Berufschancen im Verlag

von Anna Helene Lemke 

Der Wunsch, mit Büchern zu arbeiten entspringt häufig der Freude am Lesen. Der nächste spannende Krimi liegt schon auf dem Nachttisch bereit, der kommende Abschluss einer Fantasy-Trilogie wird mit Spannung erwartet … warum also nicht das Hobby zum Beruf machen? Die Arbeit in einem Verlag ist vielseitig, es gibt Studiengänge und Ausbildungsberufe und auch Quereinsteiger haben keine schlechten Chancen. Zu den klassischen Studiengängen gehören die philologischen Studiengänge wie Germanistik oder Anglistik, aber auch Buchwissenschaft, Medienwissenschaften, Verlagswirtschaft und Medienmanagement. Einige Universitäten bieten Masterstudiengänge an, die sich auf die Arbeit in Verlagen spezialisieren (z.B. Literatur und Medien an der Universität Bayreuth und Medienautor an der Universität Stuttgart). Zu den Ausbildungsberufen gehören Medienkaufmann/-frau in Digital und Print und BuchhändlerIn. Besonders umfangreich informiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf www.boersenverein.de, der Verband der Verlage, Buchhändler und Zwischenbuchhändler in Deutschland. Also alles ganz einfach?

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Über das Schreiben und die Brotgelehrten

Julia Zarna und Anna Lemke haben ein Gespräch mit Mareike Menne geführt und auf der Website des Eire Verlags erstveröffentlicht – dort sind die Brotgelehrte-Bücher erschienen. Und weil das Urheberrecht bei uns liegt und doch auch Einiges an brotgelehrter Erfahrung zur Sprache kommt, veröffentlichen wir das Gespräch hier ebenfalls.

EireVerlag: Liebe Mareike, Du bist als Autorin sehr vielseitig und hast schon Ratgeber (Berufe für Historiker, Brotgelehrte 1 und 2), Kinderbücher (KinderGeld) und wissenschaftliche Monographien (Diskurs und Dekor: Die China-Rezeption in Mitteleuropa, 1600-1800) geschrieben. Würdest Du es auch in Betracht ziehen, einmal einen Roman zu schreiben? Wenn ja: Welches Genre sagt Dir zu? Und wenn nein: Warum nicht?

Mareike Menne: Ich interessiere mich nicht sehr für Romane und lese sie nur selten, insofern habe ich wenig Genreerfahrung. Mir fehlen die Fantasie für komplexe fiktive Handlungen und die Geduld zum Aufbau und zur Beschreibung von Szenen, Eigenschaften, Räumen. Auch den Anspruch, ein Sprachkunstwerk zu schaffen, könnte ich nicht erfüllen. Meist finde ich Romanhandlungen und -figuren zudem nicht so innovativ wie das wahre Leben.

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Arbeitsfelder rund ums Buch

Heute darf ich als „Bücherfrau“ an einem Seminar an der Uni Bielefeld teilnehmen und einen Impuls zur beruflichen Orientierung im Buchmarkt geben.  Und da ich in der Vergangenheit häufiger hinter den Kulissen dieses Blogs Informationen zum Einstieg in die Buchbranche aufgearbeitet habe, dachte ich, ich stelle sie online, dann können Sie btw. Ihre Kommiliton*innen einfach nachlesen.
Die Buchbranche ist allerdings eine sehr große Branche, die Tätigkeiten, Berufe und Einstiegswege variieren nach regionalen, fachlichen und organisatorischen Schwerpunkten. Insofern soll Ihnen mein kurzes Statement Orientierung bieten und einige Impulse aufzeigen, die Sie sich anverwandeln müssten.

Falls Ihnen das am Bildschirm zu viel zu lesen ist – hier geht es zur PDF Berufschancen Buch und zur Präsentation aus dem Seminar: Bücherfrauen Bielefeld April 2018.

Die Buchbranche gehört zu den umsatzstärksten Konsumbranchen in Deutschland überhaupt; sie folgt auf Automobilindustrie und Lebensmittel. Ca. 10 Mrd. Euro werden jährlich umgesetzt. Die ca. 15.000 Verlage bringen jährlich ca. 75.000 Neuerscheinungen auf den Markt (wobei die Branche Konzentrationsbewegungen verzeichnet – nur etwa 100 Verlage sorgen für 80% der Titel). Ca. 1,2 Mio Titel sind im Buchgroßhandel gelistet und damit über Nacht in die 22.000 Buchhandlungen lieferbar. Es gibt weiterhin Vereine, Verbände, Dienstleister, Autorinnen, Übersetzer, Illustratorinnen, Lektoren, Herstellerinnen, Auslieferer, Typografinnen, Rezitatoren/Sprecher für Hörbücher … In der Buchbranche müssen und dürfen Sie aus sehr unterschiedlichen Berufen wählen.

