Kleider machen Jobs

Ich begab mich auf die Suche nach möglichst aktuellen und innovativen Tipps für das perfekte Bewerbungsoutfit für Geisteswissenschaftler*innen. Am Ende meiner Recherchezeit musste ich feststellen: Es gibt nichts Neues zu berichten. Die Empfehlungen haben sich im Gegensatz zur kurzlebigen Mode seit Jahren nicht wesentlich verändert. Sie enthalten Klischees, Zwänge und Einheitsbrei. Auf unzähligen Seiten fanden sich die immer gleichen Tipps. Neben den allgemeinen Hygienevorschriften, dass man möglichst gepflegt, gebügelt und gestriegelt zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen sollte, versuchte man den unsicheren Bewerber noch etwas mehr zu verwirren, indem man ihm mit Begriffen wie Business, Business-Casual, Creative-Casual und dem Casual-Friday seine Unzulänglichkeiten im Bereich Mode aufzeigte.

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Shop Girl – Kulturwissenschaftlerin gründete einen Laden für vegane und nachhaltige Kleidung

Seit Wochen schlich ich um das Buch

Tina Schneider-Rading/Ulrike Schacht: Shop Girls. 28 Frauen und der Traum vom eigenen Laden, München 2017

herum – es enthält Porträts von Unternehmerinnen, Blogempfehlungen, DIY-Tipps, Gründungserfahrungen -, gestern fand ich es im Laden einer dort nicht porträtierten Dame und kaufte es endlich ein. Natürlich, um für eine kleine Weile in einem ungelebten Traum zu schwelgen. Aber auch, weil ich wissen wollte, ob Kommilitoninnen darin porträtiert waren. Und ich wurde fündig (S. 88-95):

Christina, Gründerin von loveco, studierte „Materielle Kultur: Textil“ in Oldenburg. In ihrem Laden in Berlin und im online-Shop bietet sie seit 2014 eco-Fashion – faire und vegane Ökomode, die eingebunden ist in ihr Konzept von nachhaltigem Shopping. In dem Buchbeitrag ist beschrieben, welche Unterstützung sie sich holte und wie sie vom Studium zum Geschäft kam: Materielle Kultur + Nebenjob in einem Laden für Ökomode + Ehrenamt bei Greenpeace + Interesse an Mode + Haltung zu nachhaltigem Konsum + Unterstützung bei Businessplan, Marketing; Aushilfen. Denken wir also kulturwissenschaftliche berufliche Praxis ganzheitlich und integrativ – was das Fach in seinem theoretischen Anspruch schließlich auch ist.

Das Buch will Frauen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das sollte natürlich auch unser Anspruch in den Hochschulen sein.

Interview mit Tina Schneider-Rading zum Buch: https://www.callwey.de/tina-schneider-rading/

Community: 80,000 Hours

Haben Sie schon William MacAskills „Gutes besser tun“ (Berlin 2016) gelesen? Es lohnt sich, wenn Sie darüber nachdenken, was Kriterien für sinnvolles und nachhaltiges Helfen sind. Sollen Sie das Geld, das Sie spenden können, besser für ein Projekt einsetzen, das Wurmkuren oder das Wasserpumpen in Afrika fördert? Ist es sinnvoller, eine Patenschaft für ein Kind in der Nachbarschaft zu übernehmen oder eine für ein Kind in einem Krisengebiet? Ist mein Altruismus effektiv, oder dient er vorwiegend meiner eigenen Identität? MacAskill diskutiert und entwickelt anhand von fünf Schlüsselfragen das Konzept des effektiven Atruismus.

Und er stellt in dem Buch auch Berufe vor, in denen man „am meisten bewegen“ kann (Kapitel 9). Da ein effektiver Altruist natürlich handlungs- und nicht allein publikationsorientiert ist, ließ MacAskill Taten folgen und gründete das Projekt/ die Mission „80,000 Hours“ – die Zahl an Stunden, die wir in unserem Leben unseren Beruf ausüben.  In Fortführung des Buches also stellt sich die Frage, welcht Tätigkeit wir wählen, wie wir unseren Beruf gestalten können, damit wir damit die größt- und bestmögliche Wirkung für die Gesellschaft erzielen. Zielgruppe: „We’re focusing on giving advice to talented and ambitious graduates in their twenties.“ Das Projekt wird allein von Privatspenden getragen, so dass die Angebote kostenlos sind.

Hier geht es zum Stellenmarkt (international – Deutschland ist hier Entwicklungsgebiet) https://80000hours.org/job-board/

Und hier zu den Studierendengruppen; die nächste ist in Genf, aber auf der Seite ist die Einladung zur Gründung neuer Gruppen: https://80000hours.org/student-groups/

 

Working for Love

von Isabel Steinbach

Deutschland ist Single – seit zwanzig Jahren steigt die Anzahl der alleinstehenden Deutschen immer mehr. Davon profitiert vor allem der Markt für Partnervermittlungen und Single-Börsen. Jährlich werden Millionen Umsätze im Geschäft mit der Liebe gemacht. Doch wie kommt man in diese Branche? Und welche Berufsmöglichkeiten gibt es überhaupt? Und zwar für GeisteswissenschaftlerInnen?

