Jobguide OWL

Wusstet Ihr, dass mehr als 3000 Absolvent*innen pro Jahr an den Universitäten Paderborn und Bielefeld aus den Geistes- und Kulturwissenschaften hervorgehen? Falls Ihr nicht selbst als Geistes- oder Kulturwissenschaftler auf diese Seite gekommen seind: Das sind jene Disziplinen, deren Absolventen von Beginn an mit der Frage konfrontiert werden, was man denn damit machen könne (außer Lehrer werden).

In Ostwestfalen-Lippe haben wir darauf leider nicht sehr viele Antworten. Für einen Aufsatz in den Paderborner Historischen Mitteilungen (30/2017) wertete ich die Absolventenstudien der letzten Jahre aus. Dabei erschrak ich zugleich über das geringe Wissen, das wir über den beruflichen Verbleib unserer Absolvent*innen haben, als auch über die wenigen (und oft unmotivierten) Informationsmöglichkeiten, die hohe regionale Abwanderungsquote (mehr als 60%) und die geringe Berufszufriedenheit.

Nun können wir nicht Wunder wirken und Arbeitsplätze schaffen, die es bislang nicht gab. Aber wir können die Arbeitsmärkte für Absolvent*innen besser sichtbar machen, damit wir nicht in jedem Semester bei Null starten, wenn die Frage im Raum steht, wo denn ein Praktikum absolviert werden könnte oder wo Einstiegsmöglichkeiten bestehen. Und darum schreiben wir einen „Jobguide OWL“. „Wir“ – denn es gibt viele Menschen in OWL, die ihr Wissen beisteuern können und wollen. Den Anfang haben im Sommersemester 2017 10 Studentinnen aus Paderborn gemacht, die Datenblätter zu Unternehmen und Institutionen erstellten, in denen Geisteswissenschaftler*innen beschäftigt sind oder Ausschreibungen liefen sowie zu Unternehmen und Institutionen, die als Praktikumsgeber oder Netzwerkpartner zur Verfügung stehen. Die großen Namen sind sicher auch überregional bekannt: Bertelsmann oder das Erzbistum Paderborn. Da aber viele Absolventen schließlich bei Arbeitgebern landen, deren Namen sie im Studium nie gehört haben, wollen wir mit dem Jobguide helfen, Arbeitgeber und auch Branchen früher zu identifzieren, um sich besser vorbereiten zu können.

Und jetzt – seid Ihr gefragt. Bitte versorgt die studentische Redaktion des Jobguide und mich mit Informationen über Arbeit- oder Praktikumsgeber. Schildert uns Eure Laufbahn, wenn Ihr Alumni seid. Stellt den Kontakt zwischen uns und Ansprechpartnern in Unternehmen, in der Verwaltung oder in Hochschulen her, damit möglichst viele partizipieren und profitieren können. Beiträger erhalten die vollständige PDF kostenlos. Alle anderen werden den Jobguide OWL im Buchhandel kaufen können. Und hoffentlich bestellen auch die Bibliotheken ;-).

So entsteht zum Herbst 2018 ein Buch, bestehend aus

  • Adressen
  • Netzwerke
  • Arbeitsmarkt OWL – ein Überblick
  • Praktika als Teil der Berufseinstiegsstrategie
  • Selbstständigkeit und Freiberuflichkeit als Option für Geisteswissenschaftler*innen in OWL
  • Übungen

Für Informationen und Input kontaktiert Mareike: mm @ mareikemenne.de.

