Es ist eine Schnapsidee, gleich zwei verwirrende weite Felder zusammenbringen zu wollen: Geistes-Kultur-Gesellschaftswissenschaftler*innen und China als Arbeitsmarkt. Aber es lohnt für alle China-Interessierten, ein wenig Wissen über mögliche Tätigkeiten und Wege anzulegen. Ausschreibungen findet Ihr z.B. bei den chinesischen Goethe-Instituten Goethe China . Und weitere Stellenbörsen für das Arbeiten in China findet Ihr auf  www.auslandsjob.de/jobs-china.php . Dort gibt es auch Tipps und Hinweise für Working Holidays im Reich der Mitte. Für das Arbeiten in China benötigen Deutsche ein Arbeitsvisum.

Für einen Einstieg in die Ausschreibungsvielfalt habe ich die Jobplattform www.sinojobs.com besucht. Heute sind über 600 offene Ausschreibungen auf der Seite, und es macht in der Tat ein bisschen Mühe, etwas zu finden, zu dem ich einen Bezug aufbauen könnte. Aber es ist möglich.

Zum einen hilft die Seite mit auswählbaren Berufsfeldern, und, siehe da: „Kunst und Kultur“, „Design, Medien und Architektur“, „Forschung und Wissenschaft“, „Medien und Information“, „Öffentlicher Dienst und Verbände“, „Schule, Universität und Weiterbildung“ klingen für viele unserer Fächer und Fachkombinationen schon mal recht affin. Setzt man unter „Berufserfahrung“ den Haken bei „ohne Berufserfahrung“, dann kommen Praktika, Tutorenstellen, Traineeprogramme. Für jene sind die Voraussetzungen wie so oft sehr unterschiedlich. Manchmal wird sehr genau vorgegeben, welches Studienfach angesprochen werden soll, z.B. „Wirtschaftssinologie“, sehr häufig bleibt der Wunsch nach einem bestimmten Fach jedoch vage (Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- oder Sprachwissenschaften) und die Motivation, Persönlichkeit und Erfahrungen der Bewerber*innen sind wichtiger. Praktikum in China? Dann spielt es eher eine Rolle, ob Sie schon dort waren, ggf. auch auf Reisen, und nicht so sehr, welche Kulturwissenschaft genau Sie gerade studieren.

Für welche Tätigkeiten werden Mitarbeiter*innen gesucht? Das Spektrum ist wirklich so breit, wie befürchtet. Gemeinsam ist ihnen der Bezug zu China und Europa bzw. die Mittlerfunktion, die zukünftige Angestellte einnehmen sollen. Es werden einerseits Spezialisten gesucht, etwa für Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie für die Sprachlehre, für das Dolmetschen und Übersetzen oder für die Redaktion und Veröffentlichung von Fachliteratur. Und andererseits Generalisten, die einen Hochschulabschluss vorweisen können und dann im Projektmanagement, im Social Media Management oder bei Reiseanbietern tätig werden und dort die erforderliche Fertigkeiten lernen. Und schließlich gibt es Praktika und Hilfstätigkeiten, die es erlauben, Erfahrung und Kontakte zu sammeln, aber keinen konkreten Berufseinstieg bedeuten. Das bedeutet für Bewerber*innen, das eigene Ziel zu kennen und das professionelle Profil daraufhin zu schärfen. Es hilft nicht viel, zu denken, ich schau mal durch die Ausschreibungen, was wohl zu mir passt.

Es gibt kulturelle Unterschiede in der Vorstellung „üblicher“ Karriereplanung. Während in Deutschland die Qualifikationen und akademisch geregelte Bildung das berufliche Profil prägen, liegt in China der Fokus eher auf der individuellen Weiterbildung und Profilierung in der beruflichen Praxis (vermutlich auch aufgrund der politischen Ausrichtung des Bildungssystems).

Wozu ich übrigens gar nichts sagen kann, aber denke, es lohnt ein bewusster Blick, ist die Situation von Frauen auf dem europäisch-chinesischen Arbeitsmarkt. In den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften ist der Frauenanteil hoch. Sowohl die Führungskultur deutscher Unternehmen als auch die traditionelle Geschlechtercodierung Chinas bedeuten aber für Frauen deutliches Engagement in der individuellen Karriereorientierung. Die Berichterstattung kennt sowohl Artikel zum Erfolg der gut ausgebildeten Frauen in China und den höheren Anteil in Führungspositionen als in Europa als auch Berichte zur Diskriminierung in Bewerbungsverfahren.

 

Informationen/Links:

https://www.goethe.de/ins/cn/de/index.html

Länderbericht China Destatis

Yasmin Mei-Yee Weiß: Strategisches Talentmanagement in China: Mitarbeiter finden und binden: Leitfaden für erfolgreiche Personalführung, Wiesbaden 22017. (Die Intention des Buches entspricht nicht unbedingt unserem Lektüreziel; ich will nicht wissen, wie ich in China Mitarbeiter finde. Aber ich erfahre in diesem Buch viel über die chinesische Arbeitskultur. Vielleicht genügt Euch auch die Vorschau des eBooks).

www.auslandsjob.de/jobs-china.php

www.chinaseite.de/studium-china/arbeitsmarkt-in-china.html

www.china9.de/kultur/arbeiten-china-arbeitsmarkt.html

www.sanet.eu/suedostasien-oder-china-fakten-zum-arbeitsmarkt/