Rechtliche Voraussetzungen:

Zur Gründung eines Ehe- bzw. Partnervermittlungsinstitutes bedarf es keiner besonderen Erlaubnis. Die Vermittlung von Singles wird als Maklertätigkeit verstanden. Die Zuverlässigkeit des Gewerbetreibenden wird allerdings stärker durch Gewerbe- und Ordnungsamt überwacht, weil die Kunden langfristig an das Unternehmen gebunden sind und meist eine hohe Vorauszahlung leisten müssen. Ein Escort-Service fällt nicht unter diese Kategorie, da die Begleitperson nur für eine gewisse Zeit zur Verfügung steht. Genauso wenig wie die reine Förderung der Partnersuche, wie das Schalten von Zeitungsannoncen.

Welche Tätigkeiten gibt es?

Die Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt, dadurch eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten.

Der Partnervermittler, Dating-Coach oder Single-Headhunter, hilft Personen auf Partnersuche sich gegenseitig zu finden. Er geht dabei eine Beratungstätigkeit ein, indem er ein persönliches Profil der Kunden anlegt, um den richtigen Partner für ihn zu ermitteln. In diesem Prozess führt er viele Gespräche, schaltet Annoncen und pflegt seinen Datenpool an potenziellen Partnern. Der Service kann dahingehend erweitert werden, dass der Kunde auch auf das Date vorbereitet wird, zum Beispiel durch ein Umstyling. – In Onlinepartnerbörsen führt der Vermittler eher die Aufgaben eines Marketingmitarbeiters durch und muss neue potenzielle Singles durch Werbung gewinnen. GeisteswissenschaftlerInnen sind hierfür besonders durch ihre Fähigkeiten in der Textarbeit und ihrem Wissen in der Recherchearbeit geeignet.

In dem Moment wo es nach dem Onlinedating an die Kommunikation im „Real Life“ geht, kommt der Flirt-Coach ins Spiel. Dieser soll dem Kunden dabei helfen, bei seinem Herzenspartner richtig anzukommen. Dabei sollen schüchterne Menschen zu neuem Selbstvertrauen finden und lernen andere anzusprechen und ihre Körpersprache richtig einzusetzen. Wichtig hierbei sind besonders gute rhetorische Fähigkeiten und die richtige Ausdrucksweise, wofür Kulturwissenschaftler besonders prädestiniert sind.

Für Seitensprünge und Untreue gibt es die Alibi-Profis oder Seitensprungagenturen. Hier werden SeitensprungpartnerInnen gefunden, das Treffen organisiert und mit einem perfekten Alibi gesichert. Die Tätigkeiten in diesem Bereich sind vielfältig, entweder wie im Fall der Onlinepartnervermittlung, dass Werbung und Anzeigen geschaltet werden müssen, oder, dass sogar schauspielerisches Talent gefragt wird, um das richtige Alibi zu geben. Wenn einem die eigenen Moralvorstellungen nicht im Weg sind, könnte dieser Bereiche vor allem für Germanisten oder Theaterwissenschaftler interessant sein.

Für wen wird gearbeitet?

Viele große Partnervermittlungen arbeiten mit dem Franchise –System,- dafür braucht man allerdings eine große Menge Eigenkapital. Es gibt aber auch einige Stellenangebote oder man arbeitet freiberuflich. Positiv ist, dass die Zielgruppe sehr groß und breitgefächert ist. Die Branche ist auf keine Alters- (zumindest im legalen Bereich) oder Einkommensgruppe beschränkt. Dabei wird man von Einzelpersonen oder Kleingruppen engagiert, je nachdem worauf man sich spezialisiert.

Welche Kompetenzen und Fähigkeiten sollte man mitbringen?

Zum einen sollte man gerne mit Menschen arbeiten und auch Menschenkenntnis besitzen. Man sollte keine Scheu davor haben, fremde Leute anzusprechen und viel zu telefonieren, um Kunden zu gewinnen. Dabei ist wichtig, dass man über Charisma verfügt und auch ein gewisses rhetorisches Geschick besitzt. Allerdings hilft auch Einfühlungsvermögen unbedingt weiter. Darüber hinaus sollte man recherchieren können und einen Blick fürs Detail haben. Im Onlinebereich sollte eine gewisse Technikaffinität vorhanden sein, sowie Kenntnisse in Marketing und Werbung.

Flirt-Coach für Flüchtlinge?