Jobguide OWL

 

Was kann man denn damit werden? – Selbstauskunft der Fächer

Im Seminar kam in der Diskussion die alte Frage nach den Berufen von und den Berufen für GeisteswissenschaftlerInnen auf.  Wie erfahren wir denn von den Berufen für GeisteswissenschaftlerInnen? Meine Antwort und Aufgabe war: Am einfachsten aus den Selbstbeschreibungsdokumenten der Studiengänge, die auf der Website der Studiengänge veröffentlicht werden: Schaut in Eure Studiengangsprofile und in die Texte der Dokumente, die rechts und links davon stehen, Modulhandbuch, vielleicht hat Euer Institut sogar eine eigene Website auf der Homepage zu beruflichen PErspektiven.  In der nächsten Sitzung gab es ratlose Gesichter: Die der Studierenden, weil sie kaum etwas fanden, meines, weil ich mir sicher war, dass sie etwas finden würden.

Ergebnis 1: Die Selbstauskunft der Fächer, welche Berufe sie als einschlägig und geeignet ansehen, ist recht dezent und unkonkret. Am besten: Lehramt, wie immer. Oder auf Seiten schauen, die es ausführlich und diskursiv machen (und dafür auch eigenes Personal haben!), etwa:

Oft bleibt es recht knapp und allgemein, hier zitiert von der Germanistik Uni Trier: „Das Studium schafft damit die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufstätigkeit in all jenen Bereichen, die eine profunde sprachliche Kompetenz verlangen (Verlage, Zeitungen, Hörfunk, Medien, Pressestellen etc.), in Bildung und Lehre (Schule, Hochschule) oder in kulturfördernden Institutionen (Theater, Literaturhäuser, Museen etc.).“ Das entspricht meist dem Weltwissen der Studierenden und kann im Studium präzisiert werden. Es birgt nichts Neues, stiftet aber auch keine Verwirrung und ist nicht falsch.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt nämlich auch Selbstauskünfte, die Verwirrung stiften, wenngleich mit Mühe und in bester Absicht erstellt. Recht willkürlich – im Alphabet eben weit vorne – stieß ich auf die Beschreibung der Beruflichen Perspektiven für die Absolventen BA Geschichte an der Uni Bamberg. Ich zitiere und antworte darauf dialogisch mit meinem Studentinnen-Ich (kursiv):

„In den vergangenen Jahren ist das Interesse der Öffentlichkeit an Geschichte stetig gestiegen: Geschichtliche Ausstellungen sind gut besucht, historische Bücher stehen auf Bestsellerlisten, Blockbuster mit geschichtlichem Hintergrund lassen die Kinokassen klingeln. [Genau! Hurra! Darum will ich auch Geschichte studieren. Ich will auch historische Romane schreiben. Oder wenigstens bei einem Verlag arbeiten, der was mit historischen Romanen macht. Oder irgendwas mit Film. Wisst Ihr nichts über Games? Egal, kann ich ja fragen. Im nächsten Abschnitt beschreibt Ihr bestimmt, wie man vom Studium dahin kommt.]

Klassische Berufsfelder finden sich an Universitäten, in Archiven und Museen sowie im Bibliotheksdienst. [Oh. Wo sind jetzt die Filme und Bücher? Wie kommt ihr von den Filmen und Büchern zu Universitäten, Bibliotheken und Archiven? Die Ausstellungen, ja, die waren oben auch schon angesprochen. Gibt’s da so viele von? Hm. Naja. Ich fang erstmal an, vielleicht ergibt sich ja noch was Besseres…]

Auch stellen mittlerweile viele Unternehmen Historiker zur Aufarbeitung ihrer Archivbestände ein. [Das wusste ich gar nicht, dass es so viele Unternehmen gibt, die das machen. Außerdem muss ich mir unbedingt die Formulierung merken, für die erste Proseminar-Hausarbeit. „In der Frühen Neuzeit stellten viele Fürsten Archivare zur Aufarbeitung ihrer Archive ein.“ Oder so. Ich weiß gar nicht, was die sich alle mit den Fußnoten verrückt machen, das geht doch auch ohne Belege!]

Auch fachübergreifende Tätigkeiten sind möglich [Puh, gut. Ich finde mein zweites Fach nämlich auch wirklich interessant. Und erst diese interdisziplinären Master, die man studieren kann!], z.B.