Das kann für Sie bedeuten: Wenn Sie sich für eine Tätigkeit in der Buchbranche interessieren, informieren Sie sich über den Arbeitsmarkt Buch. Welche Jobs gibt es dort? Welche Buchunternehmen gibt es in der Umgebung, in der Sie tätig sein wollen? Wie viele dieser Unternehmen bieten die Möglichkeit zur Praktika oder haben überhaupt Mitarbeiter? Welches Profil haben diese Unternehmen – was bieten sie an? Welche Buchdienstleister oder Freiberufler gibt es? Nutzen Sie zu dieser Recherche die Gelben Seiten, Xing, die Verzeichnisse des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und evtl. das Adressbuch der „Bücherfrauen“, eines bundesweit agierenden Vereins.

Brancheninfo:

www.boersenblatt.net/brancheninfos

Marketingverband des deutschen Buchhandels (Hg.): Buch und Buchmarkt in Zahlen 2017, Frankfurt am Main 2017

 

Zwar gibt es deutschlandweit ein großes Netz von Verlagen und Buchhandlungen, aber die Konzernverlage und Wissenschaftsverlage konzentrieren sich auf Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Stuttgart und München. Es gibt natürlich ein paar Ausnahmen: Bertelsmann als größte Verlagsgruppe hat den Sitz in Gütersloh; honorige Wissenschaftsverlage sitzen zB in Göttingen, avantgardistische in Bielefeld. Die Präsenz dieser Verlage in den Großstädten zieht Verlagsdienstleister in ihre Nähe, sodass sich regionale Arbeitsmärkte in ihrem Umfeld bilden.

Das kann für Sie bedeuten: Entscheiden Sie – und sei es, nur zur Übung – welche Tätigkeit Ihnen im Buchmarkt besonders interessant erscheint: Schreiben? Lektorieren? Verlegen? Vermarkten? Vermitteln…? Entscheiden Sie anschließend, welches Genre für Sie interessant ist: (Populär)Wissenschaft? Belletristik? Ausstellungspublikationen? Werk/Quelleneditionen? Biografien? Schulbücher …? Recherchieren Sie nach Fachverlagen und Dienstleistern – über den Börsenverein, über einen Bummel durch eine große Buchhandlung/die Bibliothek und das Notieren der Verlage entsprechender Publikationen, über Suchmaschinen und online-Enzyklopädien. Wählen Sie von diesen Verlagen und Dienstleistern 10 aus und schauen Sie sich auf der Internetpräsenz die Organisationsstruktur dieser Verlage an. Gibt es Mitarbeiterinnen? Wie werden ihre Stellen bezeichnet? Gibt es freie Mitarbeiter? Was bieten sie noch? Gibt es Dienstleister? Wie ist deren Mitarbeiterstruktur? Kommen Unternehmen ins Spiel, die Sie vorher noch nicht auf dem Schirm hatten – stiftungsabhängige Verlage etwa, Bücher ohne Verlage, Nonbook-Anbieter (Karten, Genealogie, Kalender…)?

 

Einstiegsszenarien – Ich nenne Ihnen keinen Königsweg, weil die Einstiegsszenarien sehr heterogen sind. Wenn wir vom Berufsziel „angestellter wissenschaftlicher Lektor“ ausgehen, dann gibt es viele potenzielle Bewerberinnen auf wenige Stellen bei relativ kleinen Verlagen. Die Verlage sind mitunter so klein, dass sie die Bewerbungsflut überhaupt nicht angemessen und fair bearbeiten könnten. Darum haben sie ein Interesse daran, im Vorfeld Informationen über und Empfehlungen für geeignete Mitarbeiter einzuholen oder die Mitarbeiter in der Folge Betriebspraktikum – studentische Mitarbeit – Volontariat selbst weiterzubilden und „heranzuziehen“ bzw. dann weiterzuempfehlen. Sie haben sicherlich schon davon gehört, dass auch Volos nicht immer ausgeschrieben werden, die Vergütung gering ist und keine Übernahmegarantie besteht. Es gibt eben einen Bewerberüberschuss, und der Markt ist unter Druck. Informieren Sie sich.

