von Julia Zarna

Während man früher in Freundschaftsbüchern unter der Rubrik Was ich später einmal werden will so etwas las wie Tierärztin, Profifußballer oder Rockstar, so liest man heute Begriffe wie Instagrammer, Youtuber oder Blogger.
Traumjob: Influencer ist das Stichwort, doch was heißt das eigentlich? Für das Nichtstun bezahlt werden? Mit einem Post leichtes Geld verdienen? Böse Zungen wurden zustimmen. Doch so einfach wie es auf den ersten Blick erscheint, ist es dann doch nicht. Und es gibt auch einiges zu beachten.
Der Influencer (zu dt.: „Beeinflusser“) ist der Meinungsmacher und Trendsetter der heutigen digitalisierten Welt. Es gehört zu seinen Aufgaben als Content Creator, Testimonial bzw. Werbegesicht ein Produkt direkt oder indirekt über seine Social-Media-Kanäle zu bewerben und dadurch eine gewisse Zielgruppe, in Form von Followern, zu erreichen. Er ist gut vernetzt und durch seine hohe Aktivität in den sozialen Medien auch in der analogen Welt bekannt. Der Beruf des Influencers hat ohne Zweifel seine Vorteile. Durch die verschiedenen Social-Media-Kanäle bietet er Abwechselung und eine Vielzahl an möglichen Plattformen. Ob nun ein Foto auf Instagram, ein Video auf YouTube oder der ganz eigene Blog, es gibt für jeden die passende Möglichkeit sich digital auszudrücken. Zu dem bietet er ein hohes Maß an Flexibilität und Selbstbestimmung.
Doch ein Post macht noch lange keinen Influencer. Wie wird man dazu? Eine anerkannte berufliche Ausbildung oder einen Studiengang gibt es nicht, und es ist auch keine Berufstätigkeit, die einen regulären Ausbildungsweg ersetzt. Gewisse Kenntnisse aus dem akademischen Bereich zum Thema Marketing, Medien- und Eventmanagement oder auch BWL Basiswissen können sowohl den Einstieg als auch die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit erleichtern. Auch bei der Themen- bzw. Nischenwahl können die persönliche Affinität und das erlernte Wissen z. B. über Kunst, Geschichte oder Literatur helfen eine vorläufige Richtung zu finden und den Aufbau eines Accounts mit bestimmter Zielgruppe erleichtern. Dieses Vorwissen ist hilfreich aber noch nicht ausreichend. Eigeninitiative lautet das Zauberwort. Man muss offen selbstbewusst, lernwillig und aktiv sein. Notwendige Kompetenzen wie richtiges Fotografieren, Programmieren und Texten müssen autodidaktisch erlernt werden. Die Suche nach Jobs bzw. Praktika innerhalb der Branche bieten Praxiserfahrung und können helfen die Abläufe näher kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Am wichtigsten ist jedoch seine Nische in der Welt der Social-Media zu finden und sein Projekt mit Leidenschaft auszuüben. Sei es nun eine Bilderreihe zum neusten Fashiontrend, ein Blogeintrag über erste Kochversuche oder die Videoanleitung zum Basteln von Angelhaken, was für eine Nische es auch ist, es ist letztendlich zweitrangig. Es ist nur wichtig, dass man mit Begeisterung, Engagement und Ausdauer dabei ist, denn der Job des Influencers ist vor allem arbeitsaufwendig und zeitintensiv. Ca. 47% der professionellen Influencer posten 1-3 mal täglich. Eine stetige, kontinuierliche, mediale Präsenz ist also notwendig.
Mittlerweile gibt es eine Influencer Marketing Akademie in Berlin, die Workshops für angehende Influencer und Unternehmen anbietet, die mit Influencern werben möchten. Bereits jetzt machen die Influencer ca. 7% des Marketingmixes aus, Tendenz steigend. Anfragen von potenziellen Auftraggebern bekommt man entweder aufgrund einer gewissen Followerbase oder in dem man selbst Kunden- und Auftragsakquise betreibt. Vorab sollte man sich über das Unternehmen und mögliche Kampagnen informieren, sowie konkrete Ideen zur Zusammenarbeit haben. Für ein optimales Auftreten empfehlen die Profis ein Mediakit, eine PFD-Datei oder Präsentation, die alle Vorzüge, Zahlen sowie die Angabe der Reichweite enthält. Inzwischen gibt es auch Agenturen, die Unternehmen mit dem passenden Influencer zusammenbringen. Ähnlich der traditionellen Medien wie Print und TV gibt es auch hier regionale Schwerpunkte. Die größten Agenturen wie Pulse Advertising, Incircles, Reachhero oder Lucky Shareman befinden sich in Hamburg und Berlin, aber auch in NRW gibt es große Agenturen wie Tubvertise (Köln), WelovethShare (Bonn) oder Earnesto (Düsseldorf).
Diese und andere Agenturen können eine Starthilfe sein und wichtige Kontakte zur Verfügung stellen. Eine gute Vernetzung garantiert den meisten Erfolg. Daher ist ständiges Networking on und offline ein Muss für alle Influencer, insbesondere für Selbstständige. Blog-Netzwerke oder Like-Gruppen sind informelle Organisationen, die sich gegenseitig pushen und unterstützen. Auch die jährliche Social Media Conference, die vom 18.-19.10.2018 in Hamburg stattfindet, bietet eine gute Plattform für Austausch und Kommunikation.
Doch hat man als Neuling überhaupt noch eine Chance in diesem übersättigten Markt? Die Branche hat ihre Anfangsphase überwunden und es gibt zahlreiche große Fische in einem Meer aus Influencern. Es ist wichtig, zu berücksichtigen, dass der Influencer ein Beruf ist, der sich über Monate bzw. Jahre entwickelt und aufbaut und kein regelmäßiges Einkommen garantiert. Allerdings hat man als beachtetes und geschätztes Mitglied der Community bereits ab 1000 Followern die Chance, als Testimonial interessant zu sein. Mirko- und Medi-Influencer (10 000-100 000 Follower) werden für Unternehmen und deren Kampagnen immer interessanter. Die Devise lautet: Wenige aber die richtigen Leute erreichen und so Verkäufe generieren.
Influencer vermitteln ihren Followern eine gewisse Nähe bzw. Nahbarkeit, wodurch auch eine gewisse Glaubwürdigkeit entsteht. Und diese Glaubwürdigkeit und Authentizität ist das höchste Gut eines Influencers.

Referenz:
https://morethandigital.info/influencer-marketing-erklaert/ (23.08.2018 16:53Uhr)
https://www.influencer-blog.com/neuer-beruf-influencer-boyfriend-530(23.08.2018 16:53Uhr)
https://meedia.de/2017/10/11/trend-beruf-influencer-mit-diesem-job-lassen-sich-ueber-100-000-euro-verdienen-pro-posting/(23.08.2018 16:54Uhr)
https://www.wuv.de/specials/influencer_marketing/who_s_who_die_groessten_player_im_influencer_marketing (23.08.2018 16:54Uhr)
https://influencermarketingacademy.de/ (23.08.2018 16:55Uhr)
https://www.wiwo.de/erfolg/trends/nicht-nackig-genug-der-schwere-weg-zum-social-media-star/19819542-all.html(23.08.2018 16:56Uhr)
Marie Luise Ritter: Follow me! Machen, was man liebt und Geld damit verdienen- so wirst man Influencer. 1. Aufl. München: Redline 2018.