In einem der vergangenen Workshops war ich mit einer vollkommen neuen Situation konfrontiert: Obwohl MA- und BA-Studierende adressiert waren, hatte ich eine Gruppe, in der alle mit dem Ziel Master of Education eingeschrieben waren. Und um mich vollständig aus dem Konzept zu bringen, antworteten auch alle auf die Frage, welches ihr berufliches Ziel sei: Lehrer*in an einer staatlichen Schule. Was also wollten sie in einem Workshop, der sich um berufliche Gestaltungsmöglichkeiten und Entscheidungsgrundlagen, um die Vielfalt der fachnahen Betätigung in der Freiberuflichkeit, um neue Formen des Gründens drehte?

Ich erwischte mich dabei, dass ich die Lehramt-Minderheit in anderen Seminaren immer etwas abgetan hatte mit „Für Sie ist ja eigentlich alles klar, aber Alternativen schaden ja nicht.“ In diesem Workshop nun lernte ich, dass es damit nicht getan ist, sondern dass Studierende mit dem Berufsziel Lehramt eigene Fragen zur Karriereplanung und beruflichen Profilierung mitbringen. Sie ließen sich für die Veranstaltung in drei große Kategorien fassen, und ich stellte Konzept und Ablauf daraufhin um:

  1. Welche Karrieren und Spielräume für individuelle Gestaltung gibt es im Lehramt?
  2. Welche beruflichen Alternativen gibt es zum Lehramt an staatlichen Schulen, für die der MEdu eine passende Qualifikation ist?
  3. Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es neben dem/parallel zum Lehramt?

(Stichwortartige Antworten s.u.)

Wir kamen darüber hinaus zu weiteren Fragen, die den Charakter der Tätigkeit und die Relevanz der Fachlehre in den Blick nahm:

  • Ist Ihnen fachliche Tiefe wichtig? Oder Prozess- und Personalverantwortung samt Managementtätigkeiten und Netzwerkarbeit? Oder blühen Sie auf, wenn Sie soziale und didaktische Aufgaben übernehmen? Wie würden sich idealerweise diese unterschiedlichen Arbeitsanteile in Ihrem Profil wiederfinden?
  • Wie beschreiben Sie Ihre fachliche Identität? Welche Bedeutung hat Ihr Fach?
    Der Workshop war der Lehreinheit Geschichtswissenschaft zugeordnet. An der Uni, an der er stattfand, war Geschichte als MA-Fach nur mit anderen Fächern der kulturwissenschaftlichen Fakultät zu kombinieren. Im Studiengang MEdu ist das anders: Das zweite Fach war Sport, Mathe, Physik, Pädagogik – frei über alle Fakultätsgrenzen hinweg. Die Relevanz der Kultur- oder Geisteswissenschaften war viel weniger hoch als in Veranstaltungen für Masterstudierende. Die Frage, welche Rolle das Fach und dessen Inhalte für die berufliche Praxis spielten, entsprechend weniger emotional besetzt – sie wird im Zweifel auch vom Curriculum beantwortet. Wie wichtig also ist ein fachwissenschaftliches Selbstkonzept für das eigene Lehrprofil?
  • Welche spezifischen Fort- und Weiterbildungen gibt es, und wie sind diese Maßnahmen der Laufbahn zugeordnet?

Neue Inhalte, tiefe Reflexionsphasen und Diskussionen – der Workshop war eine willkommene Erweiterung. Da das Arbeitsmaterial vielleicht auch für  Leser*innen außerhalb dieser Veranstaltung interessant sein könnte, wird es in den kommenden Wochen aufbereitet und publiziert. Als unkommentierte Liste finden Sie hier vorab erste Antworten auf die drei inhaltlichen Fragen:

Welche Karrieren und Spielräume für individuelle Gestaltung bieten sich im Lehramt?
Einen ersten Überblick finden Sie hier (bitte beachten Sie, dass Sie ggf. die Regelungen für Ihr Bundesland gesondert recherchieren müssen): https://www.tresselt.de/befoerderung/, darunter

  • Abteilungsleitung (nach mind. 4 Jahren),
  • Schulmanagement/Schulleitung (Info auch hier),
  • Funktionsstellen,
  • Koordinationsstellen.

Weiterhin z.B.

Welche beruflichen Alternativen gibt es zum Lehramt an staatlichen Schulen, für die der MEdu eine passende Qualifikation ist? – „Eine passende Qualifikation“ impliziert, dass in der Regel Zusatzqualifikationen oder Berufserfahrung vorgeschrieben oder üblich sind, z.B.

  • Lehrerin an Ersatz- und Privatschulen,
  • wissenschaftliche Laufbahn an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen,
  • Bildungsreferent (Eintrag auf Berufenet),
  • Schulaufsicht, staatliche Schulberatung (Schulberatung Bayern), Gleichstellung (Schulministerium NRW),
  • Fachleiter *in am  Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (Praxiserfahrung),
  • Dozentin in der (fachbezogenen) Erwachsenenbildung (Eintrag auf Berufenet),
  • Redakteur/Lektorin/Verlagstätigkeit für Lehrmittel,
  • Bildungsarbeit mit Senioren,
  • Bildungssozialarbeit, Schulsozialarbeit,
  • Lerncoach, Lernberaterin, Lerntherapeut,
  • Coaching, Unternehmensberatung, Training (Eintrag auf Berufenet),
  • Inklusionsfachberatung,
  • pädagogische Mitarbeiterinnen an Museen, Gedenkstätten, außerschulischen Lernorten, Archiven, parlamentarischen Einrichtungen,
  • Tätigkeiten im Auslandsschulwesen und Auslandsbildungsarbeit,
  • Akkreditierung und Zertifizierung (Qualitätsmanagement),
  • eLearning- und blended-Learning-Tätigkeiten,
  • Sprachschulen, Nachhilfeinstitute, Sport-, Gesundheits- und Musikschulen (Fremdsprachenlehrer auf Berufenet),
  • hauptamtliche Tätigkeit im Lehrerverband (Kultusministerium Bayern),
  • Tätigkeit in Stiftungen zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung, Schulpreis,
  • Gründung eigener Schulen, Akademien, Institute, Lernangebote, auch online.

Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es neben dem/parallel zum Lehramt? – Ich kenne eine Reihe von Lehrer*innen, deren Lehramt ihnen Standbein ist, zu dem sich ein Spielbein gesellt, meist auf der Grundlage eines verringerten Deputats oder einer Beurlaubung. Dazu können Tätigkeiten gehören, die schon unter 2. gelistet sind. Weiterhin sind mir persönlich begegnet:

  • Fach- und Lehrbuchautoren, Belletristikautorinnen,
  • Leistungssportlerinnen,
  • Schauspieler, Musikerinnen, Künstler,
  • Coaches, Trainer, Yogalehrerinnen,
  • Wissenschaft (teils mittels Abordnungsstelle), Gutachter,
  • Testentwickler,
  • kirchliche Ämter und Tätigkeiten,
  • vorübergehende Tätigkeit in internationalen Organisationen, Fraktionen und Parteien,
  • Unternehmensgründung.
    Wealth mit Paeonie

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