  • als Reiseleiter [Äh, Blogger, oder was? Wer reist denn mit Reiseleiter?] oder Referent [Davon habe ich ja noch nie gehört! Das klingt sehr seriös. Darum auch die Referate im Studium! Prima. Wenn dann in der Uni Jobmesse ist, gehe ich zu den Leuten an den Stand und sage: „Hallo. Ich studiere Geschichte und will Referent werden. Geht das bei Ihnen?“ Bin gespannt.]
  • in der Weiterbildung [Jetzt will ich es aber wissen. Gebe im FAZ-Stellenmarkt „Weiterbildung“ ein. Aha: „Professorin für Medien- und Kulturtechnologie“ – ich?, „Assistenz der Abteilungsleitung“ – das kann ich nicht, „Fakultätsmanager Wirtschaftswissenschaften“ – wieso Wirtschaft?, hm, die wollen alle gar kein Geschichtsstudium als Voraussetzung. Ah, da, ganz unten: „Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung IHK Stuttgart“. O-kaaay. Die wollen nur irgendein Hochschulstudium, aber dafür „tiefgreifende Berufserfahrung“. Also hier scheine ich irgendwas nicht kapiert zu haben.]
  • im auswärtigen Dienst [Das ist doch mal was Konkretes. War eigentlich nie mein Plan, siehe oben, historische Blockbuster und Romane, aber egal. Das Auswärtige Amt hat eine Stellenbörse. Da guck ich. Oha. Sprachdozent Englisch, befristet, Sprachdozent Französisch, befristet, Teilzeit. Nee. Sachbearbeiter mit Studium Verwaltungs- oder Rechtswissenschaft. Nee. Fremdsprachenassistenten. Auch nicht. Bürofachangestellte mit Verwaltungsausbildung. Wtf? Wo sind die Stellen für die Leute, die Geschichte studiert haben? Steht doch da auf der Website!!!]

Diese beruflichen Möglichkeiten stehen auch Bachelorabsolventen offen, insbesondere, wenn neben dem Studium Zusatzqualifikationen durch Praktika oder Auslandsaufenthalte erworben wurden. [Wann soll ich das denn noch machen? Ich wollte neben dem Studium Geld verdienen und ein bisschen Bücher und Filme… Und wozu? Ich habe bislang keine Ausschreibung in den Bereichen, die Ihr nennt, gesehen, in deren Anforderungsprofil steht: B.A. Geschichte und Zusatzqualifikationen. Wahrscheinlich muss ich studieren, und irgendwann gibt es eine Veranstaltung, in der Ihr das alles hier aufklärt. Für Eingeweihte.].

Ein parallel zum Lehramtstudium erworbener Bachelor eröffnet interessante Perspektiven außerhalb des Schuldienstes.“ [Die kommen dann auch in der geheimen Veranstaltung, aber: LEHRAMT! Die Rettung. Das mache ich. Das wollte ich zwar nie, aber: sicheres Einkommen, 12 Wochen Ferien – genügend Zeit und Geld für historische Blockbuster, Romane und Games. Wer auch immer die macht – Leute, die Geschichte studiert haben, offensichtlich nicht. Es muss ein Paralleluniversum geben.]

 

Habt Ihr Beispiele aus Euren Studiengängen? Her damit!