Aber es gibt eben auch Ausschreibungen für alle Qualifikationsstufen:

https://www.boersenblatt.net/jobboerse

http://publishingmarkt.de/eintraege/stellenangebote/

http://www.buchmarktjobs.de/home

http://www.buchkarriere.de/wordpress/

Inzwischen meldeten mir einige ehemaligen Studierenden zurück, über Umwege in die Buchbranche gekommen zu sein. Diese Umwege sind etwa: Einstieg über die Herstellung oder eine andere Abteilung, dann Entwicklung in die thematische Verantwortung. Einstieg über einen Kleinstverlag – eine Frau, ein Verlag – mit dem Kennenlernen aller Abläufe rund ums Buch, über Netzwerktreffen Wechsel in einen Konzernverlag mit dem Schwerpunkt Social Media und der Möglichkeit zur internen Weiterbildung. Verlagskontakt über die Betreuung einer Ausstellungspublikation (Arbeitgeber Archiv und Museum) oder einer wissenschaftlichen Zeitschrift (Arbeitgeber Uni), Wechsel in den Verlag. Eigene Autorentätigkeit – Kontakt zum Börsenverein – Wechsel ins Messemanagement. Eigene Autorentätigkeit – eigene Verlagsgründung. Ein weiterer Umweg kann in der Freiberuflichkeit bestehen.

Wird in der Buchbranche derzeit nach Mitarbeitern gesucht? Ja. Verlage suchen Hochschulabsolventen für (digitales) Marketing, PR, Vertrieb, Verkauf und Projektbetreuung. Die Buchhandlungen suchen in den Bereichen Filialleitung, Geschäftsübernahme. Also Dinge, die wir nicht so gern haben: Verkaufen und Führen.

Das kann für Sie bedeuten: Reflektieren Sie Ihre Haltung und Motivation für den Buchmarkt. Leitet Sie ein romantisiertes Bild? Sagen Sie vielleicht nur Buchmarkt, weil er so schön konkret und sozial akzeptiert scheint?

Welche Tätigkeiten, welche Einstiege kommen für Sie in Betracht? Sind Sie regional gebunden – dann ist möglicherweise Flexibilität im Tätigkeitszuschnitt gefragt und evtl. eine frühzeitige Weiterbildung für Marketing und Vertrieb. Oder sind Sie in ihrem Berufsbild gebunden und wollen unbedingt wissenschaftlicher Lektor werden? Dann ist möglicherweise ein Umzug angesagt und eine strategische Planung der Einstiegswege, damit das Volo nicht die Endstation ist. Möglicherweise bedeutet dies aber auch die bewusste Entscheidung und Vorbereitung auf eine freiberufliche Existenz.

Anstellung und Freiberuflichkeit: Wir sind es häufig gewohnt, in der Kategorie „Anstellung“ zu denken und zu suchen. Traditionell gehört der Buchmarkt aber zu den Feldern, die einen hohen Anteil an Selbstständigen (gewerblich, etwa Verleger, Buchhändler)  und Freiberuflern (künstlerisch-wissenschaftlich, etwa Autorinnen, Lektorinnen) kennen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Berufsbild auch der Angestellten in den Verlagen wesentlich gewandelt. Verlagslektoren sind inzwischen häufig Projekt- und Programmmanager; das lesende Lektorat und das Korrektorat sind ausgelagert an freie Dienstleister oder an die Autorinnen selbst. Entsprechend verändern sich das Berufsbild und die Anforderungen an Bewerbern: hohe Kommunikationskompetenz, um die Abläufe zwischen allen Beteiligten am Projekt „Buch“ reibungslos zu gestalten, gute Marktbeobachtungsgabe, um die Bücher gewinnbringend zu planen und zu platzieren, professionelle Lesekompetenz, um Manuskripte auf ihren Marktwert hin einschätzen zu können, professionelle Schreibkompetenz, um marktgängige Klappentexte etc. erstellen zu können.

Die Buchbranche wäre ohne Freiberufler nicht arbeitsfähig. Dummerweise sind aber auch viele Freiberufler nicht arbeitsfähig, weil sie sich nicht auf diese Erwerbsorganisationsform vorbereiten. Sie sind der inhaltlichen Arbeit stark verhaftet – und dies entspricht ja auch der Anfangsmotivation. Sie wollen nicht verkaufen und nicht führen, und sie sind häufig introvertiert und/oder aufgrund der Kindererziehung lokal gebunden. Für eine erfolgreiche Freiberuflichkeit ist aber Professionalisierung der Dienstleistung erforderlich, Selbstvermarktung, Netzwerkarbeit, Akquise, effiziente Selbstorganisation. Unter diesen Voraussetzungen erlaubt die freiberufliche Arbeit in der Buchbranche einen hohen Grad an Selbstbestimmung und inhaltlicher Konzentration.

