Berufschancen im Verlag

von Anna Helene Lemke 

Der Wunsch, mit Büchern zu arbeiten entspringt häufig der Freude am Lesen. Der nächste spannende Krimi liegt schon auf dem Nachttisch bereit, der kommende Abschluss einer Fantasy-Trilogie wird mit Spannung erwartet … warum also nicht das Hobby zum Beruf machen? Die Arbeit in einem Verlag ist vielseitig, es gibt Studiengänge und Ausbildungsberufe und auch Quereinsteiger haben keine schlechten Chancen. Zu den klassischen Studiengängen gehören die philologischen Studiengänge wie Germanistik oder Anglistik, aber auch Buchwissenschaft, Medienwissenschaften, Verlagswirtschaft und Medienmanagement. Einige Universitäten bieten Masterstudiengänge an, die sich auf die Arbeit in Verlagen spezialisieren (z.B. Literatur und Medien an der Universität Bayreuth und Medienautor an der Universität Stuttgart). Zu den Ausbildungsberufen gehören Medienkaufmann/-frau in Digital und Print und BuchhändlerIn. Besonders umfangreich informiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf www.boersenverein.de, der Verband der Verlage, Buchhändler und Zwischenbuchhändler in Deutschland. Also alles ganz einfach?

Weiterlesen „Berufschancen im Verlag“

Stadt, Land, Beruf – von der Schwierigkeit, im Paderborner Land einen Job als Kulturwissenschaftler*in zu finden

von Julia Koop

Je näher der Studienabschluss rückt, desto mehr machen sich Studierende der Kulturwissenschaften Gedanken, wie der Arbeitsmarkt für sie gerade in ländlichen Regionen wie Ostwestfalen-Lippe (OWL) aussieht. So erging es auch mir, da ich in Paderborn und Detmold mein Bachelor- und einen Teil meines Masterstudiums absolviert habe. Den Master setze ich gerade in Bochum an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) fort, sodass ich von meiner Erfahrung berichten und die Rahmenbedingungen vergleichen will.

Welche beruflichen Möglichkeiten bietet die Region OWL für Studierende und Absolvent*innen? Welche Unternehmen und Institutionen kämen für einen Jobeinstieg, Nebenjob oder ein Praktikum in Frage?

Weiterlesen „Stadt, Land, Beruf – von der Schwierigkeit, im Paderborner Land einen Job als Kulturwissenschaftler*in zu finden“

AG „Wissen schafft Karriere“ des Archäologenverbandes

Dr. Anke Bohne wies mich auf eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Deutschen Archäologen-Verbandes hin: „Wissen schafft Karriere“. Ziele der AG sind das Sammeln und Bereitstellen von Informationen und das Angebot von berufsbezogenen Workshops für Studierende archäologischer Fächer: https://darv.de/arbeits-gemeinschaften/wissen-schafft-karriere/

Vielen Dank für den Hinweis!

Campusrookies.de – mehr als eine Jobbörse

Campusrookies.de ist eine Plattform für Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger aus den Geisteswissenschaften für die Bereiche Medien, Kommunikation und Wirtschaft. Nun gibt es viele Jobbörsen und einige davon legen ihren Fokus ebenfalls auf junge Geisteswissenschaftler*innen, die oftmals nicht so ganz genau wissen, was sie werden wollen, wenn sie mal groß sind. Kann Campusrookies.de da mehr?

Auf ihrer Website wirbt die Plattform jedenfalls mit hoher Qualität sowohl hinsichtlich der ausgeschriebenen Stellenangebote als auch des Profils der Bewerber. Zusätzlich handelt es sich dabei um Jobs, in denen die Kompetenzen erforderlich sind, die man sich im Studium angeeignet haben sollte. Ebenfalls wirbt die Plattform mit einer Anzahl an regionalen Stellen sowie der 12-jährigen Erfahrung in der Tätigkeit als Jobbörse.

Unter dem Stellenausschreibungstool wartet eine verhältnismäßig überschaubare jedoch auch sehr übersichtliche und gut strukturierte Auflistung an möglichen Praktika, Nebenjobs, Volontariat-, Trainee- und Vollzeitstellen, die man je nach ausgewähltem Tätigkeitsbereich und bevorzugtem Standort konkretisieren bzw. personalisieren kann. Auf einen Blick hat man Informationen zu Beginn und Dauer der Beschäftigung sowie eine mögliche Vergütung – besonders interessant bei Praktikumsstellen. Die einzelnen Stellenangebote sind sehr ausführlich beschrieben, sowohl, was die Anforderungen des Unternehmens, das Beschäftigungsfeld und die damit verbundenen Aufgaben als auch Benefits für den Bewerber anbelangt. Zusätzlich finden sich dort konkrete Angaben zum Arbeitergeber, dem passenden Ansprechpartner sowie Bewerbungsfristen.

