Über das Schreiben und die Brotgelehrten

Julia Zarna und Anna Lemke haben ein Gespräch mit Mareike Menne geführt und auf der Website des Eire Verlags erstveröffentlicht – dort sind die Brotgelehrte-Bücher erschienen. Und weil das Urheberrecht bei uns liegt und doch auch Einiges an brotgelehrter Erfahrung zur Sprache kommt, veröffentlichen wir das Gespräch hier ebenfalls.

EireVerlag: Liebe Mareike, Du bist als Autorin sehr vielseitig und hast schon Ratgeber (Berufe für Historiker, Brotgelehrte 1 und 2), Kinderbücher (KinderGeld) und wissenschaftliche Monographien (Diskurs und Dekor: Die China-Rezeption in Mitteleuropa, 1600-1800) geschrieben. Würdest Du es auch in Betracht ziehen, einmal einen Roman zu schreiben? Wenn ja: Welches Genre sagt Dir zu? Und wenn nein: Warum nicht?

Mareike Menne: Ich interessiere mich nicht sehr für Romane und lese sie nur selten, insofern habe ich wenig Genreerfahrung. Mir fehlen die Fantasie für komplexe fiktive Handlungen und die Geduld zum Aufbau und zur Beschreibung von Szenen, Eigenschaften, Räumen. Auch den Anspruch, ein Sprachkunstwerk zu schaffen, könnte ich nicht erfüllen. Meist finde ich Romanhandlungen und -figuren zudem nicht so innovativ wie das wahre Leben.

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Veranstaltungen März 2019

14.3.2019, ab 20 Uhr, Bielefeld, Bürgerwache: Lesen als berufliche und private Praxis

eine Veranstaltung der Bücherfrauen e.V.: www.buecherfrauen.de

An diesem Abend widmen wir uns dem Lesen in seiner Doppelrolle als Neigung und Pflicht. Drei Dimensionen strukturieren diesen Impulsworkshop:

  1. Lesen als „To Do“
  2. Lesen unter Veränderungsdruck
  3. Lesen soll Freude bereiten können

Der Workshop gibt Anregungen für Reflexionen und hält eine kleine Werkzeugkiste für methodisches Lesen bereit.

24.3.2019, 10-12, Gärtnerei Düsing, Borchen: Tulpenliebe – Tulpenfest.

Eine Matinée zur Feier der Tulpe

  • Kultur- und Wirtschaftsgeschichte: Dr. Mareike MenneKunst: Kerstin Hoffmann

    Botanik: Konrad Düsing

Eintritt 10€ inkl. Häppchen, Information und Anmeldung unter brief @ mareikemenne.de

Plakat Tulpenliebe

29.3.2019, 16-20 Uhr, Paderborn: Aufräumcoaching

Klarheit, Ordnung und Struktur als geisteswissenschaftliche Themen und berufliche Transferzone.

Vortrag und Impulsworkshop, 30€ inkl. Getränke, Information folgt hier in Kürze; Anmeldung unter brief @ mareikemenne.de

Radio

von Christina Wiemann

„Und was machen Sie so beruflich? Ahh, Radiomoderator, wie aufregend!“-Diese Gedanken werden sicherlich viele mit dem Beruf Radiomoderator verbinden. Die Vorstellung eines aufregenden Lebens, in dem man Politiker und Prominente trifft. Ein Leben am Puls der Zeit, immer up to dateund dann in entspannter Atmosphäre und mit viel Humor im Radio darüber plaudern. Doch der Faktencheck wirft die Gedanken über das glamouröse Moderatorenleben schnell über den HaufenProfessionell Radio machen ist viel mehr als die bloße nette Quatscherei, die wir als Hörer*innen mitbekommen. Dank Technisierung und rasanter Medienentwicklung kann sich mittlerweile jeder privat an der Kunst des Radiomachens, an eigenen Internetradios oder Podcasts versuchen, um seine Meinung und Ansichten über den Äther zu bringen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch eine ungeheure Vielfalt von Radio, die hieraus entsteht und damit eine Veränderung des Berufsbilds. Weiterlesen „Radio“

Kalender Januar 2019

9.1., 16-20 Uhr
Impulsworkshop individuelle Digitalisierungsstrategien
Paderborn

Ziele: Eigenen Bezug zur Digitalisierung klären; Haltungen, Kompetenzen und Lernbedarf identifizieren

Was bedeutet Digitalisierung in individuellen und systemischen Bezügen – für mich persönlich, als Teil von Gesellschaft und als Arbeitnehmer*in/Student*in? Welche Schritte kann ich gehen, wie kann ich mich weiterbilden, um ein eigenes professionelles Digitalisierungsprofil zu entwickeln?
Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Teilnehmerbegrenzung! Bitte eigenes Laptop/Tablet/Schreibutensilien mitbringen.
Teilnahmegebühr 45€ inkl. MwSt.