Das kann für Sie bedeuten: Informieren Sie sich über den Aufbau einer freiberuflichen Existenz. Suchen Sie Freiberufler und laden Sie sie ein. Eine wesentliche Schwierigkeit für den Einstieg in die freiberufliche Bucharbeit besteht darin, keine Rollenvorbilder zu haben, bei Freiberuflern in der Regel keine Praktika absolvieren zu können und auch keine spezifischen Weiterbildungsangebote zu haben, die thematisieren, wie freiberufliche Existenzsicherung geht. (Ich biete solche Kurse übrigens an. J)

Digitalisierung: Die Buchbranche ist in Arbeitsabläufen, Kommunikation, Vertrieb und Produkten digitalisiert. Das hat Folgen: MS Office professionell zu beherrschen ist keine besondere Kompetenz, sondern eine selbstverständliche Kulturtechnik. „professionell beherrschen“ meint nicht, Word öffnen und dann tippen zu können, sondern zB Serienbriefe erstellen können, mit Templates und Formatierungen arbeiten können, Probleme zu lösen (Autoren auf die Spur kommen, die die Silbentrennung für einzelne Absätze unterdrücken u.ä.), Projekte in excel zu kalkulieren… . Hinzu treten Programme und Datenbanken, die Sie im Fachstudium wahrscheinlich nicht kennenlernen: InDesign, QuarkExpress, ONIX, Shopsysteme, Anwendungssoftware für die Verlagsverwaltung, Katalogsoftware… – Gibt es vielleicht eine andere Stelle an der Uni, an der Sie etwas davon lernen können?

Eine Kleinigkeit am Rande: Buchhändler stöhnen gern über amazon. Tatsächlich ist dank der Möglichkeiten des eCommerce aber der Anteil der direkten Verlagsverkäufe höher als der von amazon. Amazon „nimmt“ dem Buchhandel etwa 13% des Umsatzes, die übrigen online-Shops weitere 3%. Der Verlagsbuchhandel liegt hingegen bei über 20%. Entsprechend haben alle Beteiligten der Buchbranche ein Interesse am eCommerce. Eine fast noch wichtigere Veränderung hat amazon in der Kundenzentrierung gebracht: Es ist nicht mehr allein entscheidend, was Buchhändler und Verlage für kulturell wertvoll halten. Kunden und Laien mischen den Markt auf.

Das kann für Sie bedeuten: Als Einsteiger wird von Ihnen nicht erwartet, dass sie all das können, aber dass Sie bereit sind, sich einzuarbeiten und nicht auf einem romantisierten Bild vom Buch als analogem Medium beharren. Sie müssen lernfähig bleiben, weil die Programme alle paar Jahre in neuen Versionen auf den Markt kommen. Buch-ECommerce kann eine interessante berufliche Perspektive sein. Amazon Deutschland hat Niederlassungen in München, Berlin und Dresden und betreibt Hochschulrecruiting, vorwiegend in den Bereichen Logistik, Software, Administration/Prozessmanagement.

Es bedeutet auch, dass wir hier eine Trennung von Spezialisten und Generalisten sehen können. Die Generalisten unter uns können sich in eCommerce, Administration etc. einarbeiten und von allem ein bisschen erlernen, verstehen und anwenden, um dann vielleicht aufgabenbezogen etwas tiefer zu schürfen. Die Spezialisten unter uns, die nahe am Text und Buch bleiben wollen, müssen sich mit Spezialsoftware befassen.

Info:

https://www.boersenverein.de/de/portal/Presse/158382?presse_id=1425367

Weiterbildung (nicht nur Digitalisierung):

https://www.boersenverein.de/de/portal/Fortbildung/158341

https://www.buecherfrauen.de/akademie/ (für Netzwerkmitglieder)

 

Impulse to go

Allein auf E-Books zu setzen scheint in Deutschland noch schwierig zu sein. Jobs mit Büchern gibt es nicht nur in der klassischen Buchbranche. Alternativen sind sämtliche Kultur- und Bildungseinrichtungen, die auch publizieren oder Bücher verwalten, etwa auch Bibliotheken. Hinzu kommen privatwirtschaftliche Kulturunternehmen, etwa Tourismusanbieter, die Reiseführer herausbringen. Es lohnt sich, auch ganz anders zu denken: Eine beeindruckende Publikationsliste wies ein ehemaliger Bankmitarbeiter auf – er war von einer Kreissparkasse eingestellt worden, um vier Mal im Jahr für die Einleger ein regionalhistorisches Büchlein zu machen.