 

 

 

 

Shop Girl – Kulturwissenschaftlerin gründete einen Laden für vegane und nachhaltige Kleidung

Seit Wochen schlich ich um das Buch

Tina Schneider-Rading/Ulrike Schacht: Shop Girls. 28 Frauen und der Traum vom eigenen Laden, München 2017

herum – es enthält Porträts von Unternehmerinnen, Blogempfehlungen, DIY-Tipps, Gründungserfahrungen -, gestern fand ich es im Laden einer dort nicht porträtierten Dame und kaufte es endlich ein. Natürlich, um für eine kleine Weile in einem ungelebten Traum zu schwelgen. Aber auch, weil ich wissen wollte, ob Kommilitoninnen darin porträtiert waren. Und ich wurde fündig (S. 88-95):

Christina, Gründerin von loveco, studierte „Materielle Kultur: Textil“ in Oldenburg. In ihrem Laden in Berlin und im online-Shop bietet sie seit 2014 eco-Fashion – faire und vegane Ökomode, die eingebunden ist in ihr Konzept von nachhaltigem Shopping. In dem Buchbeitrag ist beschrieben, welche Unterstützung sie sich holte und wie sie vom Studium zum Geschäft kam: Materielle Kultur + Nebenjob in einem Laden für Ökomode + Ehrenamt bei Greenpeace + Interesse an Mode + Haltung zu nachhaltigem Konsum + Unterstützung bei Businessplan, Marketing; Aushilfen. Denken wir also kulturwissenschaftliche berufliche Praxis ganzheitlich und integrativ – was das Fach in seinem theoretischen Anspruch schließlich auch ist.

Das Buch will Frauen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das sollte natürlich auch unser Anspruch in den Hochschulen sein.

Interview mit Tina Schneider-Rading zum Buch: https://www.callwey.de/tina-schneider-rading/

25 Jahre Artes Liberales in Mannheim

Auf ein ganz besonderes Jubiläum darf ich heute aufmerksam machen: der Förderverein Artes Liberales e.V. für Geistes- und Sozialwissenschaftler an der Universität Mannheim feiert sein 25jähriges Bestehen. Den Festvortrag hielt Dr. Simone Burel („Karriere mit Geist?“), die selbst eine Agentur für Linguistische Unternehmenskommunikation in Mannheim gründete.

Die Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften engagieren sich für neue Impulse zur Förderung der Transfers zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur – und damit auch für den Transfer vom Studium in das Berufsleben. Der Verein initiierte 1994 das erste Mannheimer Sprachfestival. Seit 15 Jahren vergibt Artes Liberales gemeinsam mit der Stiftung ABSOLVENTUM einen Förderpreis für geisteswissenschaftliche Arbeiten. Eines der Kriterien für die Preiswürdigkeit ist eine Leistung zum Praxistransfer – wohlgemerkt: für geisteswissenschaftliche Arbeiten! Das setzt ja den Gedanken voraus, dass man eine Vorstellung von Praxis hat, und das ist schon nicht selbstverständlich.

Heute gehören selbst und in Kooperation organisierte Workshops, Vortragsreihen, Kulturveranstaltungen und Netzwerkarbeit zu den Angeboten – schaut einmal rein unter http://artes-liberales-ev.de/ Für die Brotgelehrten unter Euch ist vor allem die Reihe „Wohin denn ich?“ interessant; auch, wenn Ihr nicht für einen Vortag eigens nach Mannheim fahren wollt oder könnt, zeigt die Berufsbezeichnung der ReferentInnen, welche professionellen Praktiken möglich sind und bei welchen Arbeitgebern sie tätig wurden.

Ein solch anspruchsvolles Angebot über so lange Jahre aufrechtzuerhalten und auszubauen funktioniert dank eines guten Teams und Netzwerks:

„Dass dieses Erfolgsrezept tatsächlich aufgeht, ist dem Engagement unserer Mitglieder, unserem Kuratorium sowie dem Wissenschaftlichen Beirat zu verdanken. Wesentlich für die Entwicklung von Artes Liberales waren auch Partner und Förderer: Wir sind mit dem Dekanat der Philosophischen Fakultät, ABSOLVENTUM, der Esser-Stiftung sowie der Marion-Würth-Stiftung eng verbunden“, erläutert Annika Walter, zweite Vorsitzende des Vereins.

Zur Nachahmung empfohlen! Und natürlich: Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren!

AL