15.1., 9-16 Uhr
Informationsmanagement/Beyond Speed Reading: professionelle Lese- und Schreibtools
Paderborn

Ziele: Lese- und Schreibkompetenz definieren, einschätzen und verbessern; Tools zur Professionalisierung kennenlernen.

Beispiele für Lese- und Schreibanforderungen im professionellen Kontext; Ziele und Motive für Lesen und Schreiben im Beruf; Planung, Strategien und Methoden für Lesen und Schreiben im Beruf.
Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Teilnehmerbegrenzung! Bitte eigenes Laptop/Tablet/Schreibutensilien mitbringen.
Teilnahmegebühr 75€ inkl. MwSt.

25.1., 9-16 Uhr
Kulturwissenschaftler*innen und Geld
Paderborn

Was sollten Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen für ihre berufliche Praxis über Geld wissen? Wie unterscheidet sich die berufliche Geldpraxis im öffentlichen Dienst und in der „freien Wirtschaft“ – und was muss ich dafür wissen und können? Wie kann ich als Freiberufler*in/Selbstständige (auch in Nebentätigkeit) meine Liquidität und meinen Finanzierungsbedarf planen und Preise festlegen?

Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Teilnehmerbegrenzung!
Teilnahmegebühr 85€ inkl. MwSt.

29.1., 9-14 Uhr
Vereinbarkeit von Studium/Promotion/Berufseinstieg und Kind(ern)
Paderborn

Elternzeit als Entwicklungsphase; Organisation und Finanzierung, Identifikation und Unterstützung von elternpositiver Arbeitsumgebung, Netzwerke
Anmeldung erforderlich: brief[at]mareikemenne.de, Babies willkommen, Teilnahmegebühr 55€ inkl. MwSt.

Employability ohne Identität und Interesse

Wie Ihr der Seitenleiste und auch früheren Posts entnehmen könnt, trieb mich 2018 die Frage nach Regionalität um, und ich beschloss, zu graben, wo ich stehe. Wie ist der Arbeitsmarkt für Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen in OWL?

Das Projekt ist gescheitert, und dass ist – nach einem kleinen Tal, das es zu durchqueren galt – eine gute Sache. Das Scheitern hat nämlich gezeigt, wie sehr sich Voraussetzungen verändert haben, die ich stets als gegeben ansah – etwa, dass es zwar nun Master statt Magister gibt, aber deren Zahl und Probleme doch irgendwie gleichbleiben.

Für OWL, konkret für Paderborn (und nach einigen Stichproben kann ich vorsichtig sagen: sowie für andere Städte mit vergleichbarem Profil) hat sich verändert, dass der Anteil von Master-of-Arts-Absolventen an der gesamten Absolventengruppe deutlich gesunken ist. Schloss bei den „alten“ Studiengängen noch ca. ein Drittel mit Magister/Magistra ab, sind es nun noch unter drei (sic!) Prozent mit einem Master of Arts. Die Frage eines regionalen Arbeitsmarkts für diese wenigen Absolvent*innen erübrigt sich fast; irgendwoher muss ja auch der wissenschaftliche Nachwuchs kommen, müssen die klassischen institutionellen Stellen besetzt werden, die freiberufliche Arbeits- und Angebotskultur fortbestehen. Viel höheren Arbeitsmarktinformationsbedarf haben die B.A.-Absolventen, für die es keine traditionellen Aufnahmemärkte gibt – und die auch nicht auf eine Berufsbildtradition innerhalb des fachlichen Selbstverständnisses zurückgreifen können. Überspitzt formuliert: Die Fachvertreter*innen haben keine Idee, was aus diesen Absolventen werden könnte (außer Masterstudierende oder studiengangsgewechselte Lehrer), Unternehmen haben keine Ideen, wie und wo diese Absolventen eingesetzt werden können, und die Absolvent*innen selbst haben auch keine Idee, woher auch. Es gibt kaum positive Vorbilder oder bestärkende Netzwerke.