Ein wachsender Markt, allerdings „vom Establishment“ kritisch beäugt, ist das Selfpublishing.

Geisteswissenschaftler*innen in der Buchbranche

Traditionell gibt es inhaltliche, methodische und soziale Verbindungen zwischen den geisteswissenschaftlichen Disziplinen und der Buchbranche. Mal ein schlichter Prozess: Geisteswissenschaftler*inn*en schreiben Bücher und verlegen sie im Fachverlag bei ihren ehemaligen Kommilitonen. Die Verlegerin stellt das Buch auf den Buchmessen vor, schickt die Vorschau an die Zwischenhändler und Einkaufsservices, pflegt den Titel in die Verkaufskataloge ein, spricht ihre Bekannten an, damit der Titel auf HSozKult, H-Net etc. platziert wird. Der Freund von damals, der leider das Studium abgebrochen, eine Lehre zum Buchhändler gemacht hat und jetzt die Universitätsbuchhandlung als Ableger führt, verkauft das Buch. Die Freundin von damals, die nach dem Studium an der Journalistenschule angenommen worden war, bespricht das Buch im Feuilleton einer großen überregionalen Zeitung. Hier sehen wir soziale Zusammenhänge, die aus dem Studium in die Buchbranche wirken können. Sie können sich überlegen, ob Sie die Rolle als Autorin, Verlegerin, Verkäufer, Journalist, Kritikerin etc. einnehmen wollen – in diesem Zusammenhang sind sie sämtlich sozial affin zum Universitätsstudium. Sie kennen ein gemeinsames Projekt – ein wissenschaftliches Buch. Ähnliche soziale Stabilität finden Sie im Bereich Schulbuch, Lexikon/Fachwörterbuch und Ausstellungskatalog oder Archivverzeichnis. Die Verbindungen, die im akademischen Kontext als adäquat bewertet werden, bestehen in der sozial Kontinuität: wissenschaftliches Fachlektorat, in der Wissenschaftspublizistik, in der wissenschaftlichen Übersetzung und im wissenschaftlichen Lizenzgeschäft (Einkauf und Übersetzung fremdsprachiger wissenschaftlicher Titel).

Leitungsfunktionen in Wissenschaft, Buchverbands-, Handels- und Verlagswesen, opinion leadership etc. werden nach wie vor häufig von Männern wahrgenommen. Frauen stellen das Gros der Angestellten und der Freiberufler sowie der Klein- und Kleinstunternehmerinnen. Berücksichtigen Sie das ggf. auch bei der Bewerbung – wie weit weichen Sie von der Ähnlichkeit im Zielteam ab?

Zum Bereich Belletristik bestehen inhaltliche und methodische Verbindungen. Ihre Fachkenntnisse bezüglich der historischen Kontexte, Motive, Genres, Erzähltechniken, Figurenentwicklung, Settings, Plots etc. stammen aus dem Fachstudium und eigener Schwerpunktwahl. Wenn man die Belletristik-Bestsellerlisten der vergangenen Jahre auswertet, stellt man fest, dass die Mehrzahl der Autor*innen (auch) ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert haben – auch wenn die Mythenbildung das nicht betont, sondern eigene Geschichten kennt (von der Sozialhilfe zum Bestseller etc.).

Methodische Kontinuität findet sich zB in der professionellen Texterstellung und Textbearbeitung inkl. Korrektur und Referenzbeziehungen oder in der Edition. Andere methodische Zusammenhänge können nach Disziplin variieren: für Historiker*inn*en kann zB die Rechteprüfung im Sinne der Quellenkritik dazugehören, für Sozialwissenschaftler*inn*en die Marktanalyse,

Das kann für Sie bedeuten: Es gibt ein akademisches Framing für die Buchbranche und soziale Linien zwischen Personen in der Universität und im Buchmarkt. Machen Sie sich auf die Suche. Professionalisieren Sie Ihre Textarbeit, im Zweifel auch mit Kursen außerhalb des Studium, etwa im Schreiblabor der Universität, bei der Akademie des Börsenvereins, bei Textwerkstätten, bei Angeboten von Praktikerinnen. Professionalisieren Sie auch Ihre Lektorat- und Analysefähigkeiten – häufig läuft das Lektorat allzu intuitiv. Trainieren Sie Ihr Gespür dafür, wo die Buchbranche fachaffine akademische Bezüge aufweist und wo die Grenze verläuft – und finden Sie dann eine eigene Position dazu.

