Berufschancen im Verlag

von Anna Helene Lemke 

Der Wunsch, mit Büchern zu arbeiten entspringt häufig der Freude am Lesen. Der nächste spannende Krimi liegt schon auf dem Nachttisch bereit, der kommende Abschluss einer Fantasy-Trilogie wird mit Spannung erwartet … warum also nicht das Hobby zum Beruf machen? Die Arbeit in einem Verlag ist vielseitig, es gibt Studiengänge und Ausbildungsberufe und auch Quereinsteiger haben keine schlechten Chancen. Zu den klassischen Studiengängen gehören die philologischen Studiengänge wie Germanistik oder Anglistik, aber auch Buchwissenschaft, Medienwissenschaften, Verlagswirtschaft und Medienmanagement. Einige Universitäten bieten Masterstudiengänge an, die sich auf die Arbeit in Verlagen spezialisieren (z.B. Literatur und Medien an der Universität Bayreuth und Medienautor an der Universität Stuttgart). Zu den Ausbildungsberufen gehören Medienkaufmann/-frau in Digital und Print und BuchhändlerIn. Besonders umfangreich informiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf www.boersenverein.de, der Verband der Verlage, Buchhändler und Zwischenbuchhändler in Deutschland. Also alles ganz einfach?

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Über das Schreiben und die Brotgelehrten

Julia Zarna und Anna Lemke haben ein Gespräch mit Mareike Menne geführt und auf der Website des Eire Verlags erstveröffentlicht – dort sind die Brotgelehrte-Bücher erschienen. Und weil das Urheberrecht bei uns liegt und doch auch Einiges an brotgelehrter Erfahrung zur Sprache kommt, veröffentlichen wir das Gespräch hier ebenfalls.

EireVerlag: Liebe Mareike, Du bist als Autorin sehr vielseitig und hast schon Ratgeber (Berufe für Historiker, Brotgelehrte 1 und 2), Kinderbücher (KinderGeld) und wissenschaftliche Monographien (Diskurs und Dekor: Die China-Rezeption in Mitteleuropa, 1600-1800) geschrieben. Würdest Du es auch in Betracht ziehen, einmal einen Roman zu schreiben? Wenn ja: Welches Genre sagt Dir zu? Und wenn nein: Warum nicht?

Mareike Menne: Ich interessiere mich nicht sehr für Romane und lese sie nur selten, insofern habe ich wenig Genreerfahrung. Mir fehlen die Fantasie für komplexe fiktive Handlungen und die Geduld zum Aufbau und zur Beschreibung von Szenen, Eigenschaften, Räumen. Auch den Anspruch, ein Sprachkunstwerk zu schaffen, könnte ich nicht erfüllen. Meist finde ich Romanhandlungen und -figuren zudem nicht so innovativ wie das wahre Leben.

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Radio

von Christina Wiemann

„Und was machen Sie so beruflich? Ahh, Radiomoderator, wie aufregend!“-Diese Gedanken werden sicherlich viele mit dem Beruf Radiomoderator verbinden. Die Vorstellung eines aufregenden Lebens, in dem man Politiker und Prominente trifft. Ein Leben am Puls der Zeit, immer up to dateund dann in entspannter Atmosphäre und mit viel Humor im Radio darüber plaudern. Doch der Faktencheck wirft die Gedanken über das glamouröse Moderatorenleben schnell über den HaufenProfessionell Radio machen ist viel mehr als die bloße nette Quatscherei, die wir als Hörer*innen mitbekommen. Dank Technisierung und rasanter Medienentwicklung kann sich mittlerweile jeder privat an der Kunst des Radiomachens, an eigenen Internetradios oder Podcasts versuchen, um seine Meinung und Ansichten über den Äther zu bringen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch eine ungeheure Vielfalt von Radio, die hieraus entsteht und damit eine Veränderung des Berufsbilds. Weiterlesen „Radio“

Kleider machen Jobs

Ich begab mich auf die Suche nach möglichst aktuellen und innovativen Tipps für das perfekte Bewerbungsoutfit für Geisteswissenschaftler*innen. Am Ende meiner Recherchezeit musste ich feststellen: Es gibt nichts Neues zu berichten. Die Empfehlungen haben sich im Gegensatz zur kurzlebigen Mode seit Jahren nicht wesentlich verändert. Sie enthalten Klischees, Zwänge und Einheitsbrei. Auf unzähligen Seiten fanden sich die immer gleichen Tipps. Neben den allgemeinen Hygienevorschriften, dass man möglichst gepflegt, gebügelt und gestriegelt zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen sollte, versuchte man den unsicheren Bewerber noch etwas mehr zu verwirren, indem man ihm mit Begriffen wie Business, Business-Casual, Creative-Casual und dem Casual-Friday seine Unzulänglichkeiten im Bereich Mode aufzeigte.

