vertreten sind: Lektorat, Korrektorat, PR, Social Media. Es bleibt unklar, ob dies Kerndienstleistungen sind, ob dies für eine Gründung aus der Not heraus spricht (statt einer Gründung als Chance) oder ob dies Randdienstleistungen sind.
  • Die Porträts gewannen an Profil, wenn eine gute Balance aus Wiedererkennbaren, dem klassischen Bild des Faches zuzuordnenden Dienstleistungen aufgeführt war, und diese von individuellen Spezialisierungen gerahmt wurden.

 

Mehr dazu? In Brotgelehrte 2, ISBN 9783943380569, 14,90€ (print, ab Mitte November, z.B. hier).

Bd 2

 

[1] Mareike Menne: Brotgelehrte. Andere Perspektiven für GeisteswissenschaftlerInnen, Salzkotten 2016.
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