Seit der Bolognareform macht der Topos von Geisteswissenschaftlern als Generalisten die Runde. Wenn Sie einfach nur „etwas mit Büchern“ machen wollen und es Ihnen egal ist, ob Sie im Produktmanagement, im Marketing oder im Lizenzgeschäft eingesetzt werden und ob Sie als Fachwissenschaftlerin arbeiten, liegt es nahe, in die Breite zu lernen und schnell praktische Erfahrung zu sammeln.

Wenn Sie hingegen als Spezialist, als Fachwissenschaftler in die Buchbranche wollen, liegt es nahe, sich im Studium zu spezialisieren und frühzeitig zu recherchieren, wo die Verlage, Buchhandlungen, Verbände, Kulturinstitutionen, Medien etc. sind, die genau Ihre Spezialisierung benötigen – das kann im Bereich Technikgeschichte sein, Ratgeber, Reiseliteratur, Regionales etc. sein, aber auch in Methoden wie digitale Arbeitstechniken oder Nutzungszusammenhängen wie etwa Selfpublishing oder außerschulisches Lernen.

Klären Sie also für sich, welche professionelle Identität Sie aus Ihren Studienfächern entwickeln. Werden und wollen Sie wirklich Fachabsolventin sein, oder werden und wollen Sie ein geisteswissenschaftliches Studium mit fachübergreifenden Schlüsselkompetenzen absolviert haben? Die Buchbranche hält für beide Absolventengruppen Chancen bereit, doch wäre es hinsichtlich der beruflichen Zufriedenheit fatal, diese Differenz zu ignorieren.

Praktikumsplätze: In eigener Sache

WordPress meldet: Der Brotgelehrte-Blog hat heute Geburtstag; 2 Jahre alt wird er, kann also sprechen, laufen und ist sauber.
Zur Feier des Tages freue ich mich, zwei Praktikumsplätze ausschreiben zu können, die beide in meinem unmittelbaren Umfeld angesiedelt sind. Ich freue mich über Crosspostings und Bewerbungen!

1. Verlagspraktikum beim Eire Verlag

2. Praktikum im Bereich Hochschulconsulting/ wissenschaftliche Weiterbildung bei Alexandra Busch:

Praktikantin gesucht für Promovendinnen-Workshop-Vorbereitung

Wir suchen in der Zeit zwischen 01.07.2013 und 15.12.2014 eine Praktikantin (mit Bachelor Abschluss bzw. in der Bachelor Abschlussphase), die für uns die komplette organisatorische Vorbereitung, einen Teil des Marketings und die Nachbereitung eines Workshops für Promovendinnen mit ca 80 Teilnehmerinnen (inkl. Anmeldeverfahren) übernehmen kann (ca 150 Std Gesamtarbeitszeit).

Erfahrungen in Projektmanagement, Kommunikationsstärke, Serviceorientierung, Freude an der Arbeit in einem interdisziplinären Team und sehr gute Computerkenntnisse, idealerweise ergänzt um gute Kenntnisse in „word press“, setzen wir voraus.

Wir bieten angemessene Herausforderungen in einer guten Arbeitsatmosphäre inkl. regelmäßigem, wertschätzendem Feedback und die Möglichkeit zu selbstständigem, eigenverantwortlichen Handeln.

Bewerbungen richten Sie bitte an Alexandra Busch Hochschulconsulting, busch@alexandra-busch.de

 

Kleinverlag

Im Dezember versprach ich, durch die Unterbranchen der Kulturwirtschaft zu gehen, nun also der Schritt hin zur Buchwirtschaft mit dem Schwerpunkt Kleinverlage. Lange überlegte ich daran herum, da es doch ein weites Feld ist und hinsichtlich der konkreten Arbeitsmöglichkeiten eigentlich schnell zusammenzufassen:

  1. Sie können selbst einen Verlag gründen.
  2. Sie können als Honorarkraft bzw. unabhängige Agentin mit einem Verlag zusammenarbeiten, etwa zum Lektorat, Korrektorat, Projektmanagement.
  3. Sie können sich von einem Kleinverleger anstellen lassen – doch sei gleich erwähnt, dass diese Möglichkeit eher theoretischer Natur ist, denn Kleinverlage zeichnen sich durch einen winzigen Mitarbeiterstamm aus, der meist aus der bzw. den Eigentümern besteht.