Was nun? An welcher Stelle durchbrechen wir diese Orientierungs- und auch Interesselosigkeit?

Der Rückgang der Masterstudierendenzahl überraschte mich auch in einem anderen Zusammenhang: Zum ersten Mal nahmen an meiner „Studium – und dann?“-Veranstaltung nur Lehramtsstudierende teil. Sie äußerten, dem Rat gefolgt zu sein, „auf Nummer sicher zu gehen“, aber eigentlich nicht ins Lehramt zu wollen. Oder im B.Edu/M.Edu eine Fachkombination wählen zu können, die in BA/MA ausgeschlossen ist. Als ich anfangs in dieser Veranstaltung von „Kultur- und Geisteswissenschaftler*innen“ sprach, erntete ich irritiertes Schweigen. Nein, nicht wegen der Gender-Umständlichkeit. Die Studierenden verstanden sich nicht als Kultur- und Geisteswissenschaftler*innen. Sie studieren Geschichte und Sport, Germanistik und Mathe oder Physik, Theologie und Musik. Ein Teil von ihnen ist vielleicht Kulturwissenschaftlerin. Ein anderer Teil aber ist Pädagogin. Ein dritter Teil ist vielleicht Naturwissenschaftlerin. Natürlich könnten sie in einer Geistes- oder Kulturwissenschaft promovieren. Eine Teilnehmerin äußerte, das sei nicht attraktiv, denn sie wolle sich nicht gegen eine ihrer Fachkulturen entscheiden.

Wie wird sich die Arbeitskultur und das fachliche Selbstverständnis im wissenschaftlichen Nachwuchs verändern, wenn der Anteil von Lehramtsabsolventen aus unterschiedlichen Fachkulturen zunimmt und wenn zugleich der Anteil der Promovierenden mit selbstgewählter geisteswissenschaftlicher Identität sinkt?

Zahlen z.B. hier: Studierenden- und Absolventenspiegel Uni Paderborn

Anm.:  Die Paraphrase „Grabe, wo du stehst“  (oben) ist hier sehr verkürzt verwendet. Sie bezieht sich auf Sven Lindqvist: Grabe, wo du stehst. Handbuch zur Erforschung der eigenen Geschichte, Bonn 1989 – ein Schlüsselwerk für die Geschichtswerkstättenbewegung, Emanzipation von Laien-, Arbeits- und Randgruppenhistoriker*innen.

Digitalisierung als individueller Prozess

Wir wissen natürlich irgendwie schon, dass uns Digitalisierung etwas angeht. Kolleg*innen, Kommiliton*innen, Fächer, Institute, Arbeitgeber und die Medien, für die wir uns entschieden haben, reagieren sehr unterschiedlich auf diesen möglicherweise FUndamentalprozess, was es schwierig macht, darin einen eigenen Weg jenseits über Konsum und Kritik hinaus zu finden.

Als ich vor einigen Wochen einen Workshop zum Thema „Digitalisierung und Berufsorientierung für Geisteswissenschaftler*innen“ anbot, stellte ich schon im Vorfeld fest, wie schwierig es für viele Kommiliton*innen ist, das Reden über Digitalisierung in konkrete Praktiken, Inhalte und Methoden zu übertragen. Überhaupt ergaben sich die Gespräche hauptsächlich über den Workshop, nicht darin, als berge der Eintritt eine Wesensänderungsgefahr, Identitätskrisen, Unbequemlichkeiten. Es war viel verführerischer, ausgiebig über Digital Humanities als Wissenschaft zu reden, in aller angemessenen Tiefe und gleichzeitiger Unverbindlichkeit. Ein pragmatischer gemeinsamer Startpunkt waren schließlich fachübergreifende Anwendungen wie Textverarbeitung, Datenbanken und die Digitalisierung/Virtualisierung von Quellen oder Findmitteln. Wir konnten über Veränderungen von Arbeitstechniken, Fragestellungen und konkreten Workflows sprechen, doch es fiel sehr schwer, allgemeine Veränderungen auf individuelle Auswirkungen hin zu bewerten – und dabei den eigenen Unwillen, das evtl. abweichende Konzept von wissenschaftlicher Identität hinreichend zu reflektieren.