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Campusrookies.de – mehr als eine Jobbörse

Campusrookies.de ist eine Plattform für Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger aus den Geisteswissenschaften für die Bereiche Medien, Kommunikation und Wirtschaft. Nun gibt es viele Jobbörsen und einige davon legen ihren Fokus ebenfalls auf junge Geisteswissenschaftler*innen, die oftmals nicht so ganz genau wissen, was sie werden wollen, wenn sie mal groß sind. Kann Campusrookies.de da mehr?

Auf ihrer Website wirbt die Plattform jedenfalls mit hoher Qualität sowohl hinsichtlich der ausgeschriebenen Stellenangebote als auch des Profils der Bewerber. Zusätzlich handelt es sich dabei um Jobs, in denen die Kompetenzen erforderlich sind, die man sich im Studium angeeignet haben sollte. Ebenfalls wirbt die Plattform mit einer Anzahl an regionalen Stellen sowie der 12-jährigen Erfahrung in der Tätigkeit als Jobbörse.

Unter dem Stellenausschreibungstool wartet eine verhältnismäßig überschaubare jedoch auch sehr übersichtliche und gut strukturierte Auflistung an möglichen Praktika, Nebenjobs, Volontariat-, Trainee- und Vollzeitstellen, die man je nach ausgewähltem Tätigkeitsbereich und bevorzugtem Standort konkretisieren bzw. personalisieren kann. Auf einen Blick hat man Informationen zu Beginn und Dauer der Beschäftigung sowie eine mögliche Vergütung – besonders interessant bei Praktikumsstellen. Die einzelnen Stellenangebote sind sehr ausführlich beschrieben, sowohl, was die Anforderungen des Unternehmens, das Beschäftigungsfeld und die damit verbundenen Aufgaben als auch Benefits für den Bewerber anbelangt. Zusätzlich finden sich dort konkrete Angaben zum Arbeitergeber, dem passenden Ansprechpartner sowie Bewerbungsfristen.

Die Funktion, ein interessantes Stellenangebot auf eine Merkliste zu setzen, ist den registrierten Nutzer der Website vorbehalten, die sich ein Kandidatenprofil angelegt haben. So ein Profil ist zwar für die Grundfunktionen nicht notwendig, jedoch kann es bei der Jobsuche durchaus hilfreich sein, wenn gerade die Zeit für eine aktive Suche und Bewerbung fehlt. Das Profil selbst ist wie eine Bewerbung mit Leistungen, Zeugnissen sowie einem persönlichen Text zur eigenen Person. Gerade für Berufseinsteiger bietet die Plattform diverse Serviceleistungen und Tipps für die Bewerbung bzw. Profilgestaltung an.

Da einige namenhafte Unternehmen diese Plattform nutzen, um freie Stellen in ihrem Unternehmen zu inserieren, kann man als Bewerber auch von den Arbeitgebern „gefunden“ werden. Viele dieser registrierten Unternehmen befinden sich allerdings in den klassischen Ballungszentren wie Rhein- und Ruhrgebiet.

Ein wirkliches Plus dieser Jobbörse ist der dazugehörige Blog. Hier findet man Tipps und Informationen zu möglichen Berufsfeldern, zur optimalen Bewerbung und richtigen Präsentation der Fähigkeiten eines Geisteswissenschaftlers. Darüber hinaus finden sich auch Einträge zu aktuellen Veranstaltungen und universalen Themen wie z. B. die Do’s und Don’ts für ein Vorstellungsgespräch, um einen gelungen Start in die Berufswelt hinzulegen.

Gerade dieses Mehr an Tipps, Trick und Ratschlägen ist für Berufsanfänger eine Stütze und Hilfe, um es gleich von Beginn an richtig zu machen.

Digitalisierung als individueller Prozess

Wir wissen natürlich irgendwie schon, dass uns Digitalisierung etwas angeht. Kolleg*innen, Kommiliton*innen, Fächer, Institute, Arbeitgeber und die Medien, für die wir uns entschieden haben, reagieren sehr unterschiedlich auf diesen möglicherweise FUndamentalprozess, was es schwierig macht, darin einen eigenen Weg jenseits über Konsum und Kritik hinaus zu finden.