Nun wollte ich recherchieren, doch gerade noch rechtzeitig fiel mir ein: Ich bin ja selbst Kleinverlegerin! Was ist schon Recherche gegen Erfahrung?

In einem Moment, in dem es mit dem Habilitationsschreiben nicht so recht voranging und zudem eine Festschrift vorbereitet werden musste, überlegte ich, wie ich zukünftig manchen Frust vermeiden könnte, unterbreitete meinem Mann die Idee, einen Verlag zu gründen, 20 Minuten später hatten wir einen Namen, da ja einer hermusste, ich fuhr am Nachmittag zum Ordnungsamt, um das Gewerbe anzumelden, und machte abends eine Flasche Prosecco auf, um dies zu feiern. So einfach geht also die Gründung.

Der zu vermeidende Frust bezog sich im Wesentlichen auf meine Erfahrung als Autorin und Herausgeberin; ich musste nämlich jeweils eine druckfertige Datei beim Verlag abgeben (Lektorat, Korrektorat und Satz lagen also ohnehin in meiner Hand), eine Abbildung für den Titel bereitstellen, sämtliche Rechte an Abbildungen und Karten besorgen sowie die erforderlichen Druckkosten einwerben. Und dann musste ich mich ärgern, falls ich mehr als drei Exemplare benötigte, dass ich sie dem Verlag abkaufen musste. Ich dachte, den „Rest“, nämlich Coverdesign, Organisation der Herstellung, Marketing und Vertrieb, kann ich dann auch noch einfach selbst machen oder in Auftrag geben. Ich hatte keinen Businessplan, keine Software, keine Erfahrung im Vermarkten von Büchern, aber Spaß an der Sache und damit den Spin, wieder an die ungeliebten Hauptaufgaben zu gehen.

Der Kontakt zu unserer ersten Autorin, Ellen Dunne, entstand über gemeinsame Freunde. An ihrem Buch WIE DU MIR lernte ich unendlich viel:

  • Über die Kalkulation des Ladenpreises und die Verzweiflung, wenn diese zerschossen wird, weil zwischen Test- und Endsatz plötzlich 200 Seiten mehr auftauchen.
  • Über die eigentlich geringe Gebühr für ISBN, aber Mindestabnahmezahlen.
  • Über das Problem, Büchersendungen innerhalb Europas zu verschicken und die Bundeszentrale für Steuern, über deren Website die Bestätigungen über die Befreiung von der Umsatzsteuer bei innergemeinschaftlichem Güterverkehr zu erhalten sind.
  • Überhaupt: die Berechnung der Umsatzsteuer. Ich wäre verloren, gäbe es nicht den online-Umsatzsteuerrechner.
  • Über Talent (Ellen) und Scheu (ich) beim Einsatz von social media. Eine Journalistin sagte mir: „Auf Ihrer Website steht sinngemäß: Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie mit meinen Produkten belästige.“
  • Über den langen Atem, den es braucht: ein halbes Jahr, ehe der erste Großhändler einstieg (und damit das Buch deutschlandweit über Nacht lieferbar wurde), ein ganzes Jahr, bis auch amazon erschlossen war.
  • Über die Machtstrukturen im Buchhandel – Thalia ist eine uneinnehmbare Festung. Aushilfskräfte, die nicht im VLB, sondern nur in den Katalogen der Großhändler recherchieren und dann die Auskunft geben, das Buch gäbe es gar nicht, sind der Tod für jeden Kaufimpuls.
  • Über hinreichende Kapitalreserven: Die erste Auflage war vergriffen, aber noch nicht alle Kunden hatten bezahlt, so dass ich für den Nachdruck nicht liquide war.
  • Über die Herstellung von eBooks mittels freeware (z. B. calibre) und den Segen von amazon an dieser Stelle.
  • Über Urheberrechte – sie gelten auch für Schriftarten, auch für die MS-Word-Standardschriften.
  • Über Arbeitgeberpflichten – Ich hatte für ein paar Tage eine Honorarkraft auf ihren Wunsch hin sozialversicherungspflichtig angestellt und lernte viel über Steuern, An- und Abmeldung zur Sozialversicherung, Berechnung der Beiträge, Gewerkschaften und Arbeitsschutz. Es ging alles gut, aber ich habe inzwischen viel Verständnis für kleine Betriebe, die lieber Honorarkräfte statt Angestellte beschäftigen.