Die Funktion, ein interessantes Stellenangebot auf eine Merkliste zu setzen, ist den registrierten Nutzer der Website vorbehalten, die sich ein Kandidatenprofil angelegt haben. So ein Profil ist zwar für die Grundfunktionen nicht notwendig, jedoch kann es bei der Jobsuche durchaus hilfreich sein, wenn gerade die Zeit für eine aktive Suche und Bewerbung fehlt. Das Profil selbst ist wie eine Bewerbung mit Leistungen, Zeugnissen sowie einem persönlichen Text zur eigenen Person. Gerade für Berufseinsteiger bietet die Plattform diverse Serviceleistungen und Tipps für die Bewerbung bzw. Profilgestaltung an.

Da einige namenhafte Unternehmen diese Plattform nutzen, um freie Stellen in ihrem Unternehmen zu inserieren, kann man als Bewerber auch von den Arbeitgebern „gefunden“ werden. Viele dieser registrierten Unternehmen befinden sich allerdings in den klassischen Ballungszentren wie Rhein- und Ruhrgebiet.

Ein wirkliches Plus dieser Jobbörse ist der dazugehörige Blog. Hier findet man Tipps und Informationen zu möglichen Berufsfeldern, zur optimalen Bewerbung und richtigen Präsentation der Fähigkeiten eines Geisteswissenschaftlers. Darüber hinaus finden sich auch Einträge zu aktuellen Veranstaltungen und universalen Themen wie z. B. die Do’s und Don’ts für ein Vorstellungsgespräch, um einen gelungen Start in die Berufswelt hinzulegen.

Gerade dieses Mehr an Tipps, Trick und Ratschlägen ist für Berufsanfänger eine Stütze und Hilfe, um es gleich von Beginn an richtig zu machen.

Geisteswissenschaftler sind Generalisten?

Ich weiß gar nicht genau, wer diese Definition in die Welt gesetzt hat, ob es politisch geschah, vielleicht in bester Absicht, vielleicht unter dem Zwang im Rahmen von Bologna irgendwas zur arbeitsmarktlichen Verwertbarkeit sagen zu müssen – jedenfalls ist es in der Welt, wird wiederholt und Grundlage von Handeln, Selbstbild und Bildungsangeboten. Thomas-Theorem! Die Berufsorientierung für Geisteswissenschaftler*innen wurde in vielerlei Hinsicht so aufgebaut und organisiert, als seien Geisteswissenschaftler*innen Generalist*innen. Die so genannten Schlüsselkompetenzen wurden in den Studienplänen und in den Angeboten zentraler Einheiten der Unis gestärkt, jedoch eher im Sinne von Soft Skills oder fachübergreifenden Propädeutika. Studienprogramme mit generalistischem Zuschnitt sind entstanden. Gleichzeitig wurde die fachliche Reflexion für spezifische Praxistransfers vernachlässigt.

Insofern sind Geisteswissenschaftler aktuell tatsächlich häufig Generalisten. Aber nicht, weil es den Geisteswissenschaften grundsätzlich inhärent ist, für Arbeitsmärkte generalistisch zu sein, sondern weil Studienangebote sich einer Behauptung angepasst haben, deren Wahrnehmung dazu führt, dass Absolventen angeblich eben genau das sein sollten: Generalisten. Es bleibt im Nebel, wem das zugute kommt. Denn bald kommt der Frust, weil Absolventen auf dem Arbeitsmarkt feststellen, dass eben jenes Generalistentum keine Anerkennung erfährt. Unternehmen fragen immer noch, was sie mit diesen Geisteswissenschaftlern sollen. Und Professoren lästern, sie würden die Leute für Umschulungen ausbilden.

Wissen Sie, welche Kern- und Fachkompetenzen Sie in Ihren Studienfächern ausgebildet haben sollten? Und ob diese Kern- und Fachkompetenzen je nach Fachkombination veränderlich sind? Oder gar nach Studienstandort? Wissen Sie, wo die Debatten geführt werden, wie ein akademisches Berufsbild von „Philosophen“, „Historikerinnen“, „Linguisten“ definiert sein sollte?
Und wie können wir mit unterschiedlichen Graden von Studientiefe umgehen? Welche akademische Identität hat eine Absolventin eines BA-Studiengangs, der nicht auf Spezialisierung und konsekutive Bildungsphasen setzt, sondern auf Generalisierung und/oder Anwendungsbezug?
Welche akademische Identität hat eine Person, die sieben Semester lang Anglistik und Soziologie studiert hat – Anglistin? Soziologin? Beides? Nichts davon? Was dann? Generalistin. Eigentlich gehört es doch zu unseren philosophischen Kernkompetenzen, Dinge, Zustände, Identitäten definieren, diskutieren und konstruieren zu können. Solange wir nicht wissen, welche Fachkompetenzen und Expertisen wir überhaupt anbieten könnten, müssen wir uns damit zufrieden geben, Generalisten zu sein. Und schuld daran ist nicht die „Gesellschaft“ oder die „Wirtschaft“. Wir versagen einfach selbst.