Ein ganz neues Tätigkeitsfeld eröffnete Horst Wenzel, der bekannteste Flirt-Coach Deutschlands. Er bot für männliche Flüchtlinge einen Workshop an, in dem sie etwas über das Flirten und Beziehungen in Deutschland lernen konnten. Dies sei seiner Meinung nach ein wichtiger Teil der Integration. Möglicherweise könnten genau hier die Stärken von Kulturwissenschaftlern liegen, denn kulturelle Unterschiede sind bei den Flüchtlingen auf jeden Fall vorhanden.

Wo finde ich Zertifikate/Weiterbildungen und Stellen?

Für viele Stellen im Bereich der Partnervermittlung braucht man keine spezielle Ausbildung. Wenn Ihr eine Stelle in diesem Bereich sucht, solltet Ihr allerdings darauf achten, dass es sich um ein seriöses Unternehmen handelt, weil es auch viel Abzocke in dem Bereich gibt. Vorsichtig solltet ihr außerdem bei den zahlreichen „(S)experten“ auf „YouTube“ sein, hier sind sehr Sexistische.

 

Mein Fazit:

Die Berufsmöglichkeiten rund um Partnervermittlungen sind zahlreich und trotzdem ist es schwer, nach Angestellten mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund zu suchen. Die meisten KommilitonInnen, die ich in diesem Bereich suchte, haben entweder ein Partnervermittlungsunternehmen gegründet (und sind eben nicht angestellt) oder arbeiten freiberuflich als Coach oder Berater. Ein Beispiel dafür ist Christian Thiel. Er ist gelernter Philosoph und hat sich als Singleberater einen Namen gemacht. Er gibt Onlineworkshops für Singles, berät aber auch Paare wie sie richtig glücklich werden können. Außerdem hat er noch Zahlreiche Bücher über die Partnersuche geschrieben.

Wenn man der richtige Mensch dafür ist, kann der Beruf als Partnervermittler einen bestimmt glücklich und vielleicht sogar reich machen. Für mich wird dieses Berufsfeld wohl eher nicht in Frage kommen, weil ich kein Geld dafür nehmen könnte, wenn zwei Menschen sich finden und verlieben. Dafür ist Liebe die schönste Nebensache der Welt und sollte für niemanden etwas kosten.

Niklas Luhmann: Liebe. Eine Übung, Frankfurt am Main 2008

Hier noch zwei Literaturtipps:

Die Autorin Maria Klein, hat 30Jahre Berufserfahrung als Partnervermittlerin und erzählt in diesen beiden Werken, Geschichten und Anekdoten aus ihrem Arbeitsalltag. Die darin beschriebene Höhen und Tiefen dieses Berufs, bieten damit einen interessanten Blick hinter die Kulissen.

Und hier ein paar Links:

http://www.singleberater.de/Singleberater-werden.html

http://flirtuniversity.de/jobs/

http://jobs.univillage.de/Stellenanzeigen-Partnervermittlung/Seite-1.html#

http://www.diepartneragentur.de/bei-uns-arbeiten.html

https://www.singleboerse.de/jobs-in-einer-partnervermittlung.html

https://www.partnervermittlung.ch/stellenangebote

https://www.youtube.com/watch?v=mTPmEhSeBSg (Ein Beitrag von Dana, einer Anthropologin)

 

Brotgelehrte – das Buch zum Blog ist da

Es ist endlich geschafft: „Brotgelehrte. Andere Perspektiven für Geisteswissenschaftler“ liegt vor. Am Anfang stand die Idee, einfach Blogartikel zu Berufsperspektiven ein wenig zu redigieren und daraus ein Buch zu machen. Und dann scheiterte ich an den eigenen Ansprüchen. Irgendwie sollten die Beiträge doch mehr enthalten als der Blog. Vielleicht auch in gleicher Struktur aufgebaut sein. Und ich wollte Zahlen zu den Berufen.  FH-Studiengängen und Weiterbildungen. Letztlich hat mich die Idee, fachspezifische Kompetenzen zuordnen zu wollen, nochmal drei Monate gekostet.
Großartiges Projektmanagement, nicht wahr?

Nun also enthält der erste Band von „Brotgelehrte“ 26 Tätigkeitsprofile, gruppiert nach:

Irgendwas …
… mit Geld und Macht,
… mit Bewegung und Gesundheit,
… mit Medien,
… für Gerechtigkeit und eine bessere Welt,
… im öffentlichen Dienst.

Da stellen Sie sich bestimmt die Frage, wie Sie an dieses wohlabgehangene Werk kommen? Mit der ISBN 9783943380279 sollten Sie es im Buchhandel bestellen können. Es kostet 14,90€. Falls es im Buchhandel nicht klappt, können Sie auch einfach direkt beim Verlag bestellen: http://eire-verlag.de/programm/brotgelehrte/