Als ich vor einigen Wochen einen Workshop zum Thema „Digitalisierung und Berufsorientierung für Geisteswissenschaftler*innen“ anbot, stellte ich schon im Vorfeld fest, wie schwierig es für viele Kommiliton*innen ist, das Reden über Digitalisierung in konkrete Praktiken, Inhalte und Methoden zu übertragen. Überhaupt ergaben sich die Gespräche hauptsächlich über den Workshop, nicht darin, als berge der Eintritt eine Wesensänderungsgefahr, Identitätskrisen, Unbequemlichkeiten. Es war viel verführerischer, ausgiebig über Digital Humanities als Wissenschaft zu reden, in aller angemessenen Tiefe und gleichzeitiger Unverbindlichkeit. Ein pragmatischer gemeinsamer Startpunkt waren schließlich fachübergreifende Anwendungen wie Textverarbeitung, Datenbanken und die Digitalisierung/Virtualisierung von Quellen oder Findmitteln. Wir konnten über Veränderungen von Arbeitstechniken, Fragestellungen und konkreten Workflows sprechen, doch es fiel sehr schwer, allgemeine Veränderungen auf individuelle Auswirkungen hin zu bewerten – und dabei den eigenen Unwillen, das evtl. abweichende Konzept von wissenschaftlicher Identität hinreichend zu reflektieren.

Es stellten sich ganz unterschiedliche individuelle Hemmnisse dar:

  • Die Entscheidung für geisteswissenschaftliche Disziplinen sei gerade aus dem Grund gefallen, nichts mit Informatik machen zu müssen.
  • Abstrakte Ängste, Kritiken und Diskussionswünsche (z.B. Strahlen, „The Four“, Internetsucht), deren Relevanz unbestritten ist, deren Benennung allein jedoch nicht zu Empowerment führt. Ich finde, eine intellektuelle Selbsthilfegruppe „Digitalisierungskrtitik“ hat durchaus ihren Charme; weitergedacht gehört eine kritische Begleitung, Analyse, Reflexion und Entwicklung des gesamtgesellschaftlichen Prozesses Digitalisierung ohnehin zu den Aufgaben geisteswissenschaftlicher Disziplinen.
  • Bei Gesprächspartner*innen mit erster Berufserfahrung Überforderung und Verärgerung über „Digitalisierungsdruck“ – der Einsatz unterschiedlicher Tools für unterschiedliche Prozesse und Teams mit gefühlt ständigem Updatebedarf, der Pflichtschulungen und Blockaden zur Folge hatte, wenn etwas das Update des einen Tools nicht mit der aktuellen Version des anderen Tools kompatibel war usw.
  • Eine Wahrnehmungsdiskrepanz: akademische Lehre, die nur in geringem Maße eine Einbindung digitaler Ressourcen in den Lernprozess zuließ, eine Überlagerung der Dozierenden-Studierenden-Beziehung von Campus-Management-Systemen mit all ihren Verwaltungsabsurditäten und Zugangshürden, letztens eine intensive Freizeitnutzung, die zwar der Zuschreibung zu „digital natives“ entsprach, aber keine professionalisierte Mediennutzung bedeutet.

Die Kommiliton*innen sind folglich mit sehr unterschiedlichen Qualitäten und Phänomenen von „Digitalisierung“ konfrontiert. Die Herausforderungen bestehen darin, einerseits klare Haltungen und Bewertungskriterien auszubilden und andererseits pragmatische Bildungs-, Organisations-, Nutzungs- und Lernstrategien zu entwickeln. Dazu gehören:

  • Digitalisierung individuell in Bezug zu kontextuellen/systemischen Perspektiven zu definieren,
  • Ziele, Haltungen, Szenarien für individuelle Digitalisierungsstrategien entwickeln, eigene Herkunft und bestehende Haltungen reflektieren,
  • Tools, Methoden, Konzepte kennenlernen und auf die eigenen Werte und Ziele hin zu bewerten. Auswahl der Lerninhalte und -prozesse.
  • Unterscheidung und Bewertung selbstbestimmter und fremdinduzierter Lernprozesse und –gegenstände. Trennung von tatsächlichen und imaginierten Anforderungen.
  • Digitale Lern- und Nutzungsgewohnheiten beobachten, reflektieren, systematisieren und veränderungsfähig halten.
  • Umsetzungspläne erstellen.
  • Umsetzen.
  • Streiten, Ruhe bewahren und einen eigenen Digitalisierungsstil ausprägen.

Ich bin gespannt auf die nächsten Veranstaltungen und all die Diskussionen im Vorfeld.

Referenzen

Stöger, Roman: Toolbox Digitalisierung. Vorsprung durch Vernetzung, Stuttgart 2017 (hier geht es eigentlich um Unternehmen bzw. Organisationsentwicklung. Ich habe einige Ideen für individuelle Prozesse adaptiert), affiliate Link zu amazon

Fotis Jannidis/Hubertus  Kohle/Malte Rehbein (Hg.): Digital Humanities. Eine Einführung, Stuttgart 2017 (hier v.a. Kap. 1-3), affiliate Link zu amazon

Radermacher, Ingo: Digitalisierung selbst denken. Eine Anleitung, mit der Transformation gelingt, Göttingen (2)2018, affiliate Link zu amazon

Precht, Richard David: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, München 2018 (Streit- und Diskussionsgrundlage), affiliate Link zu amazon