Wir stärken nicht die Geisteswissenschaftler*innen, die eben keine Generalisten sind und sein wollen. Diejenigen, die sich thematisch, methodisch oder in Form ihrer Qualifikation im Laufe des Studiums oder teils auch vor- oder nebenakademisch profilieren.

  • Fachlehrer mit geisteswissenschaftlichen Fächern sind keine Generalisten, sondern eben Fachlehrer.
  • Wissenschaftler, die eine akademische Laufbahn verfolgen, sind hochspezialisiert, nicht nur thematisch und methodisch, sondern auch in ihrer professionellen Sozialisation – und genau das ist bei einem späten Wechsel in andere Arbeitsmärkte das Problem.
  • Ein professioneller Familienforscher, der seit 20 Jahren genealogisch arbeitet und sich fachbezogen weitergebildet hat, ist Genealoge und kein Generalist.
  • Eine Kunsthistorikerin, die schon im Studium für Auktionshäuser und Sammlungen gearbeitet hat, ist heute Kunstgutachterin  – und keine Generalistin.
  • Ein Kulturjournalist und Schriftsteller, der schon während der Schulzeit mit dem Schreiben begann und es während des Studiums auf mehreren Ebenen professionalisierte, ist ebenfalls kein Generalist.
  • Ein Programmverantwortlicher im Literaturveranstaltungsbetrieb, eine Fachübersetzerin, ein Dozent für Literacymanagemt, eine Archivarin, ein Museumspädagoge, eine Medizinethnologin, eine Forschungsreferentin – sie alle sind Fachkräfte. Vielleicht – sicherlich – haben ihre Tätigkeitsbeschreibung und ihr Stellenzuschnitt auch fachübergreifende Anteile, und sicherlich sind für ihren beruflichen Erfolg auch Schlüsselkompetenzen entscheidend, aber ihr Profil ergibt sich aus ihrer Expertise.

Ihnen und vielen anderen schadet die Behauptung des Generalistentum, denn es wertet ihre Fachkompetenzen ab. Es ist sowohl das Versäumnis von uns Geisteswissenschaftlern als auch das der Opinion-Leader und hochschulinternen Kommunikation, unsere disziplinspezifischen Fertigkeiten – wenn wir uns denn spezialisiert haben – unter „Generalismus“ zu verbuchen. Die Stellensuche gestaltet sich schwierig, der Selbstwert sinkt, von Persönlichkeit ist keine Spur mehr zu sehen.

Die ersten Zuschreibungen des Generalistentums hatten dies nicht intendiert. Im Gegenteil, wir können sie positiv lesen: Geisteswissenschaftler sind starke Persönlichkeiten. Geisteswissenschaftler sind lernfähig und flexibel. Das setzte freilich Gelegenheiten voraus, im Rahmen eines geisteswissenschaftlichen Studiums Persönlichkeit zu bilden, sich auszuprobieren, sich zu reiben, zu streiten, neue Impulse aufzunehmen und sie sich anzuverwandeln. Können Sie ja im nächsten SQ-Zeitmanagement-Kurs mal ausprobieren. Oder in der nächsten 80-Leute-Übung. Wir haben für das Thomas-Theorem Bildung und Kommunikation zu wenig vordefiniert, um das Handeln zu erwirken, das für uns hilfreich gewesen wäre. Wir haben Deutungshoheiten abgegeben.

Wir können nämlich Einfluss darauf haben, welche Bilder von Geisteswissenschaftler*innen und ihren Fähigkeiten – und auch dem Wert ihrer beruflichen Performance, denn jene spielt sich ja nicht jenseits von „Gesellschaft“ ab – gepflegt werden. Wir können dem Bild der Generalisten (als Mädchen für alles) eines von Generalisten im Sinne einer aktiven, forschenden, entwicklungsbereiten Persönlichkeit und eines von Spezialisten an die Seite stellen. Sie alle sind in der beruflichen Praxis anzutreffen, und im Prozess der professionellen Identitätsfindung ist es wichtig, zu wissen, welche „Art“ von Geisteswissenschaftler*in ich eigentlich bin. Weiterhin können wir aktiv einen Dialog zwischen Akademie und Arbeitsmarkt führen. Wir sind in der Bringschuld, wenn wir außerhalb unserer klassischen Berufsfelder tätig sein wollen, möglichen Arbeit- und Auftraggebern zu sagen, was wir können und wissen und zu erklären, welches Transferpotential in deren Sinne darin zu finden ist.

[Hier findet Ihr demnächst einen Link zu einem Text von Julia Ruhnau (dpa),  die mir den Impuls zur Niederschrift dieser Gedanken gegeben hat.]