Es stellten sich ganz unterschiedliche individuelle Hemmnisse dar:

  • Die Entscheidung für geisteswissenschaftliche Disziplinen sei gerade aus dem Grund gefallen, nichts mit Informatik machen zu müssen.
  • Abstrakte Ängste, Kritiken und Diskussionswünsche (z.B. Strahlen, „The Four“, Internetsucht), deren Relevanz unbestritten ist, deren Benennung allein jedoch nicht zu Empowerment führt. Ich finde, eine intellektuelle Selbsthilfegruppe „Digitalisierungskrtitik“ hat durchaus ihren Charme; weitergedacht gehört eine kritische Begleitung, Analyse, Reflexion und Entwicklung des gesamtgesellschaftlichen Prozesses Digitalisierung ohnehin zu den Aufgaben geisteswissenschaftlicher Disziplinen.
  • Bei Gesprächspartner*innen mit erster Berufserfahrung Überforderung und Verärgerung über „Digitalisierungsdruck“ – der Einsatz unterschiedlicher Tools für unterschiedliche Prozesse und Teams mit gefühlt ständigem Updatebedarf, der Pflichtschulungen und Blockaden zur Folge hatte, wenn etwas das Update des einen Tools nicht mit der aktuellen Version des anderen Tools kompatibel war usw.
  • Eine Wahrnehmungsdiskrepanz: akademische Lehre, die nur in geringem Maße eine Einbindung digitaler Ressourcen in den Lernprozess zuließ, eine Überlagerung der Dozierenden-Studierenden-Beziehung von Campus-Management-Systemen mit all ihren Verwaltungsabsurditäten und Zugangshürden, letztens eine intensive Freizeitnutzung, die zwar der Zuschreibung zu „digital natives“ entsprach, aber keine professionalisierte Mediennutzung bedeutet.

Die Kommiliton*innen sind folglich mit sehr unterschiedlichen Qualitäten und Phänomenen von „Digitalisierung“ konfrontiert. Die Herausforderungen bestehen darin, einerseits klare Haltungen und Bewertungskriterien auszubilden und andererseits pragmatische Bildungs-, Organisations-, Nutzungs- und Lernstrategien zu entwickeln. Dazu gehören:

  • Digitalisierung individuell in Bezug zu kontextuellen/systemischen Perspektiven zu definieren,
  • Ziele, Haltungen, Szenarien für individuelle Digitalisierungsstrategien entwickeln, eigene Herkunft und bestehende Haltungen reflektieren,
  • Tools, Methoden, Konzepte kennenlernen und auf die eigenen Werte und Ziele hin zu bewerten. Auswahl der Lerninhalte und -prozesse.
  • Unterscheidung und Bewertung selbstbestimmter und fremdinduzierter Lernprozesse und –gegenstände. Trennung von tatsächlichen und imaginierten Anforderungen.
  • Digitale Lern- und Nutzungsgewohnheiten beobachten, reflektieren, systematisieren und veränderungsfähig halten.
  • Umsetzungspläne erstellen.
  • Umsetzen.
  • Streiten, Ruhe bewahren und einen eigenen Digitalisierungsstil ausprägen.

Ich bin gespannt auf die nächsten Veranstaltungen und all die Diskussionen im Vorfeld.

Referenzen

Stöger, Roman: Toolbox Digitalisierung. Vorsprung durch Vernetzung, Stuttgart 2017 (hier geht es eigentlich um Unternehmen bzw. Organisationsentwicklung. Ich habe einige Ideen für individuelle Prozesse adaptiert), affiliate Link zu amazon

Fotis Jannidis/Hubertus  Kohle/Malte Rehbein (Hg.): Digital Humanities. Eine Einführung, Stuttgart 2017 (hier v.a. Kap. 1-3), affiliate Link zu amazon

Radermacher, Ingo: Digitalisierung selbst denken. Eine Anleitung, mit der Transformation gelingt, Göttingen (2)2018, affiliate Link zu amazon

Precht, Richard David: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, München 2018 (Streit- und Diskussionsgrundlage), affiliate Link zu amazon