Inzwischen habe ich das dritte Buch verlegt, die Titel vier bis sechs sind in Vorbereitung. Ich arbeite mich in Satz- und Layoutprogramme ein, übe mich in der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, um dafür zu sorgen, dass die Bücher auch ein Publikum finden. Da ich den Verlag in Nebentätigkeit führe, muss ich mir Lösungen für meine Erreichbarkeit und mein Zeitmanagement überlegen: Gestern etwa gingen drei Stunden für den Versand des neuen Titels drauf, nächste Woche bin ich drei Tage lang verreist und will kein Lager mitnehmen. Ich vergesse auch bisweilen, die Mailadresse abzufragen, in der die FAXe eingehen – ohne FAX geht nichts im Buchhandel.

Auch über die Zugehörigkeit zu Interessensverbänden muss ich mir allmählich Gedanken machen. Und vielleicht doch einmal einen Businessplan schreiben: Unsere drei Titel sind zwar erfolgreicher, als ich erwartet hatte, doch der erste ist nun so eben kostendeckend – von Gewinn, gar ein Einkommen für mich kann noch keine Rede sein. Erst mit mehr Titeln, deutlicher zu bestimmenden Zielgruppen und entsprechendem Marketing, käme wohl mehr Umsatz. Doch dafür braucht es Ressourcen: Zeit, Autoren zu finden bzw. selbst zu schreiben, und Geld, um Herstellung und Begleitkosten zu gewährleisten.

Überhaupt ist der Umsatz durch Dienstleistungen (Lektorat, Korrektorat, Beratung, Coaching) für mich sehr viel höher und leichter zu erwirtschaften als durch den Verkauf von Büchern. In den Buchpreis fließen natürlich die Umsatzsteuer (7%) und das Autorenhonorar (10%), die Herstellungs- und Nebenkosten (ca. 30%, bei uns Druck, Werbe- und Coverdesign) sowie die Rabatte, die wir dem Buchhandel für den Wiederverkauf gewähren und die zwischen 35 und 50% liegen. Aus dem Rest, der also schlimmstenfalls nicht besteht und bestenfalls bei ca. 20% liegt, müssen die allgemeinen Kosten des Unternehmens gestemmt werden: Kommunikation, Verpackungsmaterial, Gebühren, Entwicklung des Logos, Fachliteratur und natürlich das fantastische Gehalt der Verlegerin.

Es ist also einfach und schnell gemacht, einen Verlag zu gründen. Ich habe dabei gelernt, dass es im Vergleich dazu, Bücher zu verkaufen, sogar leicht ist, Bücher zu schreiben. Einen Verlag dahin zu führen, dass er die Existenz ermöglicht, braucht

  • finanzielle Liquidität,
  • engagierte Autoren, die für ihr Werk selbst in die Öffentlichkeit treten,
  • Affinität zu social media und elektronischen Formen der Veröffentlichung und Verbreitung sowie einen entsprechenden Medienmix aus „alt“ und „neu“,
  • Kompetenz in Textverarbeitungs- und „Kreativsoftware“,
  • jemanden, der sichtbare, attraktive Umschläge gestalten kann – ohne guten Umschlag sind die Titel im Buchhandel verloren
  • Zähigkeit, Buchhändler davon zu überzeugen, die Titel in ihr Angebot aufzunehmen.
  • Eine Schwerpunktsetzung und daraus folgend eine Bestimmung der Kunden und ihrer spezifischen Bedürfnisse. Fachbücher brauchen fachkompetentes Lektorat und weniger Coverdesign, Kinderbücher brauchen ebenfalls fachkompetentes Lektorat – nämlich zielgruppengerecht – und ansprechende Illustrationen usw.
  • Zudem wäre zu überlegen, ob ein Kleinverlag neben den Büchern auch Dienstleistungen anbieten kann – Beispiele für solche Kombinationen gibt es gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich (z. B. Vergangenheitsagentur – Vergangenheitsverlag).

Plinke, Manfred: Mini-Verlag. Selbstverlegen. Ein Ratgeber für Verlagsgründer, Berlin 1998

Pahlke, Heinz W.: Buchsatz für Autoren, Herzogenrath 2008

Internationale Buchmesse für Kleinverleger und Handpressen

Stiftung